Nachhaltige Aktien, Meldungen

7.2.2007: Nach den kräftigen Kursgewinnen der letzten Monate: Wo lohnt noch der Einstieg bei Bioenergie-Aktien? Welche Titel sollten Anleger halten oder abgeben?

Welche Bioenergiewerte bieten noch Chancen? Sollten Anleger die Papiere des Herstellers von Biogasanlagen Schmack Biogas AG kaufen, oder ist es Zeit auszusteigen? Wie attraktiv sind die Biokraftstoffproduzenten Verbio und CropEnergies oder der Anlagenbauer BDI Biodiesel AG? Das fragte ECOreporter.de Fondsmanager Olaf Martin von der Schweizer Bank Vontobel und Wertpapierexperten weiterer Geldhäuser, zum Beispiel Stephan Wulf von der Bank Oppenheim und Dr. Karsten von Blumenthal, Analyst bei der M.M.Warburg-Tochter SES Research.

"Uns gefällt die Schmack Biogas AG", sagt Olaf Martin, Portfoliomanager bei der Züricher Vontobel-Tochter Vontobel Asset Management & Investment Funds: "Das Unternehmen macht viele Sachen richtig: Es sorgt zum Beispiel bei den eigenen Projekten dafür, dass die Wärme aus den Blockheizkraftwerken gut verwertet wird. Die Renditen aus den eigenen Kraftwerken sind dementsprechend gut."

Der Schweizer Wertpapierexperte führt weitere Argumente für Schmack Biogas an. Das Unternehmen mit Sitz in Schwandorf habe viel Know How über den Umgang mit unterschiedlichsten Arten von Biomasse gesammelt, so Martin. Durch eine entsprechend intelligente Steuerung gelinge es, die Prozesse in den Biogasanlagen an verschiedenste Rohstoffmischungen anzupassen. "Auch daraus resultieren höhere Renditen."

Das Unternehmen schmiede zudem erfolgreich strategische Kooperationen, erklärt Martin. Dazu gehört aus seiner Sicht die Zusammenarbeit mit lokalen Gasversorgern in Deutschland bei der Einspeisung von Biomethan in die Erdgasnetze, aber auch der geschickte Zukauf. So bewertet der Fondsmanager die Übernahme der Hese Umwelt GmbH aus Gelsenkirchen durch Schmack als "strategisch sehr sinnvoll".

Martin rät zum Kauf der Aktie: "Wir sehen deutliches Potential für Schmack Biogas, das Unternehmen zählt zu den Branchenführern in Deutschland und Europa mit überdurchschnittlichen Wachstumschancen. Für unseren Fonds haben wir vor kurzem bei Kursen unter 50 nachgekauft. Chancen könnten sich bieten, wenn es erneut zu einer technischen Korrektur kommt; nach dem starken Anstieg der Notierung ist dies nicht auszuschließen. Solche Gelegenheiten muss man ziemlich entschlossen nutzen. Die Börsenumsätze in Schmack Biogas sind relativ gering, es ist schwierig, das optimale Timing für den Einstieg zu finden."

Kritisch sieht der Vontobel-Experte den Bereich der Biokraftstoffe. Dort seien "massiv" Kapazitäten aufgebaut worden, so Martin. Und weiter: "Die Preise für die Produkte fallen. Auf der anderen Seite steigen tendenziell die Inputkosten auf der Rohstoffseite, die Margen geraten unter Druck. Beim Börsengang wurden für alle Unternehmen aber sehr hohe Margen prognostiziert. Das Volumenwachstum wird den Margeneinbruch nicht auffangen können. Deshalb sehen wir die Branche eher negativ. In der Vergangenheit haben wir nur Kleinstpositionen aufgebaut, die fahren wir aber derzeit wieder zurück."

Stephan Wulf vom Equity Research Utilities der Frankfurter Oppenheim Research GmbH hält derzeit die österreichische BDI Biodiesel AG und die deutsche Verbio Vereinigte BioEnergie AG für kaufenswert. Der Anlagenbauer BDI sei global tätig, deshalb sei das Unternehmen nicht so sehr von der Entwicklung auf lokalen Märkten abhängig, so Wulf. Die Österreicher hätten unter anderem schon in die USA, nach Spanien und ins Baltikum verkauft. Schon vor dem Börsengang sei BDI im Ausland sehr erfolgreich gewesen. Die Biodieselproduzenten hingen demgegenüber stark von der nationalen Politik ab. Weiterer Pluspunkt für BDI: "Das Unternehmen hat sich auf so genannte "Multi-Feedstock-Anlagen" spezialisiert, damit kann aus unterschiedlichen Ausgangsstoffen Biodiesel hergestellt werden", sagt Wulf im Gespräch mit ECOreporter.de: "Der Kurs hat in den letzten Tagen schon etwas angezogen. Für uns ist die Aktie bis 63 Euro ein Kauf."

Für kaufenswert hält der Frankfurter Wertpapieranalyst auch die Verbio AG. Das Unternehmen mit Sitz in Zörbig (Sachsen-Anhalt) profitiere von seiner "zweigleisigen Strategie". Verbio stellt Biodiesel und Bioethanol her. Der Biodieselmarkt sei derzeit etwas schwierig, so Wulf, beim Ethanol sehe es besser aus. Verbio könne die Schwäche des einen Bereichs durch den anderen ausgleichen. "Wenn man beide Geschäftsbereiche zusammen zählt, ist Verbio wohl der größte Hersteller von Biokraftstoffen in Europa", sagt Wulf. Technologisch sei das Unternehmen sehr gut aufgestellt; durch selbst entwickelte Verfahren könnten in beiden Sparten unterschiedliche Feedstocks (Ausgangsstoffe) für die Produktion eingesetzt werden. "Ein Vorteil für Verbio: Die jeweils günstigeren Rohstoffe kommen zum Einsatz. Günstig für den Absatz wirkt sich die geographische Lage von zwei großen Fabriken des Unternehmens aus. Sie liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Ölraffinerien in Schwedt", erklärt der Oppenheim-Experte: "Wir sehen den fairen Wert der Verbio-Aktie bei 18,75 Euro; das ist auch unser vorläufiges Kursziel."

Neben Verbio und BDI beobachten die Oppenheim-Analysten laut Wulf den Biodieselhersteller Petrotec AG und den Bioethanolproduzenten CropEnergies AG. Beide Titel würden aktuell mit "Neutral" eingestuft, berichtet Wulf. Petrotec mit Sitz im westfälischen Borken habe "fundamental sicher Potential". Wegen des enttäuschenden Ausblicks auf 2007, den das Unternehmen kürzlich veröffentlicht habe, müsse das Vertrauen der Märkte nun aber erst wieder zurück gewonnen werden. Anders die Einschätzung des Experten für die Mannheimer CropEnergies: "Die Zahlen waren sehr gut. Die Aktie hat sich aber auch gut entwickelt, sie notiert derzeit um 8,00 Euro. Den fairen Wert sehen wir bei 8,10 Euro."

Laut Dr. Karsten von Blumenthal, Analyst bei der SES Research GmbH, einer Tochter der Hamburger Privatbank M.M.Warburg, ist der Preisunterschied zwischen Biodiesel und konventionellem Diesel in den letzten Monaten sehr gering geworden. Das mache den Unternehmen zu schaffen. "Deutsche Hersteller sind auf dem europäischen Markt sehr gut aufgestellt", so von Blumenthal: "Sie haben einen deutlichen Vorsprung gegenüber den meisten anderen europäischen Marktteilnehmern." Durch die Besteuerung des Biodiesels in Deutschland habe sich die Situation der Unternehmen aber vollkommen verändert; die Beimischungsquote sichere zwar den Absatz, nicht aber den Preis. Das sorge für Unsicherheit am Markt. Von Blumenthal: "Früher wurde der Preis im wesentlichen vom jeweiligen Dieselpreis abgeleitet. In Zukunft spielen die Preise der für den Biodiesel notwendigen Rohstoffe eine viel größere Rolle. Wir rechnen für 2007 mit wachsendem Wettbewerbsdruck, vor allem kleinere Unternehmen werden zu kämpfen haben."

Der Analyst hält aktuell die Borkener Petrotec AG für attraktiv. Der Markt sei seit dem Börsengang des Unternehmens skeptisch, erklärt er. Das "eingetrübte Marktumfeld" habe zusätzlich zu dem Kursverfall seit dem Börsengang im November 2006 beigetragen. Die Aktie wurde zum Preis von 17,00 Euro emittiert, stieg kurz nach dem IPO auf über 18,00 Euro und verlor dann bis auf 13,66 Euro. Zuletzt wurden im elektronischen Xetra-Handel der Deutschen Börse 14,60 Euro für die Aktie notiert (6.2.2006; 17:36 Uhr). Blumenthal sieht für Petrotec Wettbewerbsvorteile auf Rohstoffseite, das Unternehmen könne im Einkauf Kostenvorteile erzielen. Die Gesellschaft produziert ihren Biodiesel aus Altspeisefetten.

CropEnergies AG: ISIN DE000A0LAUP1 / WKN A0LAUP
Petrotec AG: PET111 / ISIN DE000PET1111
Schmack Biogas AG: ISIN DE000SBGS111 / WKN SBGS11
Verbio Vereinigte BioEnergie AG: ISIN DE000A0JL9W6 / WKN A0JL9W

Bilder: Schmack Biogasanlage vom Typ "Euco Titan"; Tanklager der Verbio AG; Ethanolwerk der CropEnergies AG / Quelle: Unternehmen
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