06.05.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

6.5.2006: Gar nicht sauber: Robin Wood und brasilianische Indianer protestieren gegen Einsatz von Zellstoff aus Eukalyptus-Monokulturen für Tempo-Taschentücher

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood haben am Donnerstag die Zufahrten zum Tempowerk von Procter&Gamble (P&G) in Neuss blockiert. Der Protest der Demonstranten richtete sich laut einer Meldung von Robin Wood dagegen, dass Zellstoff aus brasilianischen Eukalyptus-Monokulturen bei P&G für die Produktion von Tempo-Taschentüchern und Charmin- und bess-Klopapier für den deutschen Markt verwendet werde. Vor Ort seien auch ein Tupinikim- und ein Guarani-Indianer aus Brasilien gewesen, hieß es. Der brasilianische Zellstoffkonzern Aracruz habe den Indianern 11.000 Hektar Land im Bundesstaat Espirito Santo weggenommen, um dort Eukalyptus zu pflanzen.

Eine Delegation der Tupinikim und Guarani sowie Robin Wood überreichte P&G laut dem Bericht eine Erklärung, in der sie den Konzern auffordern, die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten Aracruz auf Eis zu legen, solange der Konzern diesen und alle weiteren Landkonflikte mit Indianern, Landlosen und Quilombolas (Afrobrasilianern) nicht im Einvernehmen mit den Betroffenen gelöst hat.

Aracruz, der weltweit größte Produzent von gebleichtem Zellstoff, habe in Brasilien großflächig Küstenregenwald (Mata Atlantica) gerodet, um dort Eukalyptus-Monokulturen anzulegen, so Robin Wood weiter. Nach eigenen Angaben besitze der Konzern inzwischen 247.000 Hektar Eukalyptus-Plantagen. Während der brasilianischen Militärdiktatur habe Aracruz die Ureinwohner von ihrem angestammten Land vertrieben, um seine Plantagen auszuweiten.
Bis heute weigere sich das Unternehmen mit Gewalt und juristischen Tricks, den Tupinikim und Guarani 11.000 Hektar ihres Landes in Espirito Santo zurückzugeben, hieß es. Die Indianerbehörde Funai habe inzwischen bestätigt, dass den Indianern das Land rechtmäßig zustehe.

"Die Menschen in Deutschland sollen erfahren, dass wir Tupinikim und Guarani für die Rohstoffe von Tempo brutal vertrieben werden", sagt Tupinikim Paulo Henrique Vicente de Olivira, Koordinator von Brasiliens zweitgrößter Indigenen-Organisation Apoinme. "Procter&Gamble ist mitschuldig daran, dass uns Aracruz das Land genommen, unsere Wälder dem Erboden gleich gemacht und unsere Flüsse mit Chemikalien vergiftet hat", sagt Wera Kwaray, Häuptling des Guarani-Dorfes Boa Esperanza. "Aracruz zerstört unsere Kultur."

Wie Robin Wood weiter meldete, wurde Procter&Gamble ausführlich über den Landraub und die Umweltsünden von Aracruz informiert. Der US-Konzern weigere sich jedoch, seine Geschäftsbeziehungen zu Aracruz auf Eis zu legen. Nicht einmal zu Gesprächen mit Vertretern der Indianer sei der Konzern bislang bereit gewesen.

Die P&G-Aktie ist in zahlreichen nachhaltigen Indices und Fonds enthalten.

Procter & Gamble: ISIN US7427181091 / WKN 852062
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