06.09.07 Erneuerbare Energie

6.9.2007: „Deutsche Unternehmen stehen weltweit derzeit in der Pole Position“ – ECOreporter.de-Interview mit Sven Teske, Greenpeace International, zu deren aktueller Solar-Studie

Die Solarbranche wird bis zum Jahr 2030 sechseinhalb Millionen Menschen beschäftigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von der Umweltschutzorganisation Greenpeace gemeinsam mit dem Europäische Verband der Photovoltaik-Industrie (EPIA) erarbeitet wurde. Laut der Studie wird bis 2030 die Photovoltaik 9,4 Prozent des weltweiten Strombedarfs decken. Der Umsatz der Solarbranche soll von momentan 9 auf 300 Milliarden Euro im Jahr ansteigen. Die Solarindustrie wird laut der Studie bis 2010 weltweit 14 Milliarden Euro in Photovoltaik-Anlagen investieren. ECOreporter.de sprach mit Sven Teske über die Studie; der Leiter des Arbeitsbereichs Erneuerbare Energie weltweit bei Greenpeace International ist Mitautor der Untersuchung.


ECOreporter.de: Herr Teske, bisher basieren fast 100 Prozent der weltweit verbauten Solarmodule auf Siliziumtechnologie. Wird das in den nächsten Jahren so bleiben, oder könnten andere Materialien und Technologien die Siliziumtechnik ausstechen?
Sven Teske: Wir erwarten für die nächste Zeit keine nennenswerten Änderungen. Silizium wird den Markt auf absehbare Zeit weiter dominieren.


ECOreporter.de: Welche anderen Techniken halten Sie denn für aussichtsreich?
Teske: Wir rechnen allgemein eher mit einer evolutionären Entwicklung, nicht mit einer Revolution, die auf einen Schlag vollkommen neue Verhältnisse schafft. Die Richtung geht zu dünneren Wafern und höheren Wirkungsgraden.

Dabei gilt es zu bedenken, dass Zellen und Module schon heute sehr ausgereift sind. Das Bemühen der Hersteller richtet sich deshalb nicht nur auf die Forschung und neue Höchstwerte sondern auch auf die Massenproduktion bei gleichzeitig hohem Qualitätsniveau.


ECOreporter.de: Das Wachstum der Branche wurde in den letzten Monaten stark durch den Mangel an Solarsilizium ausgebremst. Wie ist es um die Siliziumversorgung bestellt, wann wird sie gesichert sein?
Teske: Dazu kursieren auf dem Markt und in der Fachliteratur unterschiedliche Zahlen. Sicher ist: Die Produktionsleistung steigt weiterhin massiv an; wir erwarten deshalb, dass es noch für 1-2 Jahre eng bleibt mit der Versorgung. Der absolute Flaschenhals dürfte allerdings spätestens bis Ende 2007, Anfang 2008 überwundenen sein. Letztlich kann man das nur ungefähr abschätzen. Es werden derzeit viele neue Fabriken gebaut und es kommt stark darauf an, wann die tatsächlich mit der Produktion beginnen. Dazu gibt es unterschiedliche Zahlen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wir haben trotz des Branchenwachstums keine alarmierende Situation bei der Siliziumversorgung.


ECOreporter.de: Wie stehen deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich da?
Teske: Unsere Studie behandelt die Zeit bis zum Jahr 2030, mit Ausblick bis 2040. Deutsche Firmen sind laut unserer Analyse für diesen Zeitraum ziemlich gut aufgestellt. Verschiedene Unternehmen werden demnächst hochmoderne neue Fertigungsstätten wird eröffnen. Bei der Qualität sind deutsche Firmen weltweit führend. Wir sehen die Unternehmen derzeit klar in der Pole Position. Allerdings braucht es für die Fortsetzung des Erfolgs die weitere Förderung der Branche durch das EEG, es darf keinen Bruch geben.
Der Entwurf des Bundesumweltministeriums liegt unserer Einschätzung nach auf einer guten Linie; die Degression der Fördersätze die darin angesetzt wurde, kann durch die Optimierung der Technik ausgeglichen werden. Bleibt zu hoffen, dass nun nicht noch das Bundeswirtschaftsministerium quer schießt. Auch dort sollte inzwischen angekommen sein, dass die Solarindustrie eine Zukunftsbranche ist!


ECOreporter.de: Welche Rolle wird China in der Solarwirtschaft der nächsten Jahre spielen?
Teske: China hat natürlich eine Riesenkapazität. Zusammen mit Greenpeace China und der Chinese Renewable Energy Association (Crea) arbeiten wir aktuell an einer Studie über die chinesischen Solarwirtschaft. Dort gibt es eine unglaubliche Expansion der Produktionskapazitäten auf allen Wertschöpfungsstufen. Bisher wird aber fast ausschließlich für den Export produziert. Das Volumen des Markts im Inland liegt nicht einmal im zweistelligen Megawattbereich. Die Firmen haben aber inzwischen verstanden, dass sie auch einen Inlandsmarkt brauchen, um zeigen zu können, dass sie ihre Produkte im eigenen Land einsetzen.
Unsere politische Arbeit in China gilt vor allem der gesetzliche Förderung. Wir treten für ein Einspeisegesetz für Fotovoltaik ein.


ECOreporter.de: Chinesischen Fotovoltaikprodukten wird nachgesagt, dass sie qualitativ noch nicht an westliche Standards heranreichten. Wie wird sich das entwickeln?
Teske: Die Qualität wird sich schrittweise ändern; wir erwarten nicht, dass die Probleme mittelfristig bestehen bleiben.


ECOreporter.de: Wird China die heutigen Marktführer Japan und Deutschland von der Weltspitze verdrängen?
Teske: Nein, wir gehen davon aus, dass der Weltmarkt relativ stabil bleibt und dass das kräftige Wachstum anhält. Es wird genügend Platz für mehrere Player geben: Japan, Deutschland, China, die USA und auch Südkorea.


ECOreporter.de: Wo sehen Sie die größten Entwicklungschancen für die Fotovoltaik, im Bereich der dezentralen oder der zentralen Energieversorgung?
Teske: Die Fotovoltaik ist klassische dezentrale Technik. Sie ermöglicht es, im Sektor Haushalt und ländliche Energieversorgung erhebliche CO2-Einsparungen zu erzielen. Für die Erzeugung von Industriestrom sind Techniken wir die Offshorewindkraft gut geeignet. Die Fotovoltaik ist dafür auch zu teuer.

Mit den Preisen der Endverbraucher wird die Fotovoltaik dagegen schon bald konkurrieren können. In den nächsten sieben Jahren rechnen wir damit, dass der Preis auf 15-20 Cent je Kilowattstunde sinken wird, das wird derzeit in Europa für Strom bezahlt. Etwa ab 2015 wird es sich für Haushalte wirtschaftlich lohnen, Solarstrom einzusetzen.

ECOreporter.de: Herr Teske, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Die Solarstudie können Sie hier kostenlos herunterladen (PDF-Format)


Bild: Sven Teske / copyright: Isadora Tast/Greenpeace; Sogenannter "Drucker" für Solarzellen bei der Q-Cells AG. / Quelle: Unternehmen
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