04.01.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

4.1.2007: Jahresrückblick 2006 - Schwerpunkt Bio-Aktien: Auf Euphorie folgte Ernüchterung, weiter großes Potential

Das Jahr 2006 verlief für den Sektor der Biotreibstoffe sehr widersprüchlich. So kann man für die ersten acht Monate des vergangenen Jahres sogar von einem Boom für die Branche der Produzenten von Biodiesel und Ethanol sprechen. Hauptmotor dieser Entwicklung war der starke Anstieg des Ölpreises, der bis zum August fast 50 Prozent zulegte. Dies führte etwa in den USA zu politischen Entscheidungen, die der Biotreibstoffbranche großen Auftrieb gaben. US-Präsident George W. Bush, bisher vor allem als Lobbyist der Ölindustrie in Erscheinung getreten, geißelte die Abhängigkeit der USA von Öl-Importen und erließ ein Dekret zur Förderung der Produktion alternativer Treibstoffe mit ehrgeizigen Zielvorgaben. Ein Positionspapier der nun das Bundesparlament dominierenden Demokraten sah vor, dass bis 2015 rund 10 Prozent der Treibstoffe an Tankstellen aus Ethanol bestehen soll. Die US-Energieinformationsbehörde EIA prognostizierte einen zunehmend steigenden Bedarf an Bioethanol. Ihr zufolge wird der Bedarf an Bioethanol in den USA von aktuell 28,4 Milliarden Litern bis 2012 auf 42,2 Milliarden Liter steigen. Bis 2030 werde der Bedarf auf 55,3 Milliarden Liter wachsen, was dann etwa acht Prozent des benötigten Kraftstoffes betragen dürfte. Derzeit werden in den USA jährlich rund 17 Milliarden Liter Bioethanol produziert. Damit zogen die Vereinigten Staaten bei der Ethanol-Kraftstoffproduktion erstmals mit Brasilien gleich.

Beim Biodiesel bleibt Deutschland Spitzenreiter. Das stellte der Globale Statusbericht 2006 des REN21 (Renewable Energy Policy Network for the 21st Century) im vergangenen Jahr fest. Der Anteil von Biokraftstoffen am globalen Treibstoffverbrauch stieg dem Statusbericht zufolge von 33 Milliarden Litern auf insgesamt 37 Milliarden Liter an. Allein die Hälfte der weltweiten Biodiesel-Produktion stamme aus deutscher Produktion, bei einem 75-Prozent-Anstieg in der EU. In Deutschland hatte die Produktion von Biokraftstoff schon 2005 die von Brüssel vorgegebenen Ausbauziele für den Anteil alternativer Treibstoffe überstiegen. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2010 den Anteil von Biodiesel am Kraftstoffverbrauch auf 5,75 Prozent zu erhöhen. Diese Vorgabe ist eine wesentliche Ursache für den Aufschwung des Biotreibstoff-Sektors.

So ergab sich insbesondere für US-amerikanische und deutsche Unternehmen der Biotreibstoff-Branche ein günstiges Umfeld für den Gang an die Börse. Insgesamt elf Gesellschaften mit Fokus auf Biotreibstoffe und die Energieerzeugung aus Biomasse und Biogas schafften den Schritt aufs Parkett. Und es ist eine Folge der oben beschriebenen Entwicklung, dass die Ende 2006 börsennotierten Unternehmen aus diesem Sektor fast alle ihren Sitz in den USA oder in Deutschland haben.
Dennoch ist die Bilanz dieser Bio-Aktien zum Ende des Jahres überwiegend negativ. Von den Börsenneulingen hat 2006 kein Biotreibstoffproduzent eine positive Performance geschafft, teilweise verbuchten sie nach der Erstnotiz sogar drastische Kursverluste. Insgesamt erzielte trotz der lange so günstigen Ausgangslage nur knapp ein Drittel der Bio-Aktien in unserer Aufstellung einen Kurszuwachs.

Die Ursache dafür ist nicht nur der deutlichen Verfall des Ölpreises im letzten Drittel des Jahres 2006, der insbesondere die Begeisterung der US-Amerikaner für Ethanolhersteller abflauen ließ. Die Anbieter alternativer Treibstoffe mussten die Marktpreise für Ethanol in den Vereinigten Staaten um 55 Prozent senken. Dort schlugen außerdem höhere Kosten für den Rohstoff Getreide auf die Margen der börsennotierten Produzenten. Insgesamt droht ihnen ein Rohstoffengpass, denn auch bei Alternativen wie etwa Mais ist das Angebot begrenzt. Schon im nächsten Jahr werden die USA bereits ein Drittel der Maisernte zu Ethanol verarbeiten. Die Verwendung von Algen wird noch erprobt. Vor allem diese Entwicklungen führten dazu, dass Ethanol-Aktien an den US-Börsen im Herbstquartal im Schnitt über 40 Prozent an Wert verloren. Aufgrund der schlechten Stimmung an den Märkten sah sich die Ethanol-Produzentin Hawkeye Holdings Inc. sogar genötigt, ihren geplanten Börsengang abzusagen.

Trotz des sich verschlechternden Umfeldes wagten in Deutschland noch im Herbst 2006 einige Biotreibstoffproduzenten den Gang aufs Börsenparkett. Sie mussten dabei jedoch, wie etwa die Verbio Vereinigte BioEnergie AG, beim Emissionspreis deutliche Zugeständnisse machen. Erschwerend kam hierzulande hinzu, dass die Bundesregierung trotz eingestandener Belastung für den Sektor beschloss, zum 1. Januar 2007 die Steuerbegünstigung für Biokraftstoffe weitgehend aufzuheben und stattdessen eine Quote für die Mindestbeimischung von Biokraftstoffen zu Benzin und Diesel einzuführen. Der Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) kritisierte, dass die Steuer für Biodiesel ab 2008 um jährlich 6,3 Prozent angehoben und um 2012 den vollen Mineralölsteuersatz betragen wird. Damit sei Biodiesel jedoch nicht mehr konkurrenzfähig. Der Markt für reinen Biodiesel (B100) drohe in den kommenden Jahren zusammenzubrechen. Zwar seien die Beimischungsquoten zu begrüßen. Dennoch sei die heute bestehende Biodieselproduktion allein durch die Beimischung nicht abzusetzen. Mineralölkonzerne müssen laut dem Gesetz bis zum Jahr 2009 ihrem in den Handel gebrachten Benzin und Diesel einen Mindestanteil Biokraftstoff von 5,7 Prozent beimischen. Ab dem Jahr 2010 soll dieser Anteil an der Gesamtmenge 6,0 Prozent betragen. Biokraftstoffe, die unter die Quote fallen, werden künftig nicht mehr steuerlich begünstigt.

Doch auch andere Entwicklungen sorgten für Ernüchterung. So prognostizierte die EU-Kommission, dass bei der Produktion von Biodiesel mit Engpässen beim Raps zu erwarten seien. Weltweit gebe es insgesamt nur eine begrenzte Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe, die in Biosprit umgewandelt werden, stellten Experten wie Matthias Fawer-Wasser von der Bank Sarasin fest. Werde nicht durch neue technologische Entwicklungen eine bessere Ausbeute der Biomasse erreicht, könnten maximal nur fünf Prozent des derzeitigen Diesel- und Benzinverbrauchs in der EU und den USA damit abgedeckt werden, so Fawer-Wasser. Auch aus Pflanzen gewonnene Diesel- und Ethanol-Kraftstoffe können Mensch und Umwelt belasten. Aus Sicht der Bank Sarasin sind Biodiesel und Bioethanol außerdem nicht unbedingt ökologisch und sozial verträglich. Gerade billige Soja- und Palmölimporte aus Entwicklungs- und Schwellenländern wiesen teils erhebliche Risiken auf.

Es gibt jedoch auch Bio-Aktien, deren Geschäft nicht auf die Produktion alternative Treibstoffe setzt. Hier ragt etwa die deutsche Schmack Biogas AG heraus, der Shooting-Star unter den Börsenneulingen des Bio-Sektors. Die Aktie des Herstellers, Projektierers und Betreibers von Biogaskraftwerken war beim Börsengang Ende Mai mehrfach überzeichnet und legte danach über 70 Prozent zu. Der Gesellschaft floss aus der Kapitalerhöhung ein Bruttoemissionserlös von rund 37,2 Millionen Euro zu. "Mit dem Emissionserlös wollen wir unser Stammgeschäft in einem stark wachsenden Biogas-Markt weiter ausbauen", erklärte Ulrich Schmack, Gründer und Vorstandsmitglied der Schmack Biogas AG die Hintergründe des IPO. "Außerdem planen wir in unserem neuen Geschäftsfeld "Eigenbetrieb" auf eigene Rechnung Gas sowie Strom und Wärme aus Gas zu vermarkten. Damit werden wir selbst zum Energieerzeuger und nutzen weitere Potenziale der Wertschöpfungskette." Das Kalenderjahr 2006 verlief für die Schmack Biogas AG sehr erfolgreich. Wie sie im November mitteilte, konnte das Schwandorfer Unternehmen in den ersten neun Monaten den Umsatz auf 57,4 Millionen Euro verdreifachen. Das Vorsteuerergebnis wurde von einem Minus in Höhe von 0,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nun positive 0,9 Millionen Euro verbessert. Die Prognosen beim Umsatz mit rund 85 Millionen Euro und beim EBIT mit rund 5 Millionen Euro für 2006 wurden bekräftigt. Neben dem weiteren Ausbau der zwei Geschäftsfelder Projektierung und Errichtung, sowie Service und Betriebsführung will die Schmack Biogas AG 2007 mit dem Eigenbetrieb auch das dritte Geschäftsfeld deutlich vorantreiben.

Nach Einschätzung des Fachverbands Biogas e.V. könnte mit Biogas rund 20 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs ersetzt werden. Auf dieses Geschäftsfeld setzt auch die Bielefelder Biogas Nord AG. Sie ist seit Mitte November im Entry Standard der Frankfurter notiert. Nach eigenen Angaben hat Biogas Nord bisher Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 100 Megawatt installiert. Biogas Nord stellte für das laufende Geschäftsjahr einen Anstieg der Gesamtleistung von 16,7 auf 26,2 Millionen Euro in Aussicht. Für 2007 werden 39,4 Millionen Euro anvisiert. Der Jahresüberschuss soll im laufenden Jahr 0,5 Millionen Euro und 2007 1,0 Million Euro betragen. Das Unternehmen erwägt nach eigenen Angaben die Akquisition von Beteiligungen sowie die Eröffnung einer Niederlassung in den USA.


Bio-Energie-Aktien: Kursentwicklung im vergangenen Jahr, sortiert nach Performance; Börsenneulinge werden außer Konkurrenz aufgeführt und zeigen die Kursentwicklung seit dem Börsenstart:
Firma: Veränderung in 2006 / Schlusskurs am 29.12.2006 / Jahreseröffnungskurs am 2.1.2006 (Kurse der Börsenplätze Frankfurt und Berlin-Bremen; alle in Euro)

Pacific Ethanol Inc. : plus 49,57 % / 12,13 / 8,11
Biodiesel AG : plus 17,82 % / 10,18 / 8,64
Archer Daniels Midland Corp. : plus 15,00 % / 24,30 / 21,13
Biopetrol Industries AG : minus -2,59 % / 9,01 / 9,25
Biogas AG : minus -31,84 % / 1,67 / 2,45
Green Energy Ressources Inc. : / n.a. / n.a. / n.a.
Green Star Products Inc. : % / n.a. / n.a. / n.a.
Schmack Biogas AG : plus 72,39 % / 53,44 / Börsengang 2006
Biogas Nord AG : plus 60,63 % / 25,70 / Börsengang 2006
Petrotec AG : minus -2,94 % / 16,50 / Börsengang 2006
Verbio Vereinigte BioEnergie AG : minus -4,69 % / 13,82 / Börsengang 2006
BDI Bio Diesel International : minus -15,52 % / 49,00 / Börsengang 2006
CropEnergies AG : minus -17,75 % / 6,58 / Börsengang 2006
Verasun Energy Corp. : minus -34,43 % / 14,70 / Börsengang 2006
Green Plains Renew. En. Inc. : minus -36,95 % / 18,68 / Börsengang 2006
Ethanex Energy Inc. : minus -54,69 % / 1,45 / Börsengang 2006
Alternative Energy Sources Inc. : minus -62,86 % / 0,78 / Börsengang 2006
Aventine Renew.Ener. Inc.: minus -69,10 % / 17,80 / Börsengang 2006
Xethanol Corp. : minus -79,25 % / 1,66 / Börsengang 2006

Zum ersten und zum zweiten Teil unserer aktuellen Jahresrückblicke mit den Schwerpunkten "Windaktien" und "Solaraktien" gelangen Sie per Mausklick.

Bilder: An Zapfsäulen gibt es mittlerweile auch alternative Treibstoffe / Quelle: VDB; in Deutschland ist Raps ein wichtiger Rohstoff für die Produktion von Biotreibstoffen / Quelle: VDB; Produktionsanlage für Biodiesel / Quelle: Verbio; Biodieseltanker der EOP / Quelle: Unternehmen; Biogas-Kraftwerk von Schmack / Quelle: Unternehmen


Dieser Jahresrückblick 2006 erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.

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