05.08.02

5.8.2002: ECOreporter.de-Umweltaktienwochenrückblick: Die Bundestagswahl ist auch ein Börsenthema

(VU) Nach dem Kursgewitter der vergangenen Woche zeigten sich die internationalen Aktienmärkte in der letzten Woche leicht erholt. Trotz weiterer negativer, überraschender Unternehmensnachrichten konnte der DAX gegenüber seinen Tiefstständen ein wenig Boden gut machen.

In Deutschland rückt die Bundestagswahl im September zunehmend in den Fokus der Anleger. Ein eindeutiges Wahlergebnis - in welche politische Richtung auch immer - sollte die Börse beflügeln, hoffen die Börsianer. Als weitere Belastungsfaktoren gelten die Konfliktherde im Nahen Osten sowie die Terrorangst.

Der Rentenmarkt verzeichnete wieder steigende Kurse. Verantwortlich gemacht dafür wurden die schwachen Konjunkturdaten aus den USA. So lag das Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal 2002 deutlich unter den Erwartungen. Zudem wurden die Daten für das vergangene Jahr nach unten revidiert. Auch der Einkaufsmanager-Index fiel niedriger aus. Vor diesem Hintergrund spekulieren Börsianer über eine weitere Zinssenkung durch die US-amerikanische Zentralbank Fed.

In Deutschland sorgte in der vergangenen Woche die Diskussion um den weiteren Ausbau der Windkraft für Schlagzeilen. Nach dem der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Matthias Wissmann, erklärt hatte, die CDU wolle im Falle eines Wahlsieges die Förderung erneuerbarer Energien auf gegenwärtigem Niveau einfrieren, macht sich nun ein Parteigenosse für die gegensätzliche Position stark: Die Initiative Pro Windkraft ist in Hannover gegründet worden. Sie soll über die Windkraft aufklären, Mitglieder sollen die Unternehmen der Windkraftbranche und mit ihr verbundene Industriezweige sein.- Vorstand Clemens Stroetmann gehört der CDU an und ist ehemaliger Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Er sieht die Windenergie als "Jobmotor und wichtigen Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum." Ihr Ausbau stärke den Wirtschaftsstandort Deutschland, erklärte Stroetmann.

Auch der Wirtschaftsverband Windkraftwerke wandte sich gegen Wissmann. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion habe sich auf eine Studie der Deutschen Bank berufen, aber Zahlen genannt, die um das zwei- bis dreifache höher seien als die in der Studie nachzulesenden.

Aus der Branche kamen unterschiedliche Signale. Die Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810), Erkelenz, meldete, drei Windkraftfonds mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 41 Millionen Euro fast vollständig platziert zu haben. 300 Privatanleger hätten rund 11,8 Millionen Euro investiert. Bis Ende 2002 will das Unternehmen "bis zu einem Dutzend weitere Windpark-Beteiligungen anbieten", berichtete Vertriebsleiter Tim Warnke. Die Umweltkontor-Aktie startete im XETRA-Handel am Montag mit 3,10 Euro. Nach einem kleinen Zwischenhoch von 3,19 Euro am Donnerstag schloss sie am Freitag mit 3 Euro (ein Minus von 3,3 Prozent).

Konkurrent Plambeck Neue Energien AG (WKN 691032) teilte vergangene Woche der Öffentlichkeit mit, man wolle die Aktivitäten in den Bereichen Biomasse, Service und Netzanbindung verstärken. Für ein Biomasse-Kraftwerk in Menteroda (Thüringen) liege inzwischen eine Teilerrichtungsgenehmigung vor. Der Bau des Biomassekraftwerks in Silbitz habe begonnen. Das Unternehmen beabsichtigt zudem, Umspannwerke zum Anschluss von Windparkprojekten an die Hochspannungsnetze zu bauen und zu betreiben. Das Geschäftsmodell sei um die Planung und Projektierung von Netzanschlüssen regenerativer Energieerzeugungsanlagen erweitert worden, hieß es.
Plambeck Neue Energien fielen in der vergangenen Woche um 66 Cent auf 9,99 Euro (XETRA-Handel, Stand 2.8.2002), ein Rückgang um 6,2 Prozent.

Eine kleine Aufwärtsbewegung zeigte dagegen im Wochenverlauf die Aktie der Bremer Energiekontor AG (WKN 531350). An der Börse in Frankfurt schloss die Windkraftprojektiererin am Freitag mit 3,27 Euro. Sie lag damit sieben Cent über dem Niveau zu Wochenbeginn. Das Wertpapier des Hamburger Projektierers P&T Technology sackte dagegen in der Wochenmitte ab (3,37 Euro, ein Minus von 9 Prozent, Börse Frankfurt), erholte sich bis Freitag dann aber wieder auf 3,70 Euro und lag damit auf dem Niveau zu Wochenbeginn.

Der Windkraftanlagenhersteller Nordex AG (WKN 587357), Norderstedt, berichtete, der erste Prototyp für eine neue Windanlage sei bei Anklam in Mecklenburg-Vorpommern errichtet worden. Auftraggeber sei die Enertrag AG, Nechlin. Mit einem Rotordurchmesser von 90 Metern und 2,3 Megawatt Leistung zähle der Prototyp N90 zu den weltweit größten Serien-Anlagen.
Die Nordex-Aktie verlor insgesamt sechs Cent auf 2,77 Euro (Xetra-Handel, 2.8.2002).

Um 4,3 Prozent ist in der vergangenen Woche die Aktie des norwegischen Pfandautomaten-Herstellers Tomra Systems ASA (WKN 872535) gestiegen. Aktuelle Meldungen über eine Sammelklage von zwei Einzelhandelsverbänden gegen die Einführung des Dosenpfands in Deutschland konnten dem Kurs offenbar nichts anhaben. An der Frankfurter Börse schlossen Tomra am Freitag mit 8,35 Euro, 35 Cent mehr als zu Wochenbeginn. Der Sammelklage vor dem Berliner Verwaltungsgericht gegen das geplante Pfand auf Dosen und Einwegflaschen haben sich AFP zufolge 7436 Unternehmen angeschlossen. Ziel sei die Verhinderung des Pfands, das zum 1. Januar 2003 in Kraft treten soll. Die Anleger erwarten, dass Tomra von der Einführung des Pfands profitieren wird.

Die CargoLifter AG (WKN 540261) ist insolvent. Beim Amtsgericht Cottbus wurden zu Monatsbeginn die Insolvenzverfahren für den Luftschiffbauer aus Brand sowie sechs weitere Tochtergesellschaften eröffnet. Das Gericht hat Rolf-Dieter Mönning zum Insolvenzverwalter bestellt. "Unabhängig von der Eröffnung des Insolvenzverfahrens verfolgen wir weiterhin das Ziel, im Rahmen einer Reorganisation der CargoLifter AG den Rechtsträger zu erhalten", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Heinz Herrmann. Zuvor hatte der Betriebsrat mitgeteilt, das Unternehmen habe 200 Mitarbeiter freigestellt, man gehe davon aus, dass Kündigungen folgen werden. Die CargoLifter-Aktie sackte nach einem zwischenzeitlichen Höchststand von 1,17 Euro am Mittwoch auf 95 Cent zum Wochenende (Börse Frankfurt, 2.8.2002).

Der Solaranlagenhersteller Solon AG hat in der vergangenen Woche seine Halbjahreszahlen vorgelegt. Demnach hat das Berliner Unternehmen seinen Umsatz in den ersten sechs Monaten des Jahres um rund sieben Millionen Euro gesteigert. Der Verlust, so Solon, liege bei 448.000 Euro, 80 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Produktionsleistung sei gestiegen, das Auftragsvolumen betrage 138 Millionen Euro. Ein "sozial verträglicher Mitarbeiterabbau" werde angestrebt, hieß es. Der Vorstand kündigte für 2002 ein "operativ positives Jahresergebnis" an. Der Wert der Aktie an der Frankfurter Börse stieg von 70 Cent am Montag auf 99 Cents zu Wochenschluss (Plus 41 Prozent).

Die SES 21 AG (WKN 723669) aus Weilheim wollte eigentlich im Juli an die Börse starten. Doch daraus wurde nichts. Gegenüber ECOreporter.de erklärte der Vorstand des Unternehmens, Ingo Martin, man habe den Börsengang nicht abgesagt, sondern verschoben. "Wir konnten aufgrund der weiteren Verschlechterung der Börsenstimmung zu diesem Zeitpunkt unser Ziel einer mehrfachen Überzeichnung zur nachhaltigen Nachfragesicherung unserer Aktie nicht erreichen", so Martin. Auch ohne Börsengang könne SES die Expansion weiter fortführen, konkret werde man die weitere regionale Ausdehnung nach Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen vornehmen. "Dies wird etwas langsamer gehen als mit dem Kapital aus dem IPO", sagte Martin.

Die farmatic biotech energy AG (WKN 605192), Nortorf, hat mitgeteilt, sie habe einen Großauftrag von der bundeseigenen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe im mecklenburgischen Gülzow erhalten. In der Versuchsanlage sollen jährlich 120.000 Tonnen Biomasse verarbeitet und über fünf Millionen Kubikmeter Biogas erzeugt werden, so BioKraft-Geschäftsführer Kai Gottfried. farmatic soll die Anlage installieren. Baubeginn sei im Herbst diesen Jahres, die Fertigstellung sei für Herbst 2003 geplant. farmatic-Aktien verloren in der vergangenen Woche von 7,25 auf 7,10 Euro (Börse Frankfurt, Stand 2.8.2002).

Kondomhersteller Condomi AG (WKN 544490) erklärte am Dienstag, man wolle sich verstärkt auf sein Kerngeschäft, die Produktion und den Vertrieb von Kondomen, konzentrieren. Die Condomi-Beteiligungen im Medienbereich würden in eine GmbH eingebracht. Die Gruppe wolle die Kapazität in Erfurt bis Jahresende auf 720 Millionen Kondome erweitern, hieß es.
Die condomi AG hat den Angaben zufolge ihre Anteile an der "this is on communication" AG, der Proeffekt GmbH und der Ton-Art AG sowie alle ihre Aktien der Distefora Holding AG in die Media Kommunikationsberatungs GmbH (M.K.B.) eingebracht und im Gegenzug 49,95 Prozent Anteile an der M.K.B. erhalten. Die restlichen 50,05 Prozent würden von strategischen Investoren gehalten, so Condomi. Die Condomi Aktie stieg an der Börse Frankfurt von Montag 14,10 Euro auf 14,50 Euro zu Wochenschluss.

Auch der Eisenbahn- und Lichttechnik-Hersteller Vossloh AG (WKN 766710), Werdohl, hat seine Halbjahreszahlen bekannt gegeben. Im ersten Halbjahr konnte das Unternehmen den Umsatz um knapp sieben Prozent auf 305 Millionen Euro steigern. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) habe um rund 30 Prozent auf 22,2 Millionen Euro zugenommen, so Vossloh. Der Konzernüberschuß sei im Vergleich zu 2001 von 12 auf 13,1 Millionen Euro angewachsen, so das Unternehmen. Ein Konzernumsatz von gut 700 Millionen Euro wurde für 2002 angekündigt. Der Überschuss soll dabei auf rund 49 Millionen Euro steigen, der Gewinn je Aktie sich nahezu verdreifachen.
An der Frankfurter Börse stiegen die Vossloh-Aktien von 22,65 Euro auf 24,50 Euro am Freitag (Plus 8,2 Prozent).

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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