07.12.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

7.12.2006: Henkel-Chef Ulrich Lehner, wir verehren Dich! Wer nachhaltig ist, ist auch uneitel? Ein neues Ranking zu Konzern-Bossen: Wer hat den längsten (Geschäftsberichts-Ego-Teil)?

Firmenchefs haben so ihre Vorteile: So verdient Deutsche-Bank-Boss Ackermann nicht nur gar nicht ganz wenig, er hat auch noch Pressesprecher und Berater. Die sich darum kümmern, dass er in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Das ist in vielen Teilen der Welt so eine Art Existenzfrage geworden, bei Konzernchefs sowieso: Ich bin in den Medien zitiert, also bin ich. Bin ich nicht zitiert, existiere ich nicht. "Die Vorstandsvorsitzenden von Bayer, Altana und DaimlerChrysler sind diejenigen Dax-Chefs, die von ihren Kommunikationsstrategen am stärksten in den Vordergrund gerückt werden. Dies zeigt ein Ranking des Wirtschaftsmagazins ,Capital" über die (Selbst-)Darstellung im Top-Management (Ausgabe 26/2006)." Es gibt da eine amerikanische Untersuchung, auf die sich capital stützt. Da wurde geschaut: Wie oft taucht der Name des Vorstandschefs pro Pressemitteilung seines Konzerns auf? Mit durchschnittlich mehr als zwei Nennungen liegt Bayer-Chef Wenning deutlich vorn. Wer hat den längsten Lebenslauf auf der Firmen-Homepage? Siemens-Vorturner Kleinfeld (genau, der mit Ben-Q). Wie viele Fotos gibt es vom Vorstandsvorsitzenden im Geschäftsbericht? Sieben Mal ist Altana-Chef Schweickart zu sehen. Wie viel Prozent verdient die Nummer eins im Vorstand mehr als die Nummer zwei? Der Vorsprung von Deutsche Bank-Chef Ackermann beträgt 111 Prozent - Peanuts, oder?. Wie oft sagt der Chef in Interviews "ich", "mir", "mein" gegenüber "wir", "uns", "unsere"? Auch hier führt Ackermanns mit einem aktuellen Ich-Wir-Quotient von 1,5.

Die Top Ten in der Gesamtwertung belegen: Werner Wenning (Bayer), Nikolaus Schweickart (Altana), Dieter Zetsche (DaimlerChrysler), Wolfgang Reitzle (Linde), Michael Diekmann (Allianz), Jürgen Hambrecht (BASF), Wulf Bernotat (E.ON), Harry Roels (RWE), Klaus-Peter Müller (Commerzbank) und Nikolaus von Bomhard (Münchener Rück). Zu den drei Dax-Chefs, die sich am stärksten im Hintergrund halten, zählt auch Ulrich Lehner von Henkel. Das freut uns, weil Henkel als nachhaltig gilt und Zurückhaltung auf diesem Chef-Niveau irgendwie sympathisch ist. Nur: Wenn man nach einigen Nachhaltigkeitsindizes geht, dann sind (oder waren bis vor kurzem) auch Bayer, BASF, Allianz, Münchener Rück, RWE und einige andere Unternehmen mit Stark-Ego-Chefs überdurchschnittlich nachhaltig. Was bedeutet: Nicht jeder, der nachhaltig ist, ist uneitel. Und irgendwie glauben wir als ECOreporter, dass wir sowieso die falsche Spur verfolgen: Eigentlich sollten wir nur noch Personality-Berichte und Chef-Roadshows machen. Klatsch und Tratsch aus den Boss-Etagen.
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