07.10.03

7.10.2003: "Die Wahrheit ist immer konkret" - Podiumsdiskussion auf dem 2. Freiburger Tag für ethisch-ökologische Geldanlage

Mit einer Podiumsdiskussion unter dem Titel "Die Wahrheit ist immer konkret" endete der 2. Freiburger Tag für ethisch-ökologische Geldanlage am 27. September in Freiburg. Wahrheit konkret, das meinte in diesem Fall die Auseinandersetzung mit verschiedenen Konzepten von Geldanlage in regionalen Energiewende-Projekten. Als Repräsentanten solcher Initiativen hatten die Veranstalter ECOreporter.de und Öko-Finanz Schönau führende Köpfe aus der Süddeutschen Neue-Energie-Szene gewonnen: Michael Sladek, ehrenamtlicher Mitarbeiter und Mitbegründer der EWS Schönau, Anton Lutz, Geschäftsführer der KWA GmbH und Josef Pesch, Geschäftsführer der fesa GmbH.

Die Diskussion bildete den letzten Programmpunkt des gut besuchten Kongresses "Zukunftssicher Investieren" im Historischen Kaufhaus von Freiburg. Alle drei Teilnehmer stellten zunächst ihr Projekt vor. Die Elektrizitätswerke Schönau GmbH (EWS) seien ein "lupeneiner" Stromverteiler, leitete Michael Sladek ein. Das Unternehmen mit inzwischen 20.000 Kunden bundesweit erzeuge selbst nicht eine Kilowattstunde elektrischer Energie. Das bleibe vollständig der ebenfalls im gesamten Bundesgebiet tätigen Tochter Kraft-Wärme Schönau (KWS) überlassen. Sladek, von Beruf Arzt, engagiert sich noch immer ehrenamtlich für die Schönauer Energieunternehmen. Sein Antrieb sei "das Gefühl, dass ich selber etwas bewegen kann", erklärt er den Kongressteilnehmern in Freiburg.

Anton Lutz von der Kraftwärmeanlagen GmbH (KWA) mit Sitz in Bietigheim-Bissingen betonte die besondere Bedeutung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) für sein Unternehmen. Die KWA übernimmt als Betreibergesellschaft Planung, Finanzierung, Bau und den Betrieb von Energieanlagen zur umweltschonenden Bereitstellung von Strom und Wärme. Das Unternehmen arbeitet bei seinen Projekten in ganz Süddeutschland eng mit den jeweiligen Gemeinden zusammen. "Inzwischen konnten wir an verschiedenen Stellen sogar die Stadtwerke davon überzeugen, sich finanziell an den Betreibergesellschaften vor Ort zu beteiligen", berichtete Lutz in Freiburg. Bei der Frage nach seiner persönlichen Motivation, für die KWA zu arbeiten, zeigte Lutz sich schlagfertig. Da halte er es ganz mit Amory B. Lovins: "Die Welt retten, Spass haben und dabei Geld verdienen."

Dritter in der Runde, die sich den Besuchern des Kongresses "Zukunftssicher Investieren" präsentierte war Josef Pesch von der fesa GmbH, einer Tochter des fördervereins energie- und solaragentur regio freiburg e.v. (fesa e.v.). Der studierte Geograph kam nach eigenen Angaben auf das Thema Regenerative Energien, weil er sich intensiv mit dem Problem der Klimafolgen beschäftigt hatte. Pesch: "Die Entwicklung der Energieversorgung aus Wind, Sonne und Wasser ist schlicht eine Notwendigkeit."

Das den Vorstellungen folgende Gespräch kreiste unter reger Beteiligung des Publikums um die Themen Biomasse, Öffentlichkeitsarbeit der grünen Energieerzeuger und Strategien der Netzbetreiber und Ex-Monopolisten aus der Energiewirtschaft. Eine provokante These stellte KWA-Geschäftsführer Anton Lutz in den Raum: Die Kraft-Wärme-Kopplung sei eine echte Bedrohung für die großen Energieversorger. Würde die Politik diese Technik ebenso fördern, wie beispielsweise die Gewinnung von Energie aus Wind und Sonne, dann sei ein enormes dezentrales Potential vorhanden. Michael Sladek unterstützte die Ansicht und ergänzte: die Energiemenge, die in Deutschland jährlich an Abwärme verloren gehe, belaufe sich auf 150 Prozent des jährlichen Wärmeenergieverbrauchs. Warum bemüht sich die konventionelle Energiewirtschaft zur Zeit so intensiv um die Diskreditierung der regenerativen Energien? Michael Sladek glaubt den Grund zu kennen. In den kommenden Jahren würden Investitionen in erheblichem Umfang zur Modernisierung des Kraftwerksparks in Deutschland anstehen. Diesen Kuchen wollten die großen Versorger für sich. Die Diskussionsteilnehmer sind sich einig: Bei dem aktuellen öffentlichen Streit geht es vor allem darum, dass Weichen gestellt werden sollen.

"Die Industrie betreibt eine gezielte Desinformationspolitik", spitzte Josef Pesch das Thema nochmals zu. Journalisten würden mit einseitigen Darstellungen gefüttert und übernähmen teilweise unkritisch die Rundumschläge gegen die Regenerativen Energien. Die Konzerne wollten vor allem verhindern, dass sich effektive dezentrale Strukturen bilden, so Pesch weiter: "Deshalb sind die auf der anderen Seite auch so für die Offshore-Windkraft!"

Fazit der Diskussionsrunde: Die Erneuerbaren Energien stehen in Deutschland an einer entscheidenden Stelle in ihrer Entwicklung. Sie sind auch vom Volumen her inzwischen zu einer Größe geworden, die auch die konventionelle Energiewirtschaft ernst nimmt. Es gelte nun, die Kräfte zu bündeln und auch in der Öffentlichkeit an einem gemeinsamen Auftritt zu arbeiten.

Bildnachweis: Michael Sladek (oben) und Anton Lutz auf dem 2. Freiburger Tag für ethisch-ökologische Geldanlage / Quelle: ECOreporter.de
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