06.07.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

6.7.2004: "Ich halte über 50 Prozent der Aktien, und das soll auch so bleiben" - ECOreporter.de-Interview mit Joseph Wilhelm, Vorstand der Rapunzel Naturkost AG

Die Rapunzel Naturkost AG will eigene Aktien zurück kaufen. Der Naturkosthersteller mit Sitz im bayerischen Legau macht seinen Aktionären das Angebot zur Rücknahme von bis zu 200.000 Anteilsscheinen zum Preis von 7,19 Euro je Aktie. Die Offerte ist nach Angaben des Unternehmens bis zum 30. September 2004 gültig. ECOreporter.de sprach mit Joseph Wilhelm, Vorstand der Rapunzel Naturkost AG, über die Hintergründe des Angebots und die weiteren Ziele des Markenartiklers.


ECOreporter.de: Herr Wilhelm, Ihr Unternehmen bietet seinen Aktionären den Rückkauf eigener Aktien an. Welche Pläne haben Sie für die Verwendung der zurückgekauften Anteile?
Joseph Wilhelm: Der Hintergrund des Aktienrückkaufs ist die erschwerte Handelsmöglichkeit für nicht börsennotierte Aktien. Wir möchten Aktionären, die ihre Rapunzel Aktien verkaufen wollen, eine faire Möglichkeit bieten, sich von ihren Beständen zu trennen. Die Rapunzel AG will keinen eigenen Aktienhandel betreiben, sondern gegebenenfalls MitarbeiterInnen die Chance zum Erwerb geben.

ECOreporter.de: Wie ist die aktuelle Aktionärsstruktur der Rapunzel Naturkost AG? Wie groß ist Anteil des Streubesitzes am Gesellschaftsvermögen, wer sind neben Ihnen selbst die Großaktionäre?
Wilhelm: Da unsere Aktien Inhaberpapiere sind, haben wir außerhalb der Hauptversammlung unterjährig keinen Einblick in Veränderungen der Aktionärsstruktur. Das ist insofern auch unbedeutend, als dass ich über 50 Prozent halte und fest entschlossen bin, dass das nachhaltig so bleibt. Die Anzahl der Aktionäre dürfte bei ca. 500 - 600 liegen. Das entspricht der Firmenkultur des Unternehmens, dem Wunsch der Mitarbeiter und Banken, und ist im Sinne der Aktionäre.

ECOreporter.de: Die Rapunzel AG hat im Geschäftsjahr 2003 einen Bilanzgewinn in Höhe von 1,96 Millionen Euro verbucht. Davon schütten Sie weniger als zehn Prozent - 187.000 Euro - an Ihre Aktionäre aus. Andererseits verringern Sie die Anzahl der Anteile im Streubesitz. Sind das die ersten Schritte zum Squeeze Out der Kleinaktionäre, die durch ihre Risikobereitschaft den Aufbau des Unternehmens mit möglich gemacht haben?
Wilhelm: Im Geschäftsjahr 2003 hat die AG einen Jahresüberschuss von 1,27 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Ausschüttung in Höhe von 187.000 Euro entspricht cirka 15 Prozent. Die Strategie der AG ist auf Nachhaltigkeit und Stärkung der Eigenkapitalbasis ausgerichtet; das ist unter anderem auch im Hinblick auf Basel II besonders wichtig. Hauptnutznießer einer erhöhten Ausschüttung wäre außerdem ich als Vorstand - und ich möchte da mit gutem Beispiel vorangehen. Wir freuen uns über unsere kleinen und größeren Aktionäre und darüber, dass sie den Aufbau mitgetragen haben - dafür werden Sie unter anderem und vor allem durch eine innere Steigerung des Firmenwertes belohnt. In Zeiten, in denen Firmenwerte systematisch vernichtet werden, sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Das Risiko der Kleinaktionäre wird durch diese Strategie reduziert.

ECOreporter.de: Was sind die mittelfristigen Ziele Ihres Unternehmens? Legen Sie Wert darauf, auf jeden Fall unabhängig zu bleiben?
Wilhelm: Die mittelfristigen Ziele der Rapunzel AG sind durch die Umstellung der Vertriebstruktur von überwiegend Großhandel auf ausschließliche Direktbelieferung des Facheinzelhandel gerade neu definiert worden. Die Stabilisierung dieser Umstellung und der weitere Ausbau partnerschaftlicher Kundenbeziehungen auf dieser Basis in Zusammenhang mit einer kundenorientierten Logistik aus unserem neuen Logistikzentrum heraus geben die Richtung für die nächsten Jahre vor. Durch den dadurch freiwerdenden Platz am Stammsitz Legau ergeben sich für die Eigenproduktion neue Möglichkeiten und Effizienzsteigerungen.

Unabhängigkeit und Erhalt der Mehrheit des Vorstandes sind langfristige Prämissen, die jedem Aktionär für seine eigenen Entscheidungen eine klare Orientierung ermöglichen.


ECOreporter.de: Herr Wilhelm, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bild: Josef Wilhelm
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x