07.01.03 Nachhaltige Aktien , Meldungen

7.1.2003: NABU kürt EnBW-Chef Goll zum Dinosaurier des Jahres 2002

Gerhard Goll, Vorstandsvorsitzender der Energie Baden-Württemberg (EnBW, WKN 522000), ist vom Naturschutzbund NABU zum "Dinosaurier des Jahres 2002" gekürt worden. Laut NABU-Bundesgeschäftsführer Gerd Billen erhält Goll Deutschlands peinlichsten Umweltpreis für seine beharrlichen Versuche, der gesellschaftlich schon längst nicht mehr akzeptierten Atomenergie in Deutschland eine Zukunft zu sichern. "EnBW-Chef Goll ist verantwortlich dafür, dass Obrigheim und Philippsburg mittlerweile allseits bekannte Synonyme für Frechheit und Fahrlässigkeit im Umgang mit der Atomenergie sind", so Billen. "Der Schrottreaktor Obrigheim hätte bereits im Jahr 2000 nach der Regellaufzeit von 32 Jahren abgeschaltet werden müssen", so der NABU-Bundesgeschäftsführer. Bei seinem Versuch, durch Mauscheleien mit dem Bundeskanzler die Übertragung von 15.000 Gigawattstunden Strommenge neuerer Kernkraftwerke auf Obrigheim durchzusetzen, habe Goll elementare Sicherheitsinteressen der Bevölkerung ignoriert.

Mit dem "Dinosaurier des Jahres" kürt der NABU seit 1993 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich durch Verfehlungen in Sachen Umwelt- und Naturschutz besonders negativ hervorgetan haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehört zum Beispiel Lee R. Raymond, Präsident des Ölkonzerns Exxon.

Wie der NABU-Bundesgeschäftsführer ausführte, hat Goll bereits im Vorjahr den Dino nur knapp verpasst. Schließlich habe im Oktober 2001 die Öffentlichkeit nach einer Reihe von Störfällen erfahren müssen, dass im EnBW-Atomreaktor Philippsburg II jahrelang bei der für Notfälle vorgesehenen Kühlflüssigkeit geschlampt und so gegen elementare Vorschriften des Betriebshandbuches verstoßen worden war. Aus dem "lausigen" Krisenmanagement habe Goll keine persönliche Konsequenzen gezogen, sondern "es vorgezogen, die Verantwortung auf Mitarbeiter abzuwälzen", sagte Billen. Dabei habe Goll persönlich die Berufung jenes Betriebsleiters von Philippsburg vorangetrieben, der selbst die formalen Kriterien für die Leitung eines Atomkraftwerkes nicht habe erfüllen können. Immerhin werde Gerhard Goll im Mai diesen Jahres für positive Schlagzeilen sorgen: Dann scheidet er als
EnBW-Vorstandsvorsitzender aus.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x