Nachhaltige Aktien, Meldungen

7.2.2008: Aktien-News: Vertrauenstest für den Solarsektor - Zwei Solarunternehmen kündigen Börsengänge an

Mit den Börsenturbulenzen seit dem Jahreswechsel sind Solarwerte auf breiter Front unter Druck geraten. Dennoch bereitet ein Solarunternehmen jetzt sein Börsendebüt vor: die auf der britischen Kanalinsel Jersey registrierte Siliziumproduzentin Nitol Solar aus Russland. Sie gehört dem russischen Chemiekonzern Nitol, der nun angekündigt hat, rund 30 Prozent der Anteile an dem Unternehmen an den Alternative Investment Market (AIM) der Londoner Börse zu bringen. Dort sind die Anforderungen für ein Listing vergleichsweise gering. Die Mehrheit an der Nitol Solar behält die Ecolive, eine Gesellschaft mit Sitz in Luxemburg; deren Hauptaktionär ist Nitol-CEO Dmitry Kotenko. Das Börsendebüt der Siliziumproduzentin ist für den 14. Februar terminiert. Citibank, Credit Suisse, Jefferies und BNP Paribas sollen es begleiten.

Laut einem britischen Medienbericht liegt die Preisspanne für die jungen Aktien von Nitol Solar bei 100 bis 130 Pence. Der Börsengang soll der Gesellschaft rund 250 Millionen Euro einbringen. Diese Mittel will sie nach eigenen Angaben dafür verwenden, in diesem Jahr im sibirischen Usolie-Sibirskoe nahe Irkutsk ein Werk zur Produktion von polykristallinem Silizium zu errichten. Bis 2010 werde diese auf 3.700 Tonnen anwachsen. Die Investitionskosten sollen sich insgesamt auf rund 500 Millionen Euro belaufen. Obwohl die gegenwärtige Produktionsmenge bislang kaum der Rede wert ist, hat Nitol Solar bereits Lieferverträge mit renommierten Kunden abschließen können. Dazu gehören etwa Evergreen Solar aus den USA, Motech aus Taiwan und Trina Solar aus China. Ferner die ebenfalls chinesische Suntech, die im vergangenen Jahr für den Zeitraum 2009 bis 2016 Silizium für die Herstellung ihrer Solarzellen bei den Russen bestellt hat. Zhengrong Shi, Chairman und CEO von Suntech stellte in Aussicht, dass sein Unternehmen den Lieferumfang ausbaue, da man Silizium von Nitol Solar zu Preisen deutlich unter denen des Spot Marktes erwerbe. Ein weiterer Kunde der Siliziumproduzentin ist die deutsche ersol Solar Energy AG, die 2007 mit ihr eine Absichtserklärung für die Lieferung von Polysilizium bis 2012 unterzeichnet hat. Laut ersol bieten sich Nitol in Sibirien besonders günstige Voraussetzungen für niedrige Produktionskosten für die Siliziumproduktion.

Auch die chinesische Qiangsheng Photovoltaic Technology Co. Ltd. will 2008 an die Börse gehen. Sie hat allerdings noch keinen Termin genannt. Das Tochterunternehmen der Qiangsheng Light Industry Group will in Nantongs Wirtschaftsentwicklungszone Rudong Dünnschichtmodule produzieren. Sie hat nach eigener Darstellung eine 25-Megawatt-Linie aus den USA erworben und will in diesem Jahr zwei weitere 25-Megawatt-Linien aufbauen. Als Gewinn stellt Qiangsheng Photovoltaic für dieses Jahr 10 Millionen Dollar in Aussicht. 2009 soll die Produktionskapazität auf 300 Megawatt anwachsen und danach auf 500 Megawatt in 2010. Doch dafür werden umfangreiche Geldmittel benötigt. Bislang haben der Mutterkonzern und ein Investmentfonds der Zhong Zheng Group Corp. aus Hong Kong rund 50 Millionen Dollar in das junge Unternehmen investiert. Dieses hofft, über ein IPO (Initial Public Offering) bis zu 250 Millionen Dollar einwerben zu können. Man verhandle unter anderem mit Banken wie Lehman Brothers darüber, den Börsengang zu begleiten.

Noch vor wenigen Wochen hatte die im chinesischen Jinzhou ansässige Solargiga Energy Holdings Ltd. den Börsengang in Hong Kong angekündigt. Mittlerweile hat sie das IPO jedoch abgeblasen. Als Grund nannte die Herstellerin von Solarwafern die Unsicherheit an den internationalen Kapitalmärkten. Zunächst hatte sie noch den Ausgabepreis gesenkt, statt 292 Millionen Dollar nur noch 264 Millionen Dollar für den Ausbau der Produktionsanlagen und Akquisitionen einsammeln wollen. Wenige Tage vor Beginn der Zeichnungsfrist zog sie dann im Januar ihr Angebot bis auf unbestimmte Zeit zurück.

Hoffnung ziehen können die Börsenkandidaten aus dem Beispiel des chinesischen Solarwaferherstellers ReneSola Ltd. Mut, der in der vergangenen Woche zehn Millionen Anteilsscheine an die New Yorker Börse brachte (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom 29. Januar). Es handelte sich zwar um kein reines Debüt, da Anteilsscheine des Unternehmens bereits seit letztem Jahr in Europa börsennotiert waren. Doch obwohl Solaraktien an den US-Börsen seit dem Jahreswechsel zum Teil gravierende Kurseinbußen erlitten, konnte Renesola den Einstiegskurs von 13 Dollar behaupten und sogar auf rund 13,5 Dollar zulegen. Dieser Erfolg ist vielleicht ein Beleg dafür, dass sich Investoren weiter für junge Solarwerte erwärmen können.

Bildhinweise:
Silizium ist der wichtigste Rohstoff für die Solarbranche. / Quelle: Wacker Chemie AG; Solarzelle made in China. / Quelle: Suntech
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