05.02.03

5.2.2003: en-power: Rendite aus dem Standortkampf bei der Windkraft (Teil II)

(VU) Die european natural power ag (enp) (WKN 593787) aus Freiburg ist ein Startup-Unternehmen, das sich an der Entwicklung Erneuerbarer Energie-Projekte beteiligt. en-power bietet Hilfe bei der Planung und Finanzierung solcher Projekte im Ausland an. Derzeit sammelt das Unternehmen Startkapital durch den Verkauf von Aktien. ECOreporter.de hat enp-Vorstand Thomas F. Rebel ausführlich zu den Details der Finanzplanung und der Kapitalerhöhung befragt. Das Interview ist eine Fortsetzung des ECOreporter.de-Beitrags vom 1. Februar, in dem es um Idee und Marktchancen des Unternehmens ging.

ECOreporter.de: Sie bieten in Ihrer Kapitalerhöhung 1.010.000 vinkulierte Aktien zum Nennwert von einem Euro an. Der Ausgabepreis beträgt acht Euro - bei einer Mindestanlage von 600 Stück: Wo sehen Sie bei en-power die Substanz, die diesen Aufschlag rechtfertigt?

Rebel: Sie müssen das Dividendenkonzept als den zentralen Hebel für Ihre Rendite beachten. Die 12-Prozent-Vorzugsdividende der enp wird nicht auf den Nennwert der Aktie, sondern auf den Emissionspreis von acht Euro gezahlt. Das heißt die Aktionäre erwerben einen Dividendenanspruch auf das eingesetzte Kapital - ohne Agio, Abschläge oder Kursschwankungen. Darüber hinaus erhalten Sie einen Anspruch auf die Teilnahme an allen Dividendenzahlungen, welche über die Vorzugsdividende hinaus ausgeschüttet werden. Sie erhalten also 12 Prozent plus x.

Für die Rendite des einzelnen Aktionärs ist der Aktienpreis also völlig irrelevant. Trotzdem gibt es natürlich Gründe für den Preis von acht Euro. Die Gründer den enp haben neben dem bereits vorhandenen Stammkapital von 2,5 Millionen Euro vor allem zwei substantielle Werte in die Gesellschaft eingebracht: Zum einen die in acht Jahren erarbeiteten Vertragskonzepte, Prüfungsverfahren und Bewertungsmodelle für die Entwicklung und Finanzierung von Windkraftprojekten; zum anderen Verträge über die Projektentwicklung von Windkraftanlagen in einem Volumen von 300 Megawatt. Die aus den Projektverträgen entstehenden Rückzahlungsansprüche und die dem eingebrachten Wissen entsprechenden Vorabinvestitionen rechtfertigen nach unserer Einschätzung einen Preis von acht Euro.

ECOreporter.de: Sie versprechen den neuen Aktionären einen Dividendenvorzug von jährlich 12 Prozent auf das eingesetzte Kapital. Wie wollen Sie die nötigen Gewinne erwirtschaften?

Rebel: In der Projektentwicklung liegen bei der Windkraft die höchsten Renditechancen in der gesamten Wertschöpfungskette. Der Bau einer Windkraftanlage (WKA) mit einem Megawatt Leistung kostet ungefähr eine Millionen Euro. Die Planung allein kostet ungefähr 25.000 Euro. Ein Projektierer kann einen geplanten und genehmigten WKA-Standort für 100.000 bis 120.000 Euro an einen Investor verkaufen, der die Anlage dann baut und betreibt. Das Risiko in der Bauphase ist extrem gering. Das Risiko im Betrieb ist ebenfalls relativ gering und in die Wirtschaftlichkeitsberechnung für den Park eingespeist. Das Risiko für die Erreichung der Genehmigung und der Planung des Standorts dagegen ist extrem hoch - es kann passieren, dass die Genehmigung verweigert wird, die Flächensicherung nicht abgeschlossen werden kann, konkurrierende Planer auf der gleichen Fläche aktiv geworden sind etc.
Daher ist die Marge bei der Planung deutlich höher als bei Bau und Betrieb. Die Situation ist vergleichbar mit der Immobilien-Projektentwicklung, wo auch bei der Entwicklung erheblich verdient wird.

ECOreporter.de: Und das reicht, um zwölf Prozent Dividende pro Jahr zu erwirtschaften?

Rebel: Wir beteiligen uns gemeinsam mit den Planungsunternehmen an einer Projektgesellschaft. Diese wird zum Bau und Betrieb an einen Investor verkauft, wenn die Planungen fertig sind. Der Investor kauft ein Recht (Genehmigung) und eine genaue Leistungsbeschreibung (Planung) meist inklusive Generalunternehmervertrag für den Bau. Aus dem Kauf können die Leistungen des Projektierers sowie der en-power ag bezahlt werden. Daran verdienen wir. Bei den im Jahr 2002 abgeschlossenen Projekten beispielsweise liegt das Finanzierungsvolumen für uns bei drei Millionen Euro. Bei drei Jahren Entwicklung gehen wir von einem Gewinnanteil aus dem Verkauf von neun Millionen Euro aus. Dazu kommt die Rückzahlung des Gesellschafterdarlehens. Macht insgesamt zwölf Millionen Euro Bruttorückfluss für die enp. Daraus bestreiten wir die Dividenden.

ECOreporter.de: Was passiert, wenn in den Jahren 2007 und 2008 kein Gewinn anfällt?

Rebel: Der erste Gewinn fällt nach unserer Planung bereits im Jahr 2005 an. Die erste Ausschüttung dürfen wir erst tätigen, wenn wir unsere Anlaufverluste gedeckt haben. Das wird 2006 der Falls sein. Eine Ausschüttung kann erst im Jahr darauf erfolgen, da der Abschluss für 2006 zunächst festgestellt werden muss. Sollte der Zeitpunkt, an dem die Gewinne anfallen, sich verzögern, bleibt der Anspruch auf die Dividende erhalten und schreibt sich ins folgende Jahr fort. Nur wenn die enp niemals Gewinne erwirtschaftet, erhalten die alle Aktionäre auch keine Dividende. Damit kann bei der schon jetzt vorliegenden Nachfrage nach unseren Leistungen nicht gerechnet werden.

ECOreporter.de: Was passiert, wenn die Projektgesellschaften, in die Sie investieren, keine Gewinne erwirtschaften?

Rebel: Das kann nur passieren, wenn der geplante und genehmigte Park nicht zu verkaufen ist. Das schließe ich als realistisches Szenario aus. Realistischer ist, dass der Park nicht erfolgreich entwickelt werden kann - also zum Beispiel keine Genehmigung erhält, die Flächen nicht zu sichern sind oder die ersten Windgutachten durch Folgegutachten nicht bestätigt werden. Für solche Fälle haben wir vorgesorgt. Wir gehen davon aus, dass rund ein Viertel der Projekte, die wir beginnen, nicht erfolgreich abgeschlossen werden kann. Damit der Schaden für uns so gering wie möglich bleibt, gehen wir deshalb schrittweise voran: Vor jedem neuen Schritt prüfen wir den Stand des Projekts. Wir gehen davon aus, dass wir Projekte, die fehlschlagen, im Durchschnitt nach der Hälfte der Laufzeit abbrechen, das heißt. kein Geld mehr zur Verfügung stellen. In unseren Prognosen haben wir mit einer Ausfallrate von 12,5 Prozent kalkuliert.

ECOreporter.de: Die Emission erfolgt in Form von Vorzugsaktien. Die Unternehmens-Gründer halten Stammaktien. Warum machen Sie diese Unterscheidung?

Rebel: Wir haben die Kapitalerhöhung so gestaltet, dass die Gründer, die alle Stammaktien halten, sehr langfristig an die enp gebunden sind. Die Vorzugsaktien, die im Rahmen der aktuellen Kapitalerhöhung ausgegeben werden, sind mit dem 12 Prozent Dividendenvorzug ausgestattet. Die Stammaktien haben diesen Vorzug nicht. Mit anderen Worten: Die Gründer und Stammaktionäre erhalten erst dann eine Dividende aus der enp, wenn der Geschäftserfolg des Unternehmens über die Vorzugsdividende hinausgeht. Solche Rentabilitätszahlen sind bei gut gemanagten Venture Capital Fonds nicht ungewöhnlich - die enp ist der erste Venture Capital-Finanzierer für Projektentwicklungsunternehmen.

ECOreporter.de: Sie verkaufen Vorzugsaktien aus dem Bestand der Altaktionäre, die diese in früheren Kapitalerhöhungen zu einem Euro erworben haben. Wollen die Altaktionäre bei dieser Gelegenheit Kasse machen?

Rebel: Von "Kasse machen" kann keine Rede sein. Teil der Emission sind in der Tat 135.000 Stammaktien aus altem Bestand. Der Verkauf ist aber vom Erfolg der übrigen Emission abhängig. Die Altaktionäre dürfen ihre Anteile nur dann abgeben, wenn die Platzierung der Vorzugsaktien vollständig abgeschlossen wurde, das heißt die Gründer können nur dann Bestandsaktien veräußern, wenn die Nachfrage nach unseren Aktien über die Kapitalerhöhung von sieben Millionen Euro hinaus geht.

ECOreporter.de: Warum verkaufen die Altaktionäre?

Rebel: Die verkaufenden Altaktionäre sind alle Privatpersonen, die neben erheblichem Kapital auch sehr viel unentgeltliches Know-how in die enp investiert haben. Es wurde darauf verzichtet, dieses immaterielle Startkapital in der Bilanz zu bewerten und diese damit "aufzublähen". Stattdessen wurde den Altaktionären die Chance gegeben, Aktien zu verkaufen, wenn die Emission erfolgreich läuft.

ECOreporter.de: Herr Rebel, wir danken Ihnen für das Gespräch!
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