07.02.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

7.2.2006: Ethanol - der nächste Erneuerbare-Energien-Trend: Eine Aktie

Die Ölpreise werden steigen, kleinere Rückschläge sind möglich. Vor diesem Hintergrund ist das Interesse an alternativen Brennstoffen für Industrie und Wirtschaft enorm gewachsen. Treibstoff aus Biomasse ist zu einem Trend geworden. Auch für Investoren bieten sich in diesem Bereich Anlagemöglichkeiten.

Neben dem in Deutschland inzwischen bekannten und etablierten Biodiesel hat sich Bio-Ethanol als voll funktionsfähiger Alternativkraftstoff bewährt. Länder wie Brasilien, die USA und Schweden beweisen seit Jahren die Praxistauglichkeit des Alkoholtreibstoffs. Rund 50 Prozent aller aktuell in Schweden verkauften Saabmodelle können mit Bio-Ethanol betrieben werden. Das an schwedischen Tankstellen angebotene "E85" ist eine Mischung aus 85 Prozent Bio-Ethanol und 15 Prozent Benzin. Einem Saab 9-5 mit 150 PS Leistung entlockt der Öko-Kraftstoff locker 30 PS mehr Leistung. Der Mehrverbrauch von rund 30 Prozent wird durch den gegenüber Benzin um 25 Prozent niedrigeren Preis annähernd ausgeglichen. Der Alkohol-Sprit verursacht 30-50 Prozent weniger CO2-Emissionen als Benzin.

Während der Anteil des Biokraftstoffs am Spritverbrauch der USA gerade einmal drei Prozent ausmacht, liefert Ethanol in Brasilien bereits 30 Prozent des Treibstoffs für den privaten Autoverkehr. Das weltweite Volumen könnte problemlos sehr schnell gesteigert werden, denn seit 1970 sind moderne Ottomotoren in Europa, den USA oder Japan in der Lage, eine Beimischung von 25 Prozent Ethanol ohne Funktionseinbussen zu verbrennen. Und die weltweiten Autobauer wollen es Saab gleichtun: In wenigen Jahren wollen sie Motoren anbieten, die 85 Prozent Ethanol im Treibstoff problemlos verkraften.
Hergestellt wird der Alko-Sprit aus Biomasse. Dazu eignen sich die unterschiedlichsten Ausgangsstoffe; während in den USA vor allem Mais eingesetzt wird, nutzt Schweden die Abfälle seiner Holzindustrie für die Ethanolproduktion. In Brasilien kommt Zuckerrohr zum Einsatz.

Neben dem schwedischen Nischenhersteller Saab hat auch die Ford Motor Comp. Modelle für den Einsatz mit Ethanol optimiert. Die "Flexi Fuel" Ford-Modelle sind laut einem Bericht des Magazins "Spiegel" äußerlich nur an ihrem Typenschild zu erkennen. Durch den Einsatz von Bio-Ethanol könne in der "Gesamtbetrachtung ein CO2-Vorteil von 70 Prozent gegenüber Benzin erreicht werden, so Wolfgang Schneider, Vizepräsident Ford Europa, gegenüber dem Blatt.

Die 1902 gegründete Archer Daniels Midland (ADM) ist mit 30 Prozent Marktanteil der größte Ethanolhersteller in den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen mit Sitz in Decatur, Illinois, gehört zu den größten Verarbeitern von landwirtschaftlichen Produkten weltweit. ADM stellt Pflanzenöle, Lebens- und Futtermittel her. Das Traditionsunternehmen bietet den Landwirten Leistungen im Bereich der Ernte, des Transports und der Lagerhaltung an. An die Pharma-, Chemie-, und Papierindustrie liefert ADM Baumwollprodukte. Aus Mais und Weizen werden Süßstoffe, Stärke und Glukose produziert. In der Sparte Biokraftstoffe beschäftigt sich die Gesellschaft nicht nur mit Bio-Ethanol, sondern auch mit Biodiesel. Das größte Wachstum verzeichnet ADM jedoch bei der Produktion von Ethanol aus Mais. Der US-Marktführer braucht Konkurrenz auf diesem Gebiet derzeit nicht zu fürchten: Die USA produzieren weltweit die größte Menge an Ethanol aus Mais, und die nationalen Rivalen sind klein. Nur je vier Prozent Marktanteil können die Firmen Aventine Renewable Energy und Cargill für sich beanspruchen.

Laut dem Anlegermagazin "Der Aktionär" rechnen Analysten im laufenden Geschäftsjahr (Juni 2005 bis Ende Juni 2006) mit einem Gewinn pro Aktie von 1,23 Euro und einer Dividende von 0,26 Euro für ADM. Für 2006/07 lägen die Prognosen bei 1,41 Euro Gewinn und 0,27 Euro Dividende. Bezogen auf den aktuellen Kurs von 25,46 Euro (Börsenplatz Frankfurt; 6.2.2006; 16:13 Uhr) errechnet sich daraus ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 bzw. 18. Ein anderes Bild ergibt sich bei der Betrachtung des Kurs-Umsatz-Verhältnisse (KUV). Bezogenen auf die Erlöse des Geschäftsjahres 2005/06 in Höhe von 30,02 Milliarden Euro und eine aktuelle Marktkapitalisierung von 16,63 Milliarden Euro errechnet sich ein KUV von 0,55. Eine moderate Bewertung, die das konservative Massengeschäft von ADM als Partner der Landwirtschaft wiederspiegelt.

Die Experten der "Wirtschaftswoche" trauen dem Agrarspezialisten einiges Wachstumspotential zu. Der Agrarsektor habe "noch Nachholpotenzial gegenüber Rohstoffen", hieß es im Januar. Auch Fundamentaldaten wie der Bevölkerungszuwachs oder die Wasserknappheit sprächen für steigende Agrarpreise. Das Anlegermagazin "Wertpapier" erwartet für ADM einen Gewinnanstieg von 33 Prozent im laufenden Geschäftsjahr, das Unternehmen erwirtschafte aktuell 23 Prozent seiner Gewinne mit Ethanol. Mit einem sprunghaft wachsenden Gewinnanteil aus der Ethanolsparte rechnen die "Fuchsbriefe", wenn die laufenden Erweiterungen der Betriebsanlagen Schritt halten würden. Als Ziel sollten 2006 vier Milliarden US-Gallonen Ethanol vermarktet werden. Die Wertpapierexperten haben ein Kursziel von 28 Euro für die Aktie gesetzt.

Der Kurs von Archer Daniels Midland hat in den letzten Wochen kräftig von der Unsicherheit auf den Ölmärkten profitiert. Seit Anfang Mai 2005 (Kurs in Frankfurt: 14,12 Euro) kletterte die Aktie um mehr als 80 Prozent im Wert.

Fazit: Nachhaltige weitere Kurszuwächse der ADM-Aktie sind realistisch, wenn das Unternehmen die Wertschöpfung steigert. Angesichts des geplanten Ausbaus der Ethanolsparte bieten sich dafür gute Chancen. Langfristig orientierte Anleger können auch auf dem aktuellen Niveau beginnen, kleine Positionen in der Aktie aufzubauen, die bei Kursrückgängen kontinuierlich aufgestockt werden. Vorsichtige Investoren sollten eine Korrektur der Notierung bis auf mindestens 22 Euro abwarten.

Archer Daniels Midland Comp. (ADM): ISIN US0394831020 / WKN 854161
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