05.04.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

5.4.2006: Bio-Ethanol in aller Munde - Wie nachhaltig der Öko-Sprit ist und welche börsennotierten Unternehmen ihn herstellen

Eine Bio-Ethanol-Welle durch die Börsensäle. Der Treibstoff, ein Alkohol, hergestelt aus verschiedenen stärkehaltigen Ausgangsstoffen, gilt als die kommende Erdöl-Alternative. Die Aktien von Bio-Ethanol-Produzenten haben den Anlegern in den letzten Monaten kräftige Kursgewinne beschert.

Der schwedische Hersteller Saab hat mit der 9-5-Limousine bereits ein Auto im Angebot, das auf Wunsch mit steuerbegünstigtem Bioethanol (Alkohol) betankt werden kann. Auch Ford setzt auf den Benzinersatz: Der Focus Flexi-Fuel verwertet Ethanol. In Deutschland läuft er mit Bioethanol-Kaftstoff der Südzucker in Zeitz. Zusammen mit einem Tankstellenverbund will Südzucker ein flächendeckendes Tankstellennetz vorantreiben. Weltweiter Vorreiter beim Bio-Ethanol ist Brasilien. Volkswagen baut dort bald nur noch Autos, die auch mit Alkohol fahren, so genannte Flex-Fuel-Fahrzeuge. Sie fahren sowohl mit Bioethanol als auch mit normalem Benzin. Ethanol, ein Alkohol, wird in Brasilien mit staatlicher Förderung seit Jahren aus Zuckerrohr hergestellt und als preiswerte Alternative zum Benzin getankt oder dem Benzin beigemischt. Brasilien, der weltgrößte Zuckerproduzent, will sich auf diese Weise unabhängiger vom teuren Erdöl machen. Im Februar fuhren 77 Prozent der in Brasilien zugelassenen Neufahrzeuge mit Flex-Fuel-Motoren. In Europa ist Schweden an der Spitze des neuen Trends. Dort verkaufen Ford, Saab und Volvo ihre doppelt betankbaren Biofuel-Motoren. Der dazugehörige Kraftstoff ist an fast 500 Tankstellen zu finden, bis 2009 soll er in ganz Schweden erhältlich sein. Schweden und Brasilien verfügen über reichlich günstige Biomasse. So wird in Schweden der Alkoholtreibstoff aus Abfällen der Holzindustrie produziert. Bis 2020 will das Land die erste erdölfreie Volkswirtschaft haben – Bio-Ethanol dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen.

Selbst die USA, bisher laut Präsident Bush „süchtig nach Erdöl“, beginnen mit dem Umstieg auf Bio-Ethanol: Nach Angaben des Branchenverbands „Renewable Fuels Association“ betrug die Tagesproduktion in den USA im November 2005 275.000 Barrel Ethanol, der Verbrauch lag mit 297.000 Barrel deutlich darüber. 97 Herstellungsanlagen sind in den USA schon in Betrieb, 31 weitere sollen hinzukommen. Nach Aussagen von US-Senator Pete Dominici soll sich so der Ausstoß von Ethanol in den kommenden Jahren verdreifachen. In diesem Fall könnten die USA an Brasilien als weltweit größter Ethanol-Hersteller vorbeiziehen.

Dabei ist die Umweltbilanz des Bio-Ethanols nicht ungetrübt grün: Zuckerrohr wird beispielsweise in riesigen Monokulturen angebaut. Wird das Bio-Ethanol aus Weizen, Zuckerrüben oder Kartoffeln gewonnen, sind für den intensiven Anbau der Energiepflanzen riesige Mengen an Düngemitteln nötig. "Es gibt gute Gründe, eine weitere Zunahme der Biokraftstoffe nicht zu favorisieren", resümiert das Institut für Energie und Umweltforschung in Heidelberg. Die Börsianer irritiert das alles wenig. Sie haben die Kurse der Ethanolspezialisten auf Rekordstände getrieben. Am erfolgreichsten schlug sich dabei die Aktie des spanischen Umwelttechnikkonzerns Abengoa SA aus Sevilla. Sie verdreifachte ihren Kurs innerhalb der letzten zwölf Monate. Abengoa stellt in Europa und den USA Bio-Ethanol her. Mitte Februar meldete die Abengoa-Tochter Abengoa Bioenergia, man wolle die Produktion von Bio-Ethanol in den USA bis 2007 auf 745 Millionen Liter zu verdoppeln (Vorjahr: 326 Millionen Liter). US-Präsident Bush hatte angekündigt, die Abhängigkeit von Erdölimporten aus dem Nahen Osten verringern und stattdessen erneuerbare Energien stärker als bislang fördern zu wollen (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom 6. März).

Viel Beachtung findet die Aktie des US-amerikanischen Ethanolproduzenten Pacific Ethanol Inc. aus Fresno (Kalifornien). Mitte Dezember 2005 wurde gemeldet, Cascade Investment, die Beteiligungsgesellschaft von Microsoft-Chef Bill Gates, wolle Dutzende Millionen US-Dollar in das Geschäft mit Bio-Ethanol investieren. Laut Medienberichten aus den Vereinigten Staaten habe die Beteiligungsgesellschaft erklärt, für 84 Millionen Dollar mehr als fünf Millionen Aktien der Pacific Ethanol Inc. zu erwerben. Nachdem das Unternehmen im März mitteilte, dass sich der Einstieg der Cascade Investment verzögern werde und ein Kredit in Höhe von 34 Millionen US-Dollar von der Hudson United Capital Bank und der Comerica Bank noch nicht in trockenen Tüchern sei, gab der Kurs auf unter 15 Euro nach. Pacific Ethanol benötigt die Mittel für den Bau einer Fabrik im kalifornischen Madera. Mittlerweile stieg die Aktie wieder auf 21 Euro (7.4.).

Fast verdoppeln konnte sich der Kurs der US-amerikanischen Archer Daniels Midland (ADM) im letzten Jahr. Mit 30 Prozent Marktanteil ist das Unternehmen aus Decatur, Illinois, der größte Ethanolhersteller in den Vereinigten Staaten.

In New York hat der Ethanolhersteller Xethanol Corp. seinen Sitz. Der Aktienkurs schwankte seit Anfang 2006 zwischen 2,30 US-Dollar und 7,10 Dollar. Auf das Geschäft mit alternativen Kraftstoffen setzt jetzt auch die österreichische Agrana Beteiligungs AG aus Wien. Der Zucker- und Stärkekonzern hat sich mit der Gründung der Tochtergesellschaft Agrana Bioethanol GmbH im Markt positioniert. Die Produktionsstätte in Pischelsdorf soll 2007 den Betrieb aufnehmen. Die Agrana-Aktie hat seit Anfang Februar 20 Prozent an Wert gewonnen.


Abengoa S.A.: ISIN ES0105200416 / WKN 904239
Archer Daniels Midland Comp. (ADM): ISIN US0394831020 / WKN 854161
Pacific Ethanol Inc.: ISIN US69423U1079 / WKN A0D9R1
Xethanol Corp.: ISIN US98420A1034 / WKN A0H1DP

Bildhinweis:
In Schweden sind die Wälder Basis der Produktion von Bio-Ethanol / Quelle: Stora Enso;
Auch Mais liefert Biomasse / Quelle: Raiffeisen
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