06.04.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

6.4.2006: Holzweg oder Zukunftsmarkt? - Precious Woods AG setzt auf Handel mit Emissionsrechten aus Aufforstungsprojekten

Als erstes Unternehmen hat die Precious Woods AG CO2-Emissionszertifikate aus einem Forstprojekt an der Chicago Climate Exchange (CCX) registrieren lassen. Das gab die in Zürich ansässige Tropenholzspezialistin jetzt gemeinsam mit der CCX bekannt. Bei der CCX handelt es sich um die weltweit erste Klimabörse. Sie nahm 2003 in Chicago den Handel mit Emissionsrechten auf. Seither ist die Anzahl ihrer Mitglieder, die am Handel mit Emissionszertifikaten teilnehmen, auf über 100 gestiegen. Dazu zählen Unternehmen wie Dupont, Ford oder IBM, aber auch Nicht-Regierungsorganisationen, Universitäten oder Kommunen aus den Vereinigten Staaten. Sie alle haben sich freiwillig zu Einsparungen beim Ausstoß des Treibhausgases CO2 verpflichtet. Dieses können sie durch interne Maßnahmen erreichen oder eben indem sie über die CCX Emissionsrechte von anderen Mitgliedern erwerben.

Wie Christoph Buholzer gegenüber ECOreporter.de erläuterte, bietet Precious Woods an der CCX zunächst Emissionsrechte aus einem Aufforstungsprojekt in Costa Rica an. Grundlage sei der Umstand, dass die dort wachsende Biomasse CO2 aus der Atmosphäre aufnimmt. An fixen Messparzellen innerhalb der Plantage würden jährlich Daten darüber ermittelt, wie stark der Durchmesser der Bäume gewachsen ist. Daraus lasse sich über ein einfaches, standardisiertes Verfahren berechnen, wie viel CO2 dabei aufgenommen wurde. Die Emissionsrechte aus dem Projekt in Costa Rica werden von einer externen Prüfgesellschaft verifiziert und registriert, die von der CCX beauftragt wird. Aktuell hat Precious Woods laut Buholzer aus der dortigen Wiederaufforstung von 4.638 Hektar Weideland Emissionsrechte für 221.170 Tonnen CO2 generiert.

Als Käufer kommen für diese Emissionsrechte allerdings nur Mitglieder der CCX in Frage. "Dort können unsere Emissionsrechte aus dem Projekt in Costa Rica unabhängig von den Bestimmungen im Kyoto-Protokoll gehandelt werden", erläutert Buholzer. Für den Emissionshandel im Rahmen dieser Klimaschutzvereinbarung sind diese Zertifikate von Precious Woods nicht zugelassen. In den USA ist das kein Problem, zumal die Vereinigten Staaten das Protokoll nicht unterzeichnet haben, das unter anderem Grundlage für das Emissionshandelssystem der EU ist.

Zwei weitere, noch nicht abgeschlossene Klimaschutzprojekte von Precious Woods sollen dann die Kyoto-Bestimmungen erfüllen: Zum einen ein Aufforstungsprojekt in Nicaragua, aus dem jedoch erst in etwa zwei Jahren Emissionsrechte angeboten werden können. Zum anderen ein mit Sägereiabfällen betriebenes Biomassekraftwerk-Projekt in Brasilien. Dieses steht laut Buholzer kurz vor der Registrierung als Kyoto-Projekt. Es soll bereits in diesem Jahr rund 400.000 Tonnen Emissionsrechte generieren. Damit würde es das Projekt in Costa Rica übertreffen. Für dieses erste operative Emissionshandel-Projekt wurden dem Precious Woods Group Projects Manager zufolge bisher 200.000 Tonnen an der CCX registriert, weitere 100.000 Tonnen sollen 2006 noch hinzu kommen.

Auf dem weltweit größten Markt für Emissionsrechte kann Precious Woods Zertifikate aus ihren Aufforstungsprojekten aber weiterhin nicht anbieten, selbst wenn sie die Kyoto-Standards erfüllen. Denn die Umweltminister der EU und das EU-Parlament haben erwirkt, dass Investments in Aufforstungsprojekte bis mindestens 2012 vom EU-Emissionshandel ausgeschlossen sind. Denn solche auch als "Senken" bezeichnete Projekte werden von einigen Umweltschutzorganisationen kritisiert. So befürchtet etwa Greenpeace unter anderem, dass auf den Emissionshandel ausgerichtete Aufforstungsprojekte die Anstrengungen in den Industrieländern zur Reduktion ihrer eigenen Emissionen vermindern. Aufgrund der Beschlusslage in der EU kommen als Kunden für Precious Woods neben der CCX vorerst nur Regierungen oder Industrie- und Energieunternehmen außerhalb der EU in Frage. Dazu gehören etwa Japan oder Kanada, auch die Weltbank kauft Emissionsrechte aus Aufforstungssprojekten.

Ab diesem Jahr wollen die Schweizer Tropenholzspezialisten nach eigener Aussage "einen wesentlichen Umsatzbeitrag" aus dem Handel mit Emissionsrechten erwirtschaften. Was die konkrete Umsatzerwartung angeht, so mochte sich Christoph Buholzer im Gespräch mit ECOreporter.de nicht auf genaue Zahlen festlegen. Die gegenwärtigen Preise für Emissionsrechte an der CCX beziehungsweise für CER (Certified Emission Reduction) - also Emissionsrechte aus Kyoto-Projekten - im freien Handel gäben aber Hinweise auf das mögliche Finanzvolumen der Transaktionen. An der CCX werden für Emissionsrechte derzeit etwas mehr als 3 US-Dollar je Tonne CO2 geboten. Für CER liegen die Preise höher, schwanken aber je nach Art des zu Grund liegenden Projektes.

Precious Woods hat mit der Klimabörse in Chicago eine Handelsplattform betreten, wo der Handel mit Emissionsrechten bislang noch überschaubare Ausmaße besitzt. Im Februar wurde dort mit 600.000 Tonnen ein neuer Monatsrekord erzielt. Zum Vergleich: Im März 2006 wurde an der Leipziger Energiebörse Emissionsrechte für etwas über 1 Million Tonnen CO2 gehandelt. Aber der Markt der CCX wächst. In Nordamerika entdecken immer mehr Unternehmen und andere Akteure das Instrument des Börsenhandels mit Emissionsrechten für sich. Wie aus US-Medienberichten hervorgeht, sollen in Kooperation mit der CCX an der Ostküste der Vereinigten Staaten weitere Klimabörsen eingerichtet werden, die New York Climate Exchange (NYCX) und die Northeast Climate Exchange (NECX). Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass sieben Bundesstaaten der Region bis 2009 ein Emissionshandelssystem aufbauen wollen. Damit dürften auch die Absatzmöglichkeiten von Emissionsrechten steigen, wie sie Precious Woods anbietet.

Precious Woods Holding AG: ISIN CH0013283368

Bildhinweis: Aufforstungsprojekt der Precious Woods AG in Penas Blancas und Messung des Wachstums / Quelle: Unternehmen
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