05.11.04 Anleihen / AIF

5.11.2004: Nie waren Windfonds so gut wie heute - ECOreporter.de-Interview mit Marcus Brian, Pressesprecher des Grünen Emissionshauses

Der Absatz von Windfonds beschleunigt sich - Solarfonds sind schon in Fahrt. ECOreporter.de sprach mit Marcus Brian, dem Pressesprecher des Freiburger Grünen Emissionshauses, über die aktuelle Marktsituation und die daraus resultierenden Chancen für Investoren, gerade auch bei Windfonds. Das Grüne Emissionshaus ist mit knapp einer halben Milliarde Euro realisiertem Investitionsvolumen einer der großen Anbieter von Windfonds in Deutschland und hat mit dem Solarfonds Pfersdorf seit kurzem auch ein großes Solarprojekt im Portfolio.


Ecoreporter.de: Die Windfondsbranche hat es schwer: Bekannte Anbieter haben für schlechte Schlagzeilen gesorgt. Die Umweltkontor AG etwa hat Konkurs angemeldet. Sollten Anleger jetzt auf Windfonds verzichten?

Marcus Brian: Im Gegenteil: Nie waren Windenergiefonds so gut wie heute. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen sind die Windgutachten in den vergangenen Jahren besser geworden. Man hat viel mehr Erfahrung und Daten als noch vor vier, fünf Jahren und ist bei der Prognose zudem deutlich vorsichtiger geworden. Statt nur einem Gutachten, werden zwei, häufig sogar drei oder vier Gutachten eingeholt, um sich ein umfassendes Bild von der Standortqualität zu machen. Zum anderen können die Fonds-Initiatoren inzwischen bei den meisten Anlagenherstellern auf Vollwartungsverträge zurückgreifen und so die Instandhaltungskosten kalkulierbar machen. Das reduziert einen wichtigen Unsicherheitsfaktor und damit Abweichungen von den prognostizierten Erträgen.

Ecoreporter.de: Früher gingen Windfondsanteile gerade zum Jahresende weg wie die berühmten warmen Semmeln. Derzeit werden aber etliche Windfonds schon lange angeboten, zum Teil bereits zwei Jahre. Der Verkauf der Fondsanteile scheint nur schleppend zu laufen. Sollte der Anleger von solchen Fonds die Finger lassen?

Brian: Nein, denn diese Fonds haben für die Anleger einen entscheidenden Vorteil: Es gibt bereits ein oder zwei Jahre Betriebserfahrung mit dem Windpark und damit reale Produktionszahlen. Bei dem von uns aktuell angebotenen Windpark Dubener Platte belegen diese Zahlen, dass die prospektierten Erwartungen erfüllt werden. Zudem haben wir zwei neue Windgutachten auf Basis der tatsächlichen Stromproduktion rechnen lassen und damit unsere Ertragsprognose weiter untermauern können. Das gibt Investoren ein hohes Maß an Sicherheit, die früher, als häufig Anteile an noch unfertigen Windparks verkauft wurden, gar nicht denkbar war.

Ecoreporter.de: Die Windkraftbranche war auch immer wieder in den Schlagzeilen, weil es hieß, ihre größte Blütezeit sei in Deutschland vorbei, die besten Standorte vergeben.

Brian: Es gibt nach wie vor gute Binnenlandstandorte, an denen sich die Nutzung der Windenergie lohnt. Dennoch ist die Branche ist natürlich im Wandel. So werden in den kommenden Jahren mehr und mehr ausländische Standorte angeboten. Zudem werden sich neben privaten Anlegern vermehrt institutionelle Investoren in der Finanzierung von Windparks engagieren. Dieser Wandel wird zu einer vielfältigeren Produktpalette führen und die Player der Branche zwingen, sich breiter aufzustellen, kreativer zu sein.

Ecoreporter.de: Solarfondsanbieter kommen im Moment in die Lage der Windfondsanbieter vor drei oder vier Jahren: Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Einfach für die Anbieter, aber solch" eine Strähne währt meist nicht lange, wie sich auch bei der Windkraft zeigte. Was müssen Solarfondsanbieter von der Windkraft lernen?

Brian: Eine wichtige Lektion aus dem Windgeschäft ist: Zu große Euphorie kann blind für die Risiken und Unwägbarkeiten einer Unternehmung machen. Wir haben Sorge, dass diese Lektion derzeit nicht von allen Branchenteilnehmern beherzigt wird und es dadurch wegen schlecht laufenden Fonds zu einem Imageschaden für die ganze Solarbranche kommen könnte.

Ecoreporter.de: Auf welche Qualitätskriterien sollten Anleger denn achten, wenn sie sich an einem Solarfonds beteiligen wollen?

Brian: Die Qualität eines Fonds steht und fällt mit der Prognose der Stromproduktion. Unserer Ansicht nach ist es nicht ausreichend, hierfür nur auf Gutachten zur solaren Einstrahlung am Standort zurückzugreifen. Auch der voraussichtliche Betriebswirkungsgrad der Solaranlage sollte berechnet werden und in die Prognose einfließen. Zudem sollte die Ertragsprognose einen Abschlag für Prognoseunsicherheiten und Stillstandszeiten berücksichtigen. Die Höhe des Abschlags hängt natürlich von der Basis der Prognose ab, aber vier bis fünf Prozent der erwarteten Stromproduktion sollten es schon sein. Nicht zuletzt ist natürlich die Qualität der eingesetzten Module und Wechselrichter entscheidend für die Wirtschaftlichkeit eines Solarprojekts.

Ecoreporter.de: Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem ersten Solarprojekt gemacht?

Brian: Der Solarfonds Pfersdorf ist ein gutes Produkt geworden, das bei unseren Kunden auf großes Interesse stößt. Mit den wirtschaftlichen und technischen Eckdaten des Fonds sind wir sehr zufrieden. Die anfängliche Hoffnung, dass die Konzeption eines Solarfonds weniger Arbeit macht als die eines Windenergiefonds, hat sich allerdings leider nicht erfüllt. Die vergangenen Monate haben uns gezeigt, dass ein vernünftig konzipierter Fonds eben sehr viel Detailarbeit notwendig macht - unabhängig davon, ob man Wind- oder Solarparks baut.

Ecoreporter.de: Herr Brian, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Marcus Brian / Quelle: Unternehmen
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