27.12.02 Nachhaltige Aktien , Meldungen

6.1.2003: "Dow tritt für Offenheit und Transparenz in Fragen des Umweltschutzes ein." - ECOreporter.de-Interview mit einem Dow-Sprecher

Der Chemie- und Techologie-Konzern Dow Chemical ist in mehr als 170 Ländern aktiv. Vor einigen Jahren übernahm das Unternehmen die Anteile von Union Carbide, das für den Chemieunfall im indischen Bophal verantwortlich war. ECOreporter.de befragte Dow zum Umgang mit Kritikern, zu einem umstrittenen Standort des Unternehmens in Südafrika und zur Verantwortung für die Opfer der Katastrophe in Bophal.

ECOreporter.de: Dow Chemical hat sich mit gerichtlichen Mitteln gegen die "Parodie"-Seite dow-chemical.com bei rtmark zur Wehr gesetzt. Warum?

Dow: Wir respektieren das Recht auf freie Meinungsäußerung. Das darf aber nicht dazu führen, dass Stellungnahmen zu oder durch Dow verfälscht dargestellt oder Marken beziehungsweise Publikationen von Dow auf eine Weise verwendet werden, die unsere Kunden, unsere Aktionäre und die Öffentlichkeit in die Irre führen.

ECOreporter.de: Hat Ihr Unternehmen die Rechte an der Domain dow-chemical.com?

Dow: Die Rechte an der Domain sind der Dow Chemical Company übertragen worden.

ECOreporter.de: Wie reagieren Sie auf den Vorwurf, Sie nutzten die Urheberrechtsgesetze als Mittel, um gegen unliebsame Kritik vorzugehen?

Dow: Wir beabsichtigen nicht, gegen Kritik vorzugehen, sondern schützen unsere Marken und verhindern, dass unsere Kunden und Aktionäre falsch informiert werden.

ECOreporter.de: Greenpeace wirft Ihnen vor, Sie würden ein mit Krebs erregenden Chemikalien verseuchtes Gelände einer Dow Chemical-Fabrik in Johannesburg nicht sanieren. Was sagt Dow Chemical zu der Anschuldigung, es nutzte in Südafrika die schwache Umweltgesetzgebung des Landes aus?


Dow: Dow akquirierte die Anlage in Chloorkop bei Johannesburg 1997 im Rahmen der Akquise von Sentrachem. Bis 1959 war eine Reihe von Chemieunternehmen auf diesem Grundstück aktiv, unter Beteiligung der Regierungen von Großbritannien und Südafrika. Bis zur Gründung von Sentrachem im Jahr 1967 produzierte dort die staatseigene Klipfontein Organic Products. Es ist bekannt, dass hier bis 1982 Pestizide produziert worden sind, darunter DDT, HCH und Bromacil. Seit der Übernahme im Jahr 1997 hat Dow die Umweltschutzrichtlinien für die Produktionsstätte in Chloorkop verschärft und die Erhebung der Umweltbelastungen vorangetrieben. Dies beinhaltet ein Kontrollkonzept für die Ausflüsse und einen Plan dafür, wie ein Überblick über das bisherige Umweltmanagement auf dieser Produktionsstätte gewonnen werden kann. Seit 1997 konnten Sicherheitsprobleme und Emissionen erheblich verringert werden. Und obwohl Dow in diesem Jahr die Produktionsstätte weiterverkauft hat, wird in enger Zusammenarbeit mit dem neuen Besitzer und den Behörden an weiteren Verbesserungen mitgewirkt. Daher entbehren Anschuldigungen, das Unternehme nutze schwache Umweltgesetze eines Landes aus, jeder Grundlage.

ECOreporter.de: Greenpeace-Analysen besagen, das verseuchte Gelände in der Nähe von Johannesburg enthalte eine Vielzahl von Dauergiften, einschließlich flüchtiger Organochlor-Verbindungen wie Chloroform, Tetrachlormethan und Lindan. Teilen Sie die Einschätzung, dass die Stoffe von der Dow Chemical-Fabrik aus in die Umwelt gelangt sind?

Dow: Die Chemieproduktion der ehemaligen Eigentümer endete 1982, lange bevor Dow 1997 die Produktionsstätte übernahm. Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass sich Rückstände aus derartiger Produktion auf einem solchen Gelände und deren Umgebung feststellen lassen. Daher wurden Untersuchungen des Erdreiches und des Grundwassers durchgeführt, um das Ausmaß der Verschmutzung zu ermessen. Es gibt Pläne, um die Quellen dieser Verunreinigungen auszumachen, und Dow hat sie seit 1997 in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden vorangetrieben. Die Emissionen der gegenwärtigen Produktion werden systematisch kontrolliert.

ECOreporter.de: Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um beim Werk in Johannesburg das Einleiten von giftigen Chemikalien in die Umwelt zu stoppen?

Dow: Das Umweltmanagement der Produktionsstätte in Chloorkop hat zwei Schwerpunkte: aus der Vergangenheit resultierende Umweltbelastungen und die aktuelle Produktion. Abfälle und Emissionen aus der gegenwärtigen Produktion werden gemäß den Umweltstandards behandelt und kontrolliert, die den hohen Ansprüchen von Dow genügen. Bevor die Anlage in diesem Jahr veräußert wurde, erarbeitete Dow gemeinsam mit dem südafrikanischen Büro für Wasserschutz und anderen Behörden einen Umwelt-Bericht über das Gelände. Darin enthalten sind eine Strategie zur Vermeidung von Ausflüssen, ein Plan zur Überwachung von Umweltvorgaben, ein Plan zum Schutz von Wasser und Grundwasser sowie ein Plan zur Erhebung der Umweltbelastung durch Produktionen der Vergangenheit. All diese Pläne folgen südafrikanischen Standards oder denen von Dow, je nachdem welche strenger sind.

ECOreporter.de: Was halten Sie von den Vorschlägen von Greenpeace, das von Ihnen verlangt, dass Sie die Daten über die Produktion bzw. die Stoffe, die in die Umwelt entlassen werden, öffentlich zugänglich machen?

Dow: Dow tritt für Offenheit und Transparenz in Fragen des Umweltschutzes ein. Daten über die Emissionen von Dow können dem Global Public Report von Dow entnommen werden oder unserer Homepage: www.dow.com.

ECOreporter.de: Teilen Sie die Auffassung von Greenpeace, die Opfer der Katastrophe von Bophal hätten pro Person rund 300 bis 500 Dollar Entschädigung von Union Carbride erhalten? Wenn nicht, wie viel waren es Ihrer Auffassung nach?

Dow: Wir wissen es wirklich nicht. Dow übernahm die Anteile an Union Carbide volle 12 Jahre nachdem die indische Regierung die Kontrolle über die 470-Millionen-Dollar-Stiftung für die Bophal-Opfer übernommen hatte. Seither, seit 1989, haben weder Union Carbide noch Dow Einblicke in die Verwaltung des Geldes erhalten oder sich daran beteiligt.

ECOreporter.de: Warum hält sich Dow Chemical in Fragen der Entschädigung der Bophal-Opfer für nicht zuständig?

Dow: Dow hat die Anteile an Union Carbide über 16 Jahre nach der Tragödie übernommen und 10 Jahre nachdem das Oberste Gericht Indiens über die Schadensersatzansprüche entschieden und den Fall für abgeschlossen erklärt hatte. Es übergab zudem der indischen Regierung die Verantwortung für die Stiftung. Deshalb existierten keine Verantwortlichkeiten für Fragen des Schadensersatzes, die Dow mit der Akquise von Union Carbide hätten zufallen können.

ECOreporter.de: An wen sollten sich die Opfer statt dessen wenden, wenn sie sich unzureichend entschädigt fühlen?

Dow: Die Stiftung zur Entschädigung der Opfer wird seit 1989 von der indischen Regierung verwaltet.
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