06.12.02

6.12.2002: Undosierter Rückzug: Handel gibt Widerstand gegen Dosenpfand auf - zwei Aktien könnten profitieren

Versucht hatten Teile des Handels es fast bis zuletzt: Sie blockierten das Dosenpfand, wo und wie sie konnten, lamentierten über wirtschaftliche Belastungen und drohende Pleiten, drohten mit Boykott, prozessierten und ließen ihre PR-Maschinerie auf Hochtouren laufen. Nun geht es doch: Man werde sich bedingungslos am Aufbau eines bundesweiten Pfandsystems beteiligen, erklärten Branchenvertreter nach einem Gespräch mit Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) am Donnerstag in Berlin. Leidtragende der bisherigen Hinhalte-Taktik werden die Verbraucher sein: Ihnen droht das Rückgabe-Chaos. Denn die Pfandpflicht startet am ersten Januar, was lange bekannt war. Da der Handel aber nichts vorbereitet hat, wird sein Rückgabesystem nach Angaben des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) erst ab 1. Juli 2003 funktionieren.

Nach den Vorstellungen des Handels sollen künftig einheitliche Pfandmarken ("Token") ausgegeben werden. Mit den Marken soll eine Leergut-Rückgabe bei allen Händlern bundesweit möglich sein, die Getränke in Einweg- Verpackungen führen.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ließ Donnerstag erklären, es werde etwa zwei Wochen nach dem Start der Pfandpflicht eine höchstrichterliche Entscheidung zum Dosenpfand treffen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Richter das Pfand bestehen lassen. Für Dosen und Einwegflaschen mit Bier, Cola, Wasser und Limonade wird vom 1. Januar an ein Pfand von 25 Cent oder 50 Cent fällig. Der Anteil der Mehrwegverpackungen liegt derzeit bei circa 60 Prozent, während er nach gesetzlicher Vorgabe bei 72 Prozent liegen sollte.

Der Widerstand des Handels gegen das Dosenpfand verdrängte in der öffentlichen Darstellung die Pfandbefürworter. Zu ihnen gehören außer Umweltschützern viele mittelständische Brauerein, die kein Bier in Dosen abfüllen, aber auch andere Getränkehersteller und -abfüller. Ihnen allen dürfte die Pfandpflicht eher Vorteile bringen. Steigende Umsätze erwarten auch der Flaschenrücknahmeautomaten-Hersteller Tomra Systems (WKN 872535) aus Norwegen und die Münchener Firma CCR Logistic Systems (WKN 762720), die ebenfalls Pfandsysteme entwickelt hat.
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