04.09.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

4.9.2007: Nachhaltige Geldanlage bis 2017 – Teil II: Welche Strategie wählen Nachhaltigkeits-Fondsmanager für die nächsten zehn Jahre? Jean Ryan (KBC Asset Management), Andreas Knörzer (Bank Sarasin) und Xavier Desmadryl (HSBC Gruppe)

Welche Faktoren werden in zehn Jahren die Geldanlage bestimmen? Welche Trends sind nur Mode, welche dauerhaft? Welche Branchen werden erfolgreich sein? Lesen Sie heute den zweiten Teil unseres Beitrags. Die Profis verraten ihre Einschätzungen zu Erneuerbarer Energie, Wasser, Land, Landwirtschaft, Umwelttechnologie und vielen anderen Branchen.

Andreas Knörzer, Jahrgang 1960, ist Direktor und Leiter des Sarasin Sustainable Investment. Seit 19 Jahren arbeitet er in verschiedenen Funktionen für die Schweizer Bank Sarasin & Cie. Der diplomierte Bankfachmann und Absolvent der Swiss Banking School hat über 20 Jahre Kapitalmarkterfahrung, davon über 13 Jahre als Fondsmanager. Er begründete den Produktbereich Nachhaltige Vermögensanlagen bei der Bank Sarasin & Cie AG.

„Ich bin der Meinung, dass wir vor einem Jahrzehnt des Infrastrukturauf- und ausbaus stehen. Einerseits ist der Fortschritt in den Schwellenländern zu bewältigen, andererseits rufen Maßnahmen zur Begegnung des Klimawandels nach entsprechenden Investitionen. Dabei werden neben den nachhaltigen "Klassikern" der letzten Jahre, wie z.B. Erneuerbare Energien, auch traditionelle Branchen aus dem Industriebereich (Anlagenbauer, Engineeringunternehmen, Bauunternehmen etc.) profitieren.

Die großen Schwellen- und Entwicklungsländer wie China und Indien sind in Bezug auf Nachhaltigkeit klar eine der Ursachen des Problems, aber ebenso klar auch sehr wichtiger Teil der Lösung. Entsprechend haben schon heute Unternehmen aus den erwähnten Ländern in Umwelttechnologien Unternehmen hervorgebracht, die vereinzelt sogar zu den weltweiten Marktführern gehören und auch in Bezug auf Qualität rasche Fortschritte erzielen. Unternehmen, die zunehmend selbstbewusst in Europa akquirieren, wie z.B. Suzlon, oder sich sogar an europäischen und US-Börsen listen lassen. Deshalb sind Investments aus Nachhaltigkeitssicht in den asiatischen Märkten, aber auch in Lateinamerika sinnvoll. Hierbei sollte man aber, um eine genügend große Auswahl an Unternehmen zu bekommen, die oft doch sehr westlich geprägten Kriterien sinnvoll auf das heute Machbare in diesen Ländern anpassen. Es bringt nichts, erst zu investieren, wenn alle Unternehmen ein Umweltmanagement nach deutschem Muster haben. Sinnvoller sehe ich es, diese Unternehmen bereits relativ früh als Investor kritisch aufbauend zu begleiten.

Nebenbei gesagt: Wasser steht als Anlagethema erst am Anfang. Der Erfolg von gerade einmal drei bis vier Fonds in diesem Bereich ist noch nicht wirklich ein anlagemäßiger Megatrend. Daneben erwarte ich, dass sich neben dem oben erwähnten, nicht wirklich neuen Thema Infrastruktur auch Investments in Land und Landwirtschaft angesichts der sich abzeichnenden Ressourcenengpässe aus nachhaltiger Sicht anbieten werden.“


{b23}Xavier Desmadryl, Global Head of SRI Research bei der HSBC Gruppe, war bei dem Asset Management Unternehmen Ecureuil Gestion, bei der Credit Agricole, bei Income International und bei der Bank Paribas beschäftigt, bevor er 1999 zur HSBC Gruppe wechselte, wo er zunächst verschiedene Marketingfunktionen erfüllte. Von 2003 bis 2007 war er SRI Financial Analyst, seit März 2007 ist er Global Head of SRI Research. Xavier Desmadryl ist Absolvent der französichen Wirtschaftsschule ESLSCA und durch die European Federation of Financial Analysts zertifiziert. Er ist Co-Vorsitzender der UNEP FI Asset Management Working Group.

„Wir erwarten, dass die meisten der Top-Investmentthemen in den kommenden zehn Jahren mit dem Schlagwort Umwelt verknüpft sein werden. Wir rechnen daher damit, dass saubere Energieproduktion und alle Sektoren, die auf die Reduktion des Energiekonsums abzielen, von einem starken positiven Trend profitieren werden. Wasser wird ebenfalls ein Hauptthema sein. Unternehmen, die sich auf Wasseraufbereitung spezialisiert haben, weisen immer noch starke Wachstumsperspektiven auf. Außerdem wird der Sektor der Abfallwirtschaft auf Grund der hohen Herausforderungen, die in den nächsten zehn Jahren zu bewältigen sind, viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.“

Zu den „Emerging Markets“: Ihre Öffnung für den globalen Handel, größere Möglichkeiten für intra-regionale geschäftliche Transaktionen und der enorme Zufluss ausländischer Direktinvestitionen hat zu einer neuen Generation von Unternehmen geführt, die gut gemanagt und breit aufgestellt sind. Die Schwellenländer haben bereits bedeutende Initiativen hinsichtlich der Verbesserung der Transparenz bei sozialen und Umwelt-Fragen erzielt. Die Entstehung eines Bewusstseins in Bezug auf nachhaltige Entwicklung in den Emerging Markets ist schrittweise in bestimmten Ländern wie Brasilien und Indien spürbar; in mancher Hinsicht ist dies auch in China der Fall. Wir erwarten, dass die Emerging Markets die Klimawandel-Streitfrage berücksichtigen und versuchen werden, wirtschaftliches Wachstum und Umweltfragen in Einklang zu bringen. Dafür sprechen zwei Gründe: Zum einen geht es ihnen darum, Kunden aus den entwickelten Ländern zu halten, die sich zusehends dafür interessieren, wie der Herstellungsprozess funktioniert. Zum anderen geht es darum, wenn möglich Gewinne in neuen Geschäftsfeldern zu erzielen. Es ist wahrscheinlich realistisch, anzunehmen, dass jedes Land die Themen des nachhaltigen Wirtschaftens stufenweise berücksichtigen wird – in einer für die jeweiligen lokalen Gegebenheiten geeigneten Weise; diese wird sich offensichtlich von unserem Ansatz unterscheiden.“

„Unserer Meinung nach wird Wasser auf globaler Ebene ein überragend wichtiges Thema bleiben und großen Einfluss auf die ökonomische Landschaft ausüben. Technologische Innovationen, die für einen effizienteren Gebrauch von Wasser sorgen, werden die vielversprechendsten Geschäftsmöglichkeiten in der nächsten Dekade darstellen. Dies umfasst auch das Recycling, die Verringerung von Wasserverlusten oder die Entsalzung von Meerwasser.

Wir rechnen außerdem damit, dass die Nachfrage nach Energie und die Konsequenzen daraus für den Klimawandel eine der größten Herausforderungen in den kommenden zehn Jahren darstellen. Prognosen zufolge dürfte der weltweite Energiebedarf bis 2030 um 50 Prozent im Vergleich zu der derzeitigen Nachfrage wachsen. Gleichzeitig gibt es Empfehlungen, Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um 25 Prozent zu senken, um irreparable Schäden zu vermeiden. Diese Energienachfrage mit den Einflüssen des Klimawandels in Einklang zu bringen, ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Aus diesem Grunde glauben wir, dass erneuerbare Energiequellen eine immer wichtigere Rolle im globalen Energieangebot einnehmen werden.“


Jean Ryan, KBC Asset Management, war bei NCB Stockbrokers und der Bank of Ireland im Asset Management beschäftigt. Seit 1993 ist sie bei KBCAM; 2002 bis 2005 übernahm sie die Leitung des Portfolio Managements. Seit 2005 ist sie in ihrer aktuellen Position als Investment Spezialistin.

Höhere Ölpreise und die weltweit ansteigende Energienachfrage beeinflussen den traditionellen Umgang mit unseren Ressourcen maßgeblich. Desweiteren sieht sowohl die Öffentlichkeit als auch die Politik Alternative Energien als Lösung gegen das weitere Voranschreiten des Klimawandels. Dies wird starke Auswirkungen auf Unternehmen, Industrie und Wirtschaft haben, Wir sind davon überzeugt, dass in den nächsten zehn Jahren Alternative Energien, d.h. Wind, Solar- und Bioenergie, zu einem profitablen Segment heranwachsen. Dabei werden Solar- und Windenergie zu den stärksten Wachstumsmärkten gehören. Wir erwarten eine jährliche Wachstumsrate im Bereich der Solarenergie von 24 Prozent. Bevorzugte Unternehmen sind momentan Hersteller von Polysilizium, die derzeit vom Preisanstieg aufgrund der kürzlichen Polysiliziumknappheit profitieren.

Den höchsten Wettbewerbsdruck erlebt der Bereich der Windenergie. Wir erwarten in den nächsten Jahren einen Wachstumsanstieg von 20 Prozent. Wir übergewichten diesen Sektor weiterhin, um von den steigenden Margen und Erträgen zu profitieren. Wir bevorzugen Windturbinenhersteller und Unternehmen, deren Wachstumsregionen die USA und Spanien sind.

Die globale Energienachfrage wird aufgrund von Märkten mit steigendem Lebensstandard, wie z.B. Indien und China, stärker wachsen. Die internationale Energiebehörde sagt voraus, dass die globale primäre Energienachfrage bis 2030 um 50 Prozent steigen wird. 70 Prozent des Anstieges werden auf den höheren Energieverbrauch durch Schwellenländer zurückzuführen sein, daran ist allein China mit 30 Prozent beteiligt. Der Ölverbrauch in China wächst um 7,5 Prozent pro Jahr. Das ist sieben mal soviel wie in den USA. China wird im Jahre 2030 90mal soviel Autos haben wie 1990! Dabei könnte China dann mehr Autos besitzen als die USA.

Aufgrund der hohen Energienachfrage möchte China zum „Leadinvestor“ in Erneuerbare Energien werden; das Land hat 2005 bereits 6 Milliarden US-Dollar in diesem Segment investiert, Hydroenergie ausgenommen. Seit Januar 2006 gibt es in China ein Gesetz für Erneuerbare Energien, welches die Ziele klar definiert: Zehn Prozent des Energiebedarfs sollen bis 2010 aus erneuerbaren Energiequellen abgedeckt werden. Dies beinhaltet 50.000 Megawatt aus Wasserkraft und 5.000 Megawatt aus Windenergie. Die Hauptquellen hierfür werden Wasser, Wind und Solar sein. Langfristiges Ziel ist es, 20 Prozent des Energiebedarfs bis 2020 aus erneuerbaren Energiequellen zu speisen.

Wir sind davon überzeugt, dass Energieeffizienz ebenfalls interessante Investmentmöglichkeiten bietet. Die Regierungen konzentrieren sich hauptsächlich auf den richtigen Energiemix. Die Maßnahmen werden sich auch auf effiziente Lösungen im Bereich Gebäudemanagement und Elektrizität durch ein neues Ökodesign und neue Umweltauflagen beziehen. Bereits bestehende Umweltlösungen müssen überarbeitet werden, wie z.B. im Bereich Heizung, elektrische Motoren, Konsumelektronik, private Haushalte, Konstruktionen in tertiären Sektoren. Unternehmen, die in diesen Bereichen tätig sind und ihre Chancen nutzen, werden die Begünstigten beim Aufbau von Energieeffizienzen sein.

Obwohl das Interesse an Wasserinvestment bereits stark angestiegen ist, sind wir davon überzeugt, dass dieser Sektor gute Bewertungen zu erwarten hat und dass die Investments weiterhin zunehmen. Die Unternehmen, die maßgeblich an der guten Entwicklung der letzten 12 Monate beteiligt gewesen sind, werden weiterhin gute Bewertungen erhalten. Der globale Aufwärtstrend wird weiterhin positiv beeinflusst.

Das Thema der Wasserknappheit und der Wasserverunreinigung in vielen Regionen wird noch mehr an Bedeutung zunehmen. KBC AM investiert nicht in Wasser als primäres Thema, sondern stellt den Wasserkreislauf im Ganzen in den Fokus, wie die Wasserinfrastruktur, Aufbereitung und Verteilung. Wir partizipieren an Forschungsprojekten und investieren z.B. in Unternehmen aus dem Bereich neue Wasserinstallationen, Wasserleitungssysteme oder Grundbodenreinigungen.

Bilder: Die Fondsmanager Andreas Knörzer und Xavier Desmadryl sowie die Fondsmanagerin Jean Ryan / Quelle: Unternehmen
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