07.11.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

7.11.2006: Nachhaltigkeit in Gelb - Die Deutsche Post AG bewertet ihre Nachhaltigkeitsstrategie als Schlüsselfaktor für den Unternehmenserfolg

Die erst seit 1995 börsennotierte Deutsche Post AG mit Hauptsitz in Bonn liefert mit ihren Marken Deutsche Post, DHL und Postbank ein breites Spektrum an Dienstleistungen für das Management und den Transport von Briefen, Waren und Informationen. Laut eigenen Angaben beschäftigt der aus der ehemaligen Bundespost hervor gegangene Konzern 500.000 Mitarbeiter in über 220 Ländern und Territorien auf allen fünf Kontinenten. In 2005 wurde ein Konzernumsatz von knapp 45 Milliarden Euro erwirtschaftet. In diesem Jahr soll er auf über 60 Milliarden Euro steigen und der Betriebsgewinn um 14 Millionen Euro auf 3,9 Milliarden Euro anwachsen. Das hat Unternehmenschef Zumwinkel erst gestern bestätigt.

Auf einem guten Weg sieht sich die Deutsche Post AG auch in Sachen Nachhaltigkeit. Sie hat im Juni diesen Jahres erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt und darin Nachhaltigkeit als ein "zentrales Element der Konzernstrategie" bezeichnet. Sie sei "Richtschnur für alle Unternehmensbereich und Abteilungen". Aus seiner führenden Position in der Logistik durch DHL und Deutsche Post sowie der Rolle der Postbank als größte Privatkundenbank leitet das Unternehmen die Verpflichtung ab, auch bei der Nachhaltigkeit eine Spitzenposition einzunehmen. Vor allem aber sei Nachhaltigkeit "einer der Schlüsselfaktoren, um Chancen zu nutzen und Risiken zu vermeiden". Die Ausrichtung am Prinzip Nachhaltigkeit diene nicht nur der Verringerung von Kosten, etwa beim Energiebedarf. Sie biete dem Unternehmen vor allem "viele strategische Vorteile". Das im Nachhaltigkeitsbericht vorgestellt "Arbeitsprogramm für Nachhaltigkeit" des Konzerns nennt als Ziele unter anderem, sich in eine "führende Position bei der Entwicklung und Vermarktung innovativer grüner Produkte und Dienstleistungen" zu bringen. Ein wichtiger Aspekt sei nicht nur, die Dienstleistungen "stärker an den gesellschaftlichen und ökologischen Erwartungen unserer Kunden" auszurichten. Explizit will das Unternehmen sich an den "Nachhaltigkeitsforderungen des Finanzmarktes" ausrichten.

Hier mag der Bonner Konzern es als Erfolg verbuchen, dass er seit der Aktualisierung im September in dem bedeutenden Nachhaltigkeitsindex DJSI STOXX geleistet ist. Dieser besteht aus den unter Nachhaltigkeitsaspekten führenden 20 Prozent der 600 größten Firmen in Europa und wird aufgelegt von der Schweizer SAM Indexes GmbH. Hier wird die Deutsche Post AG dem Transportsektor zugerechnet und konkurriert mit Logistikfirmen wie UPS oder der niederländischen TNT um die Position des Nachhaltigkeitsführers. Die Auswahl des deutschen Unternehmens in den Europa-Index erfolgte nach dem Best-in-class-Ansatz, wie Philipp Mettler erläutert. Er ist Equity Analyst bei SAM Sustainable Asset Management. Die Züricher Vermögensverwaltung hat in Kooperation mit Dow Jones die DJSI-Nachhaltigkeitsindices ins Leben gerufen. Nach Einschätzung von Mettler hat die Deutsche Post AG gegenüber der Vergangenheit bereits große Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit gemacht. Diese gelte zum einen für den ökologischen Bereich, worunter zum Beispiel der Treibstoffverbrauch der Transportflotte falle. Hier könne der Konzern etwa bei den Flugzeugen mit einer modernen Flotte punkten, die eine bessere Energieeffizienz aufweise.

Das Unternehmen nennt selbst den Ausstoß von Treibhausgasen als seine "wichtigste Verantwortung im Umweltschutz". Man unterstütze das Klimaschutzprotokoll von Kyoto und sei insbesondere bestrebt, die Logistiknetzwerke effizienter zu gestalten. Laut dem vorgelegten Nachhaltigkeitsbericht sank in der Briefzustellung die Fahrleistung je Zustellbezirk seit 2001 um über 14 Prozent. Die Menge der beförderten Luftfracht stieg 2005 um 20.000 Tonnen, ohne dass zusätzliche Flüge benötigt wurden. In dem 2006 veröffentlichten Report der Klimaschutzinitiative "Carbon Disclosure Project" erhielt die Deutsche Post die beste Bewertung im Industriesektor Luftfracht & Kurierdienste. Aufgrund seiner Klimastrategie fand das Unternehmen Eingang in den Klimaindex KLD Global Climate 100 Index. Auch in den Nachhaltigkeitsindices FTSE4GOOD Europe und Global Indizes und im Vigeo"s ASPI Eurozone Index (Advanced Sustainable Performance Indices) sind die Bonner enthalten.

Im sozialen Bereich liegen Mettler zufolge die Stärken der Deutsche Post AG insbesondere im Bereich des "Human Capital Management". Der Konzern sieht sich nach eigener Darstellung in der Pflicht, seinen Beschäftigten ein "faires, sicheres, gesundes und von Teamgeist geprägtes Arbeitsumfeld" zu bieten. Und er verweist auf die Auszeichnung als "sozialstes deutsches Unternehmen" in einem Ranking des "manager magazin". Im europaweiten Vergleich von 80 Unternehmen landete die Deutsche Post AG in diesem Ranking auf Rang 3. Dazu trug gewiss auch das humanitäre Engagement des Konzerns bei. Hier setzt er seine Stärken als weltweit führender Anbieter von Logistikdienstleistungen im Katastrophenmanagement ein. So stellt die Deutsche Post AG für plötzliche Naturkatastrophen so genannte Disaster Response Temas zur Verfügung. Im vergangen Jahr sorgten zum Beispiel DHL-Mitarbeiter für die Versorgung von 50.000 vom Erdbeben in Pakistan betroffener Menschen mit Winterkleidung. Aufgrund seiner sozialen Performance kommt die Aktie des Konzerns bereits auch für Ethikfonds in Frage. So zählt sie zu den größten Positionen im Liga-Pax-Cattolico-Union, der besonders christliche Werte in seine Anlageentscheidungen einbezieht.

In der Vergangenheit hatten die Aktionäre der Deutsche Post AG durchaus Grund zur Freude. Der Aktienkurs des DAX-Unternehmens hat sich in den letzten drei Jahren fast verdreifacht. Allein in den letzten zwölf Monaten legte der Anteilsschein rund 20 Prozent zu auf aktuell 22,44 Euro. Auch für die Zukunft sehen Experten Wachstumspotential. So haben Analysten sowohl von ABN Amro als auch von J.P. Morgan Securities im Vorfeld der Bekanntgabe der Neunmonatszahlen die Aktie zum Kauf empfohlen, bei Kurszielen von 24,30 bis 25,60 Euro. Am morgigen Mittwoch legt der Bonner Konzern, dessen Hauptaktionär die KfW ist (Streubesitz-Anteil: 63,8 Prozent), die Zahlen für das 3. Quartal 2006 vor. HVB-Analyst Markus Remis rechnet im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) mit einem Zuwachs von 38 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro. Allerdings werde der Gewinn durch einen Buchgewinn von etwa 270 Millionen Euro aus der vorzeitigen Einlösung der Postbank-Wandelanleihe massiv beeinflusst. Für das Gesamtjahr 2006 rechnet Remis mit einem EBIT in Höhe von 3,813 Milliarden Euro (2005: 3,755 Milliarden Euro) und einen Umsatz leicht unter den vom Unternehmen prognostizierten 60 Milliarden. Für 2007 erwartet er beim EBIT einen Anstieg auf 4 Milliarden Euro und beim Umsatz auf knapp 62 Milliarden Euro. Das KGV würde sich dann auf günstige 11,2 belaufen.

Deutsche Post AG: ISIN DE0005552004

Bildhinweis: Filiale der Deutsche Post AG; Verladen eines Containers des Logistik-Dienstleisters / Quelle: Unternehmen
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