04.01.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

4.1.2006: Wie entwickelten sich Umweltaktien im Jahr 2005? Heute: Rückenwind für Windkraftwerte

Mit Umweltaktien konnten Anleger 2005 schöne Gewinne einfahren - wenn sie auf die richtigen Titel gesetzt hatten. Wie haben die verschiedenen Branchen abgeschnitten? Welche Unternehmen arbeiteten erfolgreich, wo brauchten Aktionäre besonders gute Nerven und wer musste trotz eines positiven Marktumfelds ein Minus bei der Kursentwicklung hinnehmen? In einer mehrteiligen Serie wollen wir Ihnen dazu in den nächsten Tagen einen Überblick geben. Heute: Windenergieaktien segeln nach vorn.

Zahlreiche Unternehmen der Windkraftbranche verzeichneten im Geschäftsjahr 2005 kräftige Kursgewinne. Darunter auch der Bremer Projektierer von Windparks Energiekontor AG. Anfang September 2004 notierte die Aktie des Unternehmens auf ihrem historischen Tiefststand: 0,86 Euro. Dann kehrte das Vertrauen in das Überleben des Unternehmens zurück, die Notierung verbesserte sich - begleitet von kleineren Rückschlägen - beständig. 2005 legte der Kurs der Aktie um knapp 110 Prozent zu, der Jahreshöchsthand lag nur 12 Prozent darüber.

Weniger glücklich sieht die Performance des Cuxhavener Projektierers Plambeck Neue Energien AG aus. Zum Jahresende lag der Kurs der Aktie um mehr als 45 Prozent unter dem Jahreshöchststand. Allein in den letzten Dezembertagen verloren die Papiere stark an Boden, mit Kursverlusten bis auf 1,04 Euro befand sich Plambeck auf dem besten Weg zum Pennystock. Das Minus seit Anfang 2005 beläuft sich auf mehr als 25 Prozent, auch eine Ende Dezember verbreitete Nachricht des Unternehmens über die Verringerung der Schuldenlast sorgte bisher nicht für eine deutliche Verbesserung der Situation für die Aktie.

Auch die Aktionäre der Wiesbadener Abo Wind AG brauchten im Verlauf des Jahres 2005 gute Nerven. Für die Aktie, die nur außerbörslich beispielsweise über das Ettlinger Wertpapierhandelshaus Valora gehandelt werden kann, wurden zu Jahresbeginn 7 Euro notiert. Der Kurs kletterte bis zum 15. Juni auf 10 Euro; ein erfreulicher Zuwachs von mehr als 40 Prozent, zumindest für diejenigen Anleger, die im Juni verkaufen wollten. Am 3. Januar 2006 wurden die Aktien für zuletzt 6,85 Euro gehandelt, obwohl die Gesellschaft im September meldete, dass der Gewinn 2005 "deutlich höher" ausfallen werde als im Vorjahr (ECOreporter.de berichtete).


Dramatische Höhen und Tiefen bei Windanlagenbauern

Als vollen Erfolg kann der Hamburger Windanlagenbauer REpower Systems AG das Geschäftsjahr 2005 verbuchen. Nach einem Tiefstand bei 12 Euro im Mai gab es kein Halten mehr für die Aktie des Unternehmens, Ende des Jahres verbuchten REpower ein Plus von mehr als 140 Prozent gegenüber dem Jahresanfang. Trotz des steilen Kursanstiegs gab nur es vergleichsweise geringe Kursschwankungen, der Höchstkurs von 35,55 Euro lag gut 12 Prozent über dem Jahresendwert.
Verglichen damit gerieten die Anteilseigener des dänischen Weltmarktführers bei Windturbinen, Vestas Wind Systems A/S, sicher mehr ins Schwitzen. Die Papiere fuhren zum 31.12.2005 zwar ein erfreuliches Plus von fast 60 Prozent ein, das Jahrshoch lag jedoch gut 50 Prozent über dem Schlusskurs vom 30. Dezember. Der Kurssturz der Windkraft-Aktie hatte im November eingesetzt, als Vestas meldete, dass das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) nicht wie angekündigt positiv ausfallen werde. Statt einem Plus von rund 4 Prozent sei mit einem Minus von 3 Prozent zu rechnen, so das dänische Unternehmen (ECOreporter.de berichtete).

Weniger dramatisch sieht es für die Aktionäre der spanischen Gamesa Corp. Tecnologica S.A. aus: Der Windturbinenhersteller mit Sitz in Vitoria-Gasteiz steigerte den Börsenwert im Jahresverlauf um knapp 20 Prozent. Die Jahreshöchstkurse der Aktie lagen im September knapp 10 Prozent über dem Stand Ende Dezember.

Die Aktionäre der Norderstedter Nordex AG erlebten im Jahresverlauf 2005 ein Wechselbad der Gefühle. In einem komplizierten Sanierungs-und Refinanzierungsprozess gelang es dem Maschinenbauer, die drohende Insolvenz abzuwenden. Der Preis: Ein Kapitalschnitt im Verhältnis 10:1 und der Einstieg von Großinvestoren, die nun das Sagen bei dem Windradhersteller haben. Für gut 1,50 Euro war die Nordex-Aktie im April zwischenzeitlich zu haben, zum Jahresende wurde 5 Euro für die Anteilscheine gezahlt. Dennoch verbuchten Aktionäre, die schon am 1. Januar 2005 in Nordex investiert waren, einen Verlust in Höhe von knapp 22 Prozent.


Kursgewinne für Windparkbetreiber

Seit 2002 sind die Aktien des 1995 gegründeten Erneuerbare-Energie-Unternehmens Theolia SA aus dem südfranzösischen Aix-en-Provence an der Pariser Börse (Euronext Paris) im sogenannten "Marché Libre" gelistet. In Deutschland kann die Aktie über die Börsen Frankfurt, München, Bremen und den elektronischen Xetra-Handel gekauft werden. Theolia entwickelt, kauft und betreibt Windparks, ECOreporter.de stellte das Unternehmen im September ausführlich vor ("Der französische Wind-Star"). Theolia sei bereits hoch bewertet, hieß es in unserem Beitrag. Anleger sollten sich zunächst zurückhalten und beobachten, ob es dem Unternehmen gelinge, seine starke Marktposition in Frankreich weiter auszubauen, sich neben der Windkraft weitere Geschäftsfelder wie die Biomassenutzung und die Abfallverwertung zu erschießen und aus dem stürmischen Wachstum auch nachhaltige Gewinne zu erwirtschaften. Kein schlechter Rat, denn seit einem Höchstkurs von 14,09 Euro am20. September litt die Aktie unter Gewinnmitnahmen, der Kurs korrigierte bis Ende Dezember 2005 auf 10,46 Euro. Dennoch können sich Anteilseigner, die bereits Anfang 2005 Theolia-Papiere besaßen, über ein beachtliches Plus freuen: Anfang 2005 wurde die Aktie für weniger als 6 Euro gehandelt, der Zuwachs beträgt fast 75 Prozent.

Die Aktien der wind 7 AG aus Eckernförde werden (noch) nicht an der Börse gehandelt. Das Unternehmen projektiert und betreibt Windparks und bietet als Dienstleister verschiedene Services für andere Betreiber an. Die über Valora handelbare Aktie verzeichnete in 2005 ein erfreuliches Kursplus: Nach 4,35 Euro am 11. Januar wurden im Dezember zuletzt 6,93 Euro für die Papiere notiert. Das Eckernförder Unternehmen will eigenen Angaben zufolge möglicherweise schon im Frühjahr 2006 konkrete Verhandlungen aufnehmen und die Möglichkeiten eines Börsenganges ernsthaft prüfen. Es gebe aktuell eine Reihe von interessierten Banken und Emissionshäusern, welche die wind 7 gern bei einem solchen Schritt begleiten würden, hieß es in einer Meldung der Gesellschaft.

ABO Wind AG: ISIN: DE0005760029 WKN: 576002
Energiekontor AG: ISIN DE0005313506 / WKN 531350
Gamesa Corp. Tecnologica S.A.: ISIN ES0143416115 / WKN A0B5Z8
Nordex AG: ISIN DE000A0D6554 / WKN A0D655
Plambeck Neue Energien AG: ISIN DE000A0JBPG2 / WKN A0JBPG
Plambeck 6%-Wandelanleihe 2004/2009: ISIN DE000A0AY6F1
REpower Systems AG: ISIN DE0006177033 / WKN 617703
Theolia SA: ISIN FR0000184814 / WKN A0B550
wind 7 AG: ISIN DE0005266407 / WKN 526640

Bilder: Turmsegmente einer Windkraftanlage der Energiekontor AG; Montage eines REpower-Windrads; Windturbinen der Nordex AG im norwegischen Havoygavlen / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x