07.03.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

7.3.2006: PVA TePla AG: Kein reines Solarunternehmen - Lohnt jetzt der Einstieg in die Technologieaktie?

In der hessischen Gemeinde Aßlar, rund 70 Kilometer nordwestlich von Frankfurt, wird Hochtechnologie produziert. Die börsennotierte PVA TePla AG hat ihren Sitz in dem Städtchen, das Unternehmen baut unter anderem Anlagen, mit deren Hilfe Kristalle für die Herstellung von Solarzellen gezüchtet werden. Umsatz und Auftragseingang dieses Geschäftsbereichs sind in den vergangenen Monaten sprunghaft gestiegen, allein deshalb schon bietet sich die PVA-Aktie als Investment für nachhaltig orientierte Investoren an. Dass das Unternehmen noch viel mehr zu bieten hat, erfuhr ECOreporter.de von Dr. Gert Fisahn, Sprecher der PVA TePla AG.

Die Namen bekannter Unternehmen sind mit der Geschichte der PVA TePla AG verbunden. Die drei Buchstaben im Firmennamen stehen für "Pfeiffer Vakuum Anlagenbau". Die Aßlarer High-Techfirma entstand 1991 im Zuge eines sogenannten "Management-Buy-Out" aus der Muttergesellschaft Pfeiffer Vakuum. 1998 kaufte die damalige PVA GmbH die UV Systec GmbH von der börsennotierten Jenoptik AG, 1999 die CGS GmbH von Leybold Heraeus. Im Herbst 2002 kam schließlich die "Technics Plasma AG" (TePla) hinzu, die 1999 den Gang an den Neuen Markt der Frankfurter Börse gewagt hatte.

"Die heutige PVA TePla AG hat drei Geschäftsbereiche", erklärt PVA-Sprecher Fisahn im Gespräch mit ECOreporter.de, "Vakuum-Anlagen, Plasma-Anlagen und Kristallzucht-Anlagen. In der Sparte Vakuum-Anlagen bauen wir unter anderem sogenannte Drucksinteranlagen, das sind große Öfen, in denen unter Vakuum und großem Druck besonders harte und belastbare Werkzeuge hergestellt werden. Bei Drucksinteranlagen sind wir Weltmarktführer." Zum Geschäftsbereich Vakuum-Anlagen rechnet das Unternehmen auch die Ultraviolett-Entkeimungssysteme für Oberflächen, die die Tochter Systec produziert. Die Speziallampen der Tochtergesellschaft dienen der schnellen, hochwirksamen und umweltschonenden Desinfektion von Oberflächen und werden bevorzugt für die Behandlung von Packstoffen für Lebensmittel, frische Milchprodukte und Medikamente eingesetzt.

Mit Oberflächen beschäftigt sich auch die Sparte Plasma-Anlagen des Unternehmens. Plasma sei nichts anderes als "teilweise ionisiertes Gas", beschreibt Fisahn. Es werde durch Anregung von Gas mit Hilfe elektrischer Felder erzeugt, aus der Natur sei dies beispielsweise bei Blitzen oder Schweifen von Kometen bekannt. "Das Plasma wird in der Regel verwendet, um eine Oberfläche zu aktivieren. Dadurch kann man beispielsweise Kunststoffteile besser lackieren. Die Technologie ist viel umweltfreundlicher als eine Säure, die man alternativ einsetzen würde. Plasma kann für Beschichtungsprozesse eingesetzt werden, für die Reinigung empfindlicher Bauteile oder das Ätzen von Photolackbeschichtungen bei Wafern. Viele Anwendungen gibt es auch im medizinischen Bereich", so Fisahn.

Im dritten Geschäftsbereich Kristallzuchtanlagen werden aus geschmolzenem Silizium Kristalle gezogen, die später zu Wafern verarbeitet werden können. Laut dem Firmensprecher kann PVA TePla besonders große Kristalle herstellen, die entsprechend auch einen sehr großen Durchmesser erreichen. "So ein Kristall kann mannshoch sein, mit 40 cm Durchmesser. Damit sind wir besonders attraktiv für die Halbleiter- und Photovoltaik-Industrie", sagt Fisahn. Die Kristallzucht stelle sehr hohe Anforderungen an die Prozessführung, es müssten tagelang konstante Bedingungen gehalten werden. Die Aßlarer sind gut darin: "Wir können sowohl mono- als auch polykristalline Kristalle ziehen und wir beherrschen eine große Vielfalt von Verfahren. Natürlich stellen wir auch aus anderen Grundstoffe Kristalle her, beispielsweise aus Germanium. Eingesetzt werden unsere Kristalle in drei großen Bereichen: in der Photovoltaik, bei Halbleitern (Semiconductor) und in der Optoelektronik. Dazu gehören zum Beispiel Leuchtdioden", erklärt der Sprecher.

Wie stark profitiert der Anlagenbauer vom Boom der Photovoltaikbranche? Fisahn berichtet, dass sich das starke Wachstum der Branche für PVA erst zum Jahresende voll ausgewirkt habe. "An den Umsatzzahlen für 2005 lässt sich noch keine Vervielfachung des Volumens erkennen, wohl aber beim Auftragseingang und Auftragsbestand", sagt er.
Wie die Aßlarer am morgen bekannt gaben, entwickelten sich in 2005 sowohl der Auftragseingang in Höhe von 64 Millionen Euro (Vorjahr 54,1 Millionen) als auch der Auftragsbestand mit 33 Millionen Euro (Vorjahr 20,5 Millionen Euro) außerordentlich erfreulich. Rund 50 Prozent des prognostizierten Jahresumsatzes 2006 seien im Auftragsbestand zum 31.12.2005 enthalten, so PVA. Die Auftragslage in den ersten Monaten des Jahres 2006 entwickele sich zudem sehr positiv.

Besonders stark wachsen will PVA TePla deshalb nicht unbedingt. Man arbeite "mehr projektbezogen", so der Unternehmensprecher; mit einer "relativ kleinen Mannschaft" könnten große Aufträge problemlos abgewickelt werden, ohne die Kapazitäten zu erhöhen. Große Teile der Anlagen würden zugekauft. Das Know how stecke mehr in der Prozessführung. Zudem ergänzten sich die geringe Fertigungstiefe und die Synergieeffekte zwischen den drei Geschäftsfeldern.

Angst vor der Konkurrenz hat man in Aßlar nicht. Fisahn: "Wir bewegen uns auf Nischenmärkten. Namhafte Wettbewerber bei der Kristallzucht sind Kayex und GT Solar, beides US-Unternehmen. Bei der Vakuumtechnologie ist es ALD aus Deutschland und aus den USA die AVS. Allerdings betrachten wir die Firmen nicht alle als direkte Konkurrenten. Die Märkte sind regional aufgeteilt. Kayex ist beispielsweise im US-Markt sehr stark, wir sind dagegen in Europa sehr gut aufgestellt."

Laut der aktuellen Meldung der PVA TePla AG stieg der Umsatz im Geschäftsjahr 2005 um 16,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 51,4 Millionen Euro (2004: 44,2 Millionen Euro). Beim aktuellen Kurs der PVA-Aktie von zuletzt 4,50 Euro (Frankfurt; 7.3.2005; 9:11 Uhr) beläuft sich die Marktkapitalisierung des Unternehmens auf 97,87 Millionen Euro. Daraus errechnet sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 1,90.
Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) der Gesellschaft kletterte den Angaben zufolge zum Stichtag 31. Dezember 2005 auf 1,4 Millionen Euro, nach 0,3 Millionen im Vorjahr. Damit hat die PVA TePla AG Schätzungen von Analysten deutlich übertroffen, die den Aßlarern ein EBIT von 1,15 Millionen Euro zugetraut hatten. Zum Nettoergebnis für das Gesamtjahr machte das Unternehmen noch keine Angaben. Offiziell bekannt sind lediglich die Zahlen für die ersten neun Monate, in denen PVA netto 503.000 Euro erwirtschaftete; das ist ein Plus von 652.000 Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum (2004: Minus 149.000 Euro).

Für das laufende Geschäftsjahr 2006 hat sich die PVA TePla AG ambitionierte Ziele gesetzt: "Wir gehen davon aus, dass das Umsatzvolumen 2006 um circa 30 Prozent zulegt. Für die EBIT-Rendite rechnen wir mit 4-6 Prozent", so Unternehmenssprecher Fisahn gegenüber ECOreporter.de. In der Vakuum-Sparte sei die Auftragslage gut, bei der Kristallzucht liege sie sehr hoch und im Bereich Plasma sei "ein leichtes Plus drin". Rund 65 Millionen Euro Umsatz würde PVA demnach in 2006 erwirtschaften und ein EBIT von 2,6 bis 3,0 Millionen Euro. Das KUV ermäßigte sich auf 1,45.

Fazit: Die PVA TePla AG bietet nachhaltig orientierten Investoren eine spannende Wachstumsstory und neben der Sparte Kristallzucht weitere umweltfreundliche Produkte. Allerdings erscheint die Aktie auf dem gegenwärtigen Niveau teuer. Seit Jahresbeginn verzeichnen die Papiere ein Plus von 18 Prozent (Kurs in Frankfurt am 2. Januar 2006: 3,81 Euro). Vor knapp einem Jahr notierte die Aktie bei 2,64 Euro (29.3.2005; Frankfurt), seitdem hat sie gut 70 Prozent zugelegt. Selbst wenn der Jahresüberschuss 2005 auf über eine Million Euro klettern würde, entspräche das auf dem aktuellen Kursniveau einem KGV von über 100. Und das von Experten geschätzte KGV von 30 für 2007 setzt ein Gewinnwachstum von durchschnittlich mehr als 50 Prozent in 2005, 2006 und 2007 voraus. Anleger sollten die Aktie beobachten und Kursrückschläge abwarten. Seit einem Jahreshoch von 4,83 Euro am 20. Februar sind die Anteilscheine schon deutlich billiger geworden.
Am 31. März will die PVA den Geschäftsbericht 2005 veröffentlichen.

PVA TePla AG: ISIN DE0007461006 / WKN 746100

Bilder: "Ziehen" eines Siliziumkristalls; Kristallzuchtanlage; Silizium / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x