06.01.03

6.1.2003: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Restrukturieren, Verkleinern, Zukaufen - Umweltunternehmen positionieren sich

(H.K.) Während die Konjunkturdaten der USA eine leichte Verbesserung zeigen, sind sie in Europa weiter rückläufig. Nach Angaben des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) stehen die deutschen Kommunen vor dem finanziellen Kollaps. Infolge sinkender Einnahmen und steigender Ausgaben seien die kommunalen Investitionen drastisch zurückgegangen. Vor allem die Bauinvestitionen seien betroffen. Ein Konjunkturaufschwung in Deutschland werde auch durch die finanzielle Notlage der Städte und Gemeinden verhindert, so der DStGB.

Die großen Stromversorger haben die Situation genutzt und weitere Stadtwerke gekauft. DAX-Unternehmen wie E.ON und RWE haben sich durch ihre vielen, auch internationalen Zukäufe aber wohl etwas übernommen: Ihre Bilanzen werden durch Abschreibungen belastet, und die Konzernverschuldung ist stark angestiegen. Die Versorger hoffen nun, durch erhöhte Stromtarife ihre Gewinneinbußen ausgleichen zu können. Nach der Schwächung der Konkurrenz durch die Übernahme der Stadtwerke wird diese Strategie vielleicht leichter durchzusetzen sein. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Monopolstrukturen in der deutschen Energiewirtschaft kritisiert und von der Bundesregierung Reformen verlangt. Der deutsche Weg, die erneuerbaren Energien zu fördern, wurde hingegen von der OECD ausdrücklich gewürdigt.

Der DAX hat im Verlauf des Jahres 2002 insgesamt 44 Prozent eingebüßt. Zum Jahreswechsel setzte eine leichte Erholung ein, allerdings bei geringen Börsenumsätzen. Im Vergleich zum Schlussstand des letzten Wochenrückblicks (13. Dezember 2002) gewann der DAX 0,5 Prozent hinzu. Der MDAX stieg seitdem um ein Prozent, während der NEMAX-50 weitere drei Prozent verlor. Die wichtigen US-Indizes kletterten um zwei Prozent. Rohöl hat sich um rund zwölf Prozent verteuert. Norbert Walther, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sagte dazu, der Ölpreis werde erst nach einem "erfolgreichen" Krieg gegen den Irak sinken, was die Voraussetzung für eine konjunkturelle Besserung sei.

Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810), ein Unternehmen der erneuerbaren Energiebranche mit starkem Windkraft-Anteil, hat derzeit eine schlechte Presse. Die Erkelenzer sehen sich zudem einer Anfechtungsklage gegen eine Firmenübernahme sowie Herabstufungen durch Analysten gegenüber. Dennoch war Umweltkontor die einzige europäische Windenergie-Aktie, die im Laufe der letzten drei Wochen zulegen konnte. Andere Windtitel aus Deutschland, Dänemark und Spanien gaben deutlich ab; besonders stark erwischte es die Projektierer Energiekontor AG (WKN 531350, Bremen) und P&T Technology AG (WKN 685280, Hamburg). Energiekontor war von Analysten der Nord LB zum Kauf empfohlen worden. Die P&T Technology AG veröffentlichte am 27. Dezember ihren Quartalsbericht. Dieser weist starke Verluste aus, die das Unternehmen auf hohe laufende Kosten und Abschreibungen von Auslandsbeteiligungen zurückführt. Man wolle nun angearbeitete Projekte und die Mehrzahl der Auslandstöchter abstoßen, hieß es. Verluste und Abschreibungen waren bereits Anfang Dezember angekündigt worden.

Nordex AG (WKN 587357), Windturbinenhersteller aus Norderstedt, gab die endgültigen Zahlen zum Abschluss des Geschäftsjahrs bekannt, das am 30. September endete. Die vorläufigen Ergebnisse waren bereits Ende November gemeldet worden und wurden im wesentlichen bestätigt. Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich der Vorstand etwas zurückhaltender, man rechnet nun noch mit einem Wachstum um 18 Prozent. Etwa die Hälfte davon sei bereits durch Aufträge abgedeckt, hieß es. Eine Dividende will Nordex derzeit nicht auszahlen. Analysten reagierten weitgehend positiv auf die Informationen und empfahlen die Aktie zu kaufen, wiesen aber auch auf verschiedene Risiken hin. Der Kurs sank um vier Prozent auf 2,77 Euro ab. Nordex dementierte Gerüchte, das Unternehmen stehe vor einer Übernahme etwa durch Siemens.

Anders die Situation beim Windparkentwickler Plambeck Neue Energien AG (WKN 691032). Man sei an "strategischen Partnerschaften" interessiert, die Gespräche hätten jedoch nicht den erwünschten Erfolg gebracht und sollten weitergeführt werden, sagte der Vorstandsvorsitzender Wolfgang von Geldern. Plambeck verloren zehn Prozent auf 6,45 Euro.

REpower Systems AG (WKN 617703), Turbinenbauer aus Hamburg und direkter Konkurrent von Nordex, will seinen Aktionären eine Dividende von mindestens 0,50 Euro zahlen. Das kündigte Fritz Vahrenholt, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, in der Presse an. REpower will bereits im Frühjahr des kommenden Jahres den Prototypen einer Fünf Megawatt-Anlage aufstellen - dies wäre nach Unternehmensangaben dann die größte Windmühle der Welt. Sie sei für den späteren Einsatz auf hoher See vorgesehen. Die Entwicklung werde vom Land Schleswig-Holstein mit 1,5 Millionen Euro gefördert, hieß es. REpower verbilligten sich um acht Prozent auf 23,43 Euro.

Gute Nachrichten für Solar-Aktionäre: Entgegen den Befürchtungen ist das Fördervolumen im 100.000 Dächerprogramm doch noch höher ausgefallen als im Jahr 2001. Nach Angaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wurden 2002 Mittel für 79 Megawatt (peak) zugesagt - vier Prozent mehr als im Vorjahr. Die Kurse der deutschen Solarunternehmen zogen nach Bekannt werden der KfW-Zahlen durchweg an.

Farmatic biotech energy AG (WKN 605192), Biogas-Spezialistin aus Nortorf, kündigte umfangreiche Restrukturierungen an. Man wolle rund die Hälfte der Mitarbeiter entlassen und werde Projekte teils zurückstellen, teils ganz aufgeben. Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von minus 17,5 Millionen Euro, bei einem Umsatz von 36 Millionen. Im Jahr 2004 soll das EBIT wieder positiv sein. Die Aktie notiert weiter bei 1,70 Euro.

Wedeco AG (WKN 514180) will sich von den Sparten trennen, die nicht zum Kerngeschäft, dem Bau von Anlagen zur chemikalienfreien Wasseraufbereitung, gehören. Das Solar-Segment, die kosmetische und medizinische Anwendung von UV-Licht, werde deshalb abgestoßen. Die Düsseldorfer meldeten außerdem die Umstrukturierung ihrer Verbindlichkeiten, was nach Unternehmensdarstellung auf die gute Bonität der Gesellschaft zurückzuführen sei. Wedeco sei seit dem 1. Januar im Prime Standard der Deutschen Börse notiert. Analysten mehrerer Investmenthäuser rieten die Aktie zu kaufen. Der Kurs bewegt sich zur Zeit um die 13 Euro-Marke, eine Zunahme um gut zwei Prozent.

Der französische Wasserversorger und Entsorger Vivendi Environnement SA (WKN 501451) kauft sich in mehrere ostdeutsche Stadtwerke ein. Nach Unternehmensangaben wurden Verträge im Volumen von insgesamt rund 700 Millionen Euro abgeschlossen, künftig wollen die Franzosen verschiedene Regionen in Sachsen und Thüringen mit Wasser und Energie versorgen. Analysten von Goldman Sachs äußerten sich positiv über die Fundamentaldaten des Pariser Unternehmens, wiesen aber darauf hin, dass ab Februar die Lock Up-Frist einiger französischer Banken ende. Sie befürchten daher Kurseinbußen und stuften die Aktie auf "In-Line" ab. Der faire Kurs liege bei 38 Euro. Vivendi Environnement stiegen in Paris um zwei Prozent auf 23,10 Euro.

Das statistische Bundesamt berichtete über weiter sinkende Auftragseingänge im deutschen Bauhauptgewerbe. Fachverbände rechnen mit anhaltenden Umsatzeinbußen im laufenden Jahr; erst für 2004 gebe es schwache Hoffnung. Ein Analyst von Independent Research empfahl, die Baubranche unterzugewichten und, wenn überhaupt, nur in kleine, hochprofitable Unternehmen mit hohem Auslandsanteil zu investieren. Der Analyst nannte zwei Unternehmen, die auch Umweltaktionären bekannt sind: Sto AG (WKN 727413), Wärmedämm- und Fassadenspezialist aus Stühlingen, sowie - mit Einschränkungen - den schwäbischen Tondachziegel-Hersteller Creaton AG (WKN 548303). Beide hätten eine ausgezeichnete Dividendenrendite, merkte der Analyst an. Creaton kündigte mttlerweile die Auszahlung einer unveränderten Dividende von 0,87 Euro je Vorzugsaktie an. Sto hatte im Vorjahr 0,79 Euro je Vorzugsaktie ausgezahlt. Beide Papiere legten unter geringen Umsätzen um je drei Prozent zu, Creaton auf 10,15 Euro, Sto auf glatte 11 Euro.

Der Entsorgungsspezialist a.i.s AG (WKN 649290) aus Mülheim an der Ruhr meldete den Verkauf seiner Sparte "Medizinische Abfälle". Der Verkauf sei Teil der Strategie, sich auf die Aufbereitung und Verwertung industrieller und gewerblicher Sonderabfälle zu konzentrieren, hieß es in der Meldung. Vorstandsvorsitzender Mark Martin hatte allerdings noch auf der Hauptversammlung am 16. April 2002 diese Sparte "besonders interessant" bezeichnet - hier gehöre a.i.s deutschlandweit zu den fünf größten Entsorgern. Anleger quittierten die Entscheidung mit einem Kursverlust von neun Prozent auf 0,30 Euro. Stericycle Inc. (WKN 902518), US-amerikanischer Spezialist für die Entsorgung medizinischer Abfälle, wurde derweil vom Analystenhaus Thomas Weisel Partners zum Kauf empfohlen, das Kursziel laute 44 Dollar. Stericycle stiegen um vier Prozent auf 33,15 Dollar.

IVU Traffic Technologies AG (WKN 744850), Softwarehaus aus Berlin, hat nach eigenen Angaben den Zuschlag für das E-Government-Projekt des Bundeslands Brandenburg erhalten. Der Kooperationsvertrag, an dem weitere Unternehmen beteiligt sind, habe ein Volumen von bis zu vier Millionen Euro. Die IVU-Aktie ist seit dem 1. Januar im Prime Standard der Deutschen Börse notiert. IVU verloren zehn Prozent auf 0,83 Euro.

Die Bremer Woll-Kämmerei AG (BWK; WKN 527200) hat einen Teil ihres nicht mehr benötigten Betriebsgeländes verkauft. Der Erlös soll für Modernisierungsvorhaben verwendet werden. Die BWK-Aktie stieg in Frankfurt um 31 Prozent auf 1,40 Euro.

Tomra Systems ASA (WKN 872535), norwegischer Hersteller von Rücknahmeautomaten für Getränkeverpackungen, wird am 14. Februar einen "Capital Markets Day" abhalten. Die Verwaltung will die aktuelle Geschäftssituation darlegen sowie Analysten und Aktionären Rede und Antwort stehen. Fragen wird es sicher zu den Auswirkungen des deutschen Dosenpfands geben, welches am 1. Januar in Kraft trat. Die Tomra-Aktie büßte in den letzten drei Wochen zwölf Prozent auf 46,50 Norwegische Kronen (6,42 Euro) ein. Die Notierung der Münchener CCR Logistics Systems AG (WKN 762720) verbesserte sich um 25 Prozent auf 1,25 Euro an. Tomra wie CCR erhoffen sich steigende Umsätze von der Rücknahmepflicht für Getränkeverpackungen.

Precious Woods Holding AG aus der Schweiz stiegen in den letzten Tagen unter steigenden Umsätzen zehn Prozent auf 64 Schweizer Franken (43,90 Euro), nachdem das Papier lange Zeit kaum Beachtung bei den Anlegern fand. Body Shop International Plc (WKN 870803) verloren im letzten Halbjahr fast die Hälfte ihres Werts, die Aktie notierte zum Schluss bei 59 Pence (0,91 Euro). Medienberichten zufolge will sich die Chefin von Body Shop Canada aus dem Unternehmen zurückziehen, der kanadische Unternehmensteil soll danach abgestoßen werden. Den größten Kursverlust unter den Umweltaktien in den letzten drei Wochen musste der Kölner Kondomhersteller condomi AG (WKN 544490) hinnehmen: condomi-Aktien stürzten um 32 Prozent auf 4,10 Euro.


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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