06.05.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

6.5.2004: "Affenschande" - Pro Wildlife kritisiert Tropenholzhandel: "Auch FSC bietet keine Sicherheit"

Die Naturschutzorganisation Pro Wildlife e.V. hat heftige Kritik am Handel mit Tropenhölzer geäußert. Auch "sogenannte Ökosiegel" wie das von der Bundesregierung und einigen Umweltverbänden geförderte FSC-Zertifikat (Forest Stewardship Council) böten keine Garantie auf naturverträgliche Waldbewirtschaftung, erklärte Pro Wildlife in München. Der Verein hat laut der Meldung eine Analyse mit dem Titel "Affenschande - Die Vernichtung der Tropenwälder und die Folgen für Primaten" erarbeitet. Diese zeige die Bedrohung besonders von Affen durch die Tropenwaldzerstörung deutlich.

Während vor allem große Affenarten alarmierende Bestandsrückgänge erlitten, werde in der öffentlichen Wahrnehmung Tropenholz wieder enttabuisiert, so die Naturschutzorganisation. In der Kritik stünden dabei auch diverse Ökosiegel, darunter das FSC-Zertifikat. "Fazit unserer Analyse ist: Umweltbewusste Verbraucher vertrauen auf Ökosiegel, obwohl es derzeit kein zuverlässiges Label gibt, das die Naturverträglichkeit eines Tropenholzproduktes gewährleisten kann", sagte Dr. Sandra Altherr, Autorin der Studie.

Das FSC-Zertifikat sei kein zuverlässiger Schutz für Tropenwälder: Holzeinschlag dürfe sogar in Primärwäldern erfolgen, bis zu 30 Prozent des Holzes in einem FSC-Produkt könne aus nicht zertifizierten Quellen stammen, berichtete Pro Wildlife, bei Produkten aus Holzfasern und -Chips sogar bis über 80 Prozent. FSC stehe zudem unter Erfolgsdruck, Marktanteile zu gewinnen. Kritisiert werde in diesem Zusammenhang auch, dass immer wieder Holzfirmen mit illegalen Rodungsaktivitäten das FSC-Zertifikat erhielten.

Deutschland sei mit geplanten 125 Millionen Euro im Jahr führender Geldgeber für Tropenschutzprojekte. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Gelder fließe bislang auch in die Weiterentwicklung des FSC-Siegels sowie in Entwicklungsprojekte in ökologisch hochsensiblen Gebieten. "Damit trägt die Bundesregierung eine ganz besondere Verantwortung, fährt dabei allerdings einen gefährlichen Kurs", so Altherr.

Eine im Rahmen der Analyse durchgeführte Umfrage weise auf einen schlechten Informationsstand seitens der Kunden hin, so Pro Wildlife. Das FSC-Zertifikat wurde demnach von fast 60 Prozent der Beragten für glaubwürdig gehalten. Mit der Angabe "Kontrollierter Plantagenanbau" seien über 40 Prozent zufrieden gewesen. Mit Ausnahme von Teak und Mahagoni hätten die Kunden zudem in der Regel nicht gewusst, welche Hölzer aus den Tropen kommen. Balau, Iroko oder Meranti würden nicht als Tropenhölzer erkannt, Produkte entsprechend unkritisch gekauft.

Laut der Pro Wildlife Studie, die die Verhältnisse in Indonesien, Malaysia, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo untersucht, droht den Affen höchste Gefahr: Alle sechs Menschenaffen-Arten (Sumatra- und Borneo Orang-Utan, Schimpanse, Bonobo, Westlicher und Östlicher Gorilla) sowie zahlreiche weitere hochbedrohte Primaten (z.B. Nasenaffen, Drills, Preuss-Meerkatzen) litten direkt an den Folgen des ungebremsten Holzeinschlags.

Holzeinschlag und Wilderei seien eng miteinander verflochten: Wilderer nutzten die Erschließung unzugänglicher Waldgebiete durch die Holzfällerstraßen. Sie versorgten die Holzfällercamps mit Fleisch, vielerorts seien Affen die bevorzugte Beute. Das gewilderte Fleisch werde mit Holztrucks zu den Absatzmärkten in den Städten transportiert.

Die Studie ist unter www.prowildlife.de oder Tel. 089-81299-507 abrufbar.

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Bildnachweis: Affen: Gorilla, Nyango / Quelle: Pro Wildlife e.V. // Urwald in Paraguay / Quelle: Precious Woods
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