04.08.07 Erneuerbare Energie

4.8.2007: Erneuerbare Energie: Kommt der wahre Grünstrom aus Kernenergie?

Der umfassende Einsatz Erneuerbarer Energie belastet die Umwelt und der wahre Grünstrom kommt aus Kernenergie. So lautet jedenfalls das Ergebnis einer Studie, die Jesse Assubel von der Rockefeller Universität in New York im International Journal of Nuclear Governance, Economy and Ecology veröffentlicht hat. Sie erhielt ein großes Echo in US-Medien. Assubel argumentiert, dass sich jedes produzierte Kilowatt direkt in die dadurch beeinträchtigte Fläche Land umrechnen lasse. Daraus errechnete er, dass man beispielsweise die gesamte Grundfläche von Texas benötigen würde, um den Energiebedarf der USA im Jahr 2005 mit Windenergie decken zu können. Um New York City zu versorgen, wäre eine Fläche nötig, die so groß sei wie Connecticut. Daher sei Kernenergie die bessere Lösung. Sie belaste die Umwelt in geringerem Maße, seit Möglichkeiten zum Schutz vor Radioaktivität existierten.

Experten widersprechen den Ergebnissen von Assubels Studie. Gregory A. Keoleian vom Zentrum für Nachhaltige Systeme der Universität Michigan erklärt, erneuerbare Energien würden in dieser Studie nur oberflächlich behandelt. Außerdem sei die Arbeit über die Kerntechnik unvollständig. Auch John A. Turner, Wissenschaftler am US National Renewable Energy Laboratory (Nationales Labor für erneuerbare Energien) steht der Studie kritisch gegenüber. Er weist darauf hin, dass man zum einen wesentlich geringere Landflächen benötigen würde, wenn man mit effizienten Solaranlagen arbeitete. Zum anderen könne Land auch parallel genutzt werden. Solaranlagen ließen sich auf bereits vorhandenen Häusern installieren, Windparks könne man gleichzeitig als Anbauflächen nutzen. Diese benötigen nämlich effektiv nur 5 Prozent der gesamten Anlagenfläche, so der Wissenschaftler. Verglichen mit der gesamten Landfläche der USA seien die für die Biostromerzeugung benötigten Gebiete außerdem unbedeutend.

Die Aussage, dass erneuerbare Energien nicht grün seien, Kernenergie hingegen schon, klingen laut Keoleian zwar provokativ, seien aber nicht angemessen. Nachhaltigkeitskriterien und Analysen der Technologien seien nicht richtig dargestellt. Die Zukunft liege dann doch in den erneuerbaren Energien, wie Turner feststellt: Für die Zukunft wünsche er sich eine Energie-Infrastruktur, die für Jahrtausende halte. Und Sonnenlicht, Wind und Biomasse gebe es, so lange die Sonne scheint.

Bildhinweis: Zukunft und Vergangenheit? Windkraft und Kernkraft in Nachbarschaft. / Quelle: NEC Micon
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