04.07.06 ECOanlagecheck

4.7.2006: Anlagecheck: BEV BioEnergie GmbH & Co. Dritte Beteiligungs KG will mit dem "Biogasfonds Deutschland 3" vier Kraftwerke bauen - ein lohnendes Investment?

Vier Biogasanlagen hat die Berliner Wirtschaftsberatung Klaus D. Müller & Partner zum "Biogasfonds Deutschland 3" zusammengefasst. Die dafür gegründete BEV BioEnergie GmbH & Co. Dritte Beteiligungs KG soll die Anlagen in Sachsen-Anhalt und Thüringen errichten. Anleger können sich als Kommanditisten an der Gesellschaft beteiligen. Mindesteinlage: 5000 Euro, plus fünf Prozent Agio. Ist die Geldanlage in diesem Fonds zu empfehlen oder nicht? ECOreporter.de hat Stärken und Schwächen des Angebots für Sie geprüft.


Mindestens 7,44 Prozent Gewinn nach Steuern

Die Berliner Initiatoren des Biogasfonds wollen 7,2 Millionen Euro Eigenkapital bei Anlegern einsammeln. Die Gesamtinvestition für die Projekte beläuft sich ohne Umsatzsteuer auf 18,41 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote beträgt damit gut 41 Prozent. Auf das eingezahlte Eigenkapital sollen Anleger laut den Prognosen des Verkaufsprospekts für den Fonds cirka 331 Prozent Ausschüttungen innerhalb von 21 Jahren erhalten, inklusive Rückfluss des einbezahlten Kapitals. Die jährliche Rendite nach dem internen Zinsfuß (IRR; Internal Rate of Return) liegt den Angaben zufolge bei 9,38 Prozent vor Steuern; nach Steuern sollen für den Anleger mindestens 7,44 Prozent Gewinn heraus springen. Für die ersten acht Betriebsjahre prognostizieren die Initiatoren sogar steuerfreie Ausschüttungen für die Kommanditisten. Das klingt vielversprechend.


Lob für Anlagenkonzept

Die Biogasanlagen des Fonds konzipiert die TCON Ingenieurgesellschaft mbH, Sindelfingen/Berlin. Die TCON Biogas CH4 GmbH soll sie schlüsselfertig errichten, sie habe zudem den Abschluss eines langfristigen Betreibervertrages für die Anlagen "verbindlich zugesagt", so der Verkaufsprospekt. Darin sollten unter anderem die Wartungs- und Instandhaltungskosten für zunächst zwölf Jahre verbindlich fixiert werden. TCON Biogas CH 4 GmbH garantiere über die Dauer des Bestehens des Betreibervertrages 7500 Jahresvolllaststunden pro Jahr pro Anlage. Der Vertrag solle eine "leistungsorientierte Komponente" enthalten, heißt es weiter. Die vier Biogasanlagen sollen eine elektrischen Leistung von 3,34 Megawatt erreichen.Umliegende landwirtschaftliche Betriebe und Großlieferanten werden die vier Kraftwerken den Planungen zufolge jährlich mit cirka 16.000 Tonnen nachwachsenden Rohstoffen beliefern. Das seien beispielsweise Mais und Roggen, hinzu kämen Gülle und Mist sowie Wasser. Die Standorte sollen in der Nähe der Orte Schönebeck und Tanna liegen.

Klaus D. Müller, geschäftsführender Gesellschafter der Wirtschaftsberatung Klaus D. Müller & Partner, lobt seinen Vertragspartner TCON CH4. Es handele sich zwar noch um ein "junges Unternehmen", so Müller, hinter TCON stehe jedoch Dr. Jan Adolph. Adolph habe beim Bau von über 60 Biogasanlagen mitgewirkt und im letzten Jahr seine eigene Firma gegründet. Positiv fällt auch das Statement von Frank Scholwin aus, der Ingenieur beschäftigt sich am Leipziger Institut für Energetik und Umwelt gGmbH mit der Biogastechnologie. "Das Konzept der TCON-Biogasanlagen ist auf höchstwertigen Komponenten aufgebaut und mit erheblichen Reserven für die Steigerung der Biogasproduktion versehen. Die Anlagenerträge sollten damit gut erreichbar sein", so Scholwin.


Prognostizierte Einnahmen: 4,86 Millionen Euro jährlich

Aus prognostizierten Gaserträgen von cirka 2,78 Millionen Kubikmetern pro Einheit sollen in den vier Anlagen jährlich cirka 24,67 Millionen kWh Strom erzeugt werden. Daraus hofft die Gesellschaft auf Einnahmen in Höhe von 4,04 Millionen Euro. Weitere rund 355.000 Euro sollen aus einem Bonus für die Anwendung der Kraft-Wärme-Kopplung erlöst werden, rund 470.000 Euro aus dem Verkauf von Wärme. Das macht Einnahmen in Höhe von 4,86 Millionen Euro jährlich.
Bei der Gasmenge kalkulierten die Initiatoren des Fonds eine Sicherheitsreserve von 4,75 Prozent ein. Bei Berechnung des prognostizierten Stromertrags wurden laut dem Verkaufsprospekt Abschläge von insgesamt 16,5 Prozent vorgenommen.
Ab März/April 2007 sollen die Biogasanlagen errichtet werden und September und Oktober 2007 voraussichtlich in Betrieb gehen. Nach Ablauf der Förderung durch das Erneuerbare Energien Gesetzt (EEG) sollen die Grundstücke und Anlagen verkauft werden.


Solides technisches Konzept - Mängel bei Finanzierung und Umsetzung

Mehr als sieben Prozent Rendite für den Anleger und ein solides technisches Konzept: Das Angebot der BEV BioEnergie verbucht hier Pluspunkte. Allerdings zeigen sich bei näherer Betrachtung auch erhebliche "Konstruktionsmängel", weniger von technischen Seite als vielmehr im Bereich der Finanzierung und Sicherheit in der Umsetzung.

- Für keine der geplanten vier Biogasanlagen liegt eine Baugenehmigung vor. Müller erklärt dazu gegenüber ECOreporter.de: "Alle Baugenehmigungen für die Projekte sind positiv vorbesprochen. Da die Anlagen in Gewerbegebieten angesiedelt werden, gibt es keinen Grund, warum die Baugenehmigungen nicht erteilt werden sollten." Wenn das nicht klappt, wollen die Initiatoren des Biogasfonds laut Müller Ersatzprojekte akquirieren. Sollte auch dies nicht gelingen, werde man das eingezahlte Kommanditkapital in voller Höhe zuzüglich des Agio zurückzahlen, sagt er.

- Müller kann keine verbindliche Finanzierungszusage vorweisen. Zwei Banken hätten schriftlich Interesse an der Finanzierung bekundet, berichtet er im Gespräch mit ECOreporter.de, die DKB Berlin und die RZB Wien. Die Finanzierung sei damit "sehr positiv vorbesprochen, jedoch noch nicht vertraglich gesichert".

- Laut Verkaufsprospekt liegt noch keine Netzeinspeisungszusage vor. Das kann zu Problemen führen, wenn an den vorgesehenen Anschlusspunkten die Einspeisekapazität bereits ausgelastet ist. Wirtschaftsberater Müller verweist auf gesetzliche Verpflichtungen der Netzbetreiber: "In diesem Falle wird eine Kapazitätserweiterung beantragt", sagt er. Die Netzbetreiber sind tatsächlich per Gesetz dazu verpflichtet, ihre Leitungen bei Bedarf auszubauen. Der Haken an der Sache: Das Gesetz sagt nicht, in welcher Zeit sie dies tun müssen. In vielen Fällen, verzögern sich deshalb die betroffenen Projekte.


Fazit

Gleich drei gravierende Unsicherheitsfaktoren lassen den Biogasfonds Deutschland 3 bei näherer Betrachtung derzeit noch riskant erscheinen. Für Anleger, die auf Sicherheit bedacht sind, kommt das Angebot der BEV BioEnergie damit kaum in Frage. Klaus D. Müller & Partner können auch nicht nachweisen, dass sie über reichlich Erfahrung bei Biogasprojekten verfügen. Die Berliner Wirtschaftsberatungsgesellschaft hat zwar in den vergangenen Monaten schon zwei Biogasprojekte am Markt platziert, eine Leistungsbilanz kann sie aber nicht vorweisen. Müller: "Die ersten beiden Fonds sind vollständig platziert, die Anlagen sind im Bau. Eine Leistungsbilanz hinsichtlich der prognostizierten Erträge kann leider noch nicht abgegeben werden."

Der Erfolg eines Investments in den Biogasfonds Deutschland 3 erscheint nicht so gesichert, wie sich das der Anleger wünscht. 7,44 Prozent Rendite sind angesichts der derzeitigen Unsicherheitsfaktoren einfach zu wenig. Möglicherweise klappt alles wie von den Initiatoren geplant, die Anlagen werden fristgerecht erstellt und produzieren ab 2007 fleißig Strom und Wärme. Möglich aber auch, dass eineder Schwachstellen zum Stolperstein wird. Ob und wann das Projekt dann fertiggestellt würde, ist nicht abzusehen. Unser Rat lautet deshalb: Nicht zeichnen, bis Unsicherheiten wie fehlende Baugenehmigung, Einspeisungszusage und Finanzierungszusage beseitigt sind.



Das Angebot im Überblick (Angaben der Emittentin)

Anbieter des Fonds: Wirtschaftsberatung Klaus D. Müller & Partner
Name des Fonds: BEV BioEnergie GmbH & Co. Dritte Beteiligungs KG - Biogasfonds Deutschland 3
Gesamtinvestition: 18,41 Millionen Euro (netto)
Eigenkapital: 7,2 Millionen Euro
Mindestbeteiligung der Anleger: 5.000 Euro
Gesellschaftsform: GmbH & Co. KG
Agio: 5 Prozent
Laufzeit: 21 Jahre
Unabhängige Mittelverwendungskontrolle? Ja
Platzierungsgarantie? Nein
Standard IDWE S 4 eingehalten? Offen. Das Ergebnis einer Prüfung wird in den nächsten zwei bis drei Wochen erwartet.
Erfahrung des Anbieters im Biogasbereich? Ja
Wie viele Biogasfonds hat der Anbieter bisher angeboten? 2
Haben Gesellschafter eigene Auskunfts-, Einsichts- und Kontrollrechte nach HGB? Ja


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Bilder: Cover des Verkaufsprospekts für den Biogasfonds Deutschland 3; Klaus D. Müller; Bau eines Fermenters für ein anderes Biogasprojekt der BEV BioEnergie in Altentreptow / Quelle: Unternehmen
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