06.09.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

6.9.2007: Aktien-News: Interseroh AG warnt vor Zusammenbruch des dualen Systems – Sprecher gegenüber ECOreporter.de: „Haben finanzielle Vorkehrungen getroffen“

Der Kölner Recycling- und Rohstoffkonzern Interseroh AG hat vor einem möglichen Zusammenbruch des dualen Systems in Deutschland gewarnt. Der Markt stehe derzeit unter erheblichem Druck durch Trittbrettfahrer, so Interseroh in seinem jüngst vorgelegten Halbjahresbericht; dabei handele es sich um Unternehmen, die für die Rücknahme und Verwertung ihrer Verkaufsverpackungen nicht oder nur teilweise bezahlen. Laut Michael Block, Pressesprecher der Interseroh AG, gegenüber ECOreporter.de haben sich seit Jahrsanfang die angemeldeten Mengen an Verkaufsverpackungen um fünf bis sechs Prozent reduziert. Das liege kaum an rückläufigen Verkaufszahlen, so der Sprecher. Darauf weise schon die Menge an Transportverpackungen hin, die leicht gestiegen sei.

Die seit einem Jahr vom Bundesumweltministerium geplante Novellierung der Verpackungsverordnung solle sicherstellen, dass Trittbrettfahrer künftig am System beteiligt werden und damit zu dessen Finanzierung beitragen, forderte Interseroh in ihrem Halbjahresbericht. Block ergänzt: „Entscheidend wird sein, ob, wann und wie das Bundesumweltministerium die Verpackungsverordnung novelliert. Mit Hilfe der Novelle sollen die Konsumgüterhersteller gesetzlich verpflichtet werden, sich einem der konkurrierenden Rücknahmesysteme anzuschließen. Trittbrettfahrer verursachen höhere Kosten bei den Entsorgern. Wenn Novelle nicht kommt, würden wir unsere Entsorgungspreise um fünf bis sechs Prozent erhöhen müssen, um unseren Deckungsbeitrag zu halten.“

Wenn die Finanzierung der Entsorgungskosten durch die Erlöse nicht mehr gesichert sei, könne möglicherweise „das System zusammenbrechen“, hieß es im Halbjahresbericht weiter. Dies hätte deutliche Rückgänge bei Umsätzen und Ergebnissen im Geschäftsfeld Dienstleistung und Rohstoffhandel der Interseroh AG zur Folge.

Was hätte ein derartiger Einbruch in einem wichtigen Geschäftsfeld für Folgen für Interseroh. Block erklärt, dass man in Köln „finanzielle Vorkehrungen“ dazu getroffen habe und treffen werde. Im Unterschied zum Ex-Monopolisten DSD wäre Interseroh im Ernstfall zudem nicht in seiner Existenz bedroht. „Den Grossteil unserer Umsätze erwirtschaften wir im Rohstoffhandel und im Stahl- und Metallrecycling“, sagt Block. In Deutschland werde derzeit ein Drittel des Stahls aus Schrotten hergestellt. Zudem sei die Bundesrepublik nach den USA und Russland der drittgrößte Schrottexporteur der Welt.

Wie der Sprecher weiter mitteilt, sieht sich sein Unternehmen überdies als Profiteur einer Konsolidierung der Branche. Man werde zu denen gehören, die übernehmen, so Block. Im laufenden Jahr habe Interseroh bereits fünf Unternehmen mit insgesamt 200 Millionen Euro Umsatz zugekauft. Und die Kölner sind noch lange nicht satt. „Bis Ende des Jahres soll es weitere Akquisitionen geben darunter auch größere als bisher“, kündigt der Sprecher an.

Interseroh AG: WKN: 620990/ ISIN: DE0006209901

Bild: Kunststoffrecycling bei Interseroh / Quelle: Unternehmen
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