07.04.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

7.4.2006: Clipper Windpower - Kleinod fürs Anleger-Portfolio oder Katze im Sack?

Der US-amerikanische Windmarkt brummt. Dort wurde laut der American Wind Energy Association (AWEA) 2005 mit 2.431 Megawatt (MW) so viel Windkraftkapazität installiert wie nie zuvor. Die erneuerte Förderung durch so genannte Production Tax Credits (PTC) hat im vergangenen Jahr der Windkraftbranche endlich Planungssicherheit bis 2007 gegeben. Erstmals wurde die Förderung nicht kurzfristig festgeschrieben und besteht Aussicht auf deren frühzeitige Verlängerung. Mit 2.150 MW drehen sich in den USA die meisten Windkraftkapazitäten bislang in Kalifornien. Dort hat auch die Clipper Windpower Plc ihren Sitz. Der Hersteller von Windkraftanlagen aus Carpinteria hat gute Aussichten, vom derzeitigen Windkraftboom in den Vereinigten Staaten zu profitieren. Denn Projektierer von Windparks in den USA greifen bevorzugt auf Rotoren von einheimischen Herstellern zurück. Die im vergangenen Jahr neu installierten Windkraftanlagen stammten zu fast 60 Prozent von GE Energy, der Tochter des US-Mischkonzerns General Electric. Ausländische Konkurrenten liegen weit abgeschlagen dahinter, selbst wenn sie wie etwa die spanische Gamesa mittlerweile ebenfalls in den USA Anlagen produzieren und so vor Ort Arbeitsplätze schaffen.

Chairman und CEO von Clipper ist James Dehlsen, ein Pionier der Windkraft in den Vereinigten Staaten. Mit der Zond Energy gründete er 1980 das erste Windkraftunternehmen, 1997 verkaufte er es an den Enron-Konzern. Nach dessen spektakulärer Pleite übernahm der Konzernriese General Electric das Windgeschäft und zählt seither zu den großen Spielern unter den Windturbinenbauern. 2001 gründete Dehlsen gemeinsam mit seinem Sohn James Brenton Dehlsen Clipper Windpower, die seither beide führen. Das Unternehmen bietet mit der C-93 Liberty eine Windkraftanlage mit einem Rotordurchmesser von 93 Metern und 2,5 MW Leistung an. Laut Fachkreisen der USA zählt sie zu den effizientesten Anlagen auf dem Markt. Sie lässt sich mit wenig Aufwand aufstellen und eignet sich besonders für Regionen mit moderaten Windgeschwindigkeiten. US-Medienberichten zufolge gehen Analysten davon aus, dass Clipper in diesem Jahr 155 dieser Windkraftanlagen mit einem geschätzten Wert von 400 Millionen Dollar verkaufen kann. 2007 soll diese Zahl auf 250 Turbinen steigen.

Das Geschäftsmodell des von Dehlsen gegründeten Unternehmens basiert darauf, dass es nicht nur innovative Windturbinen entwickelt, sondern auch Windparks projektiert, in denen diese zum Einsatz kommen. Bislang hat Clipper zwei Windparks mit zusammen 204 MW Leistung errichtet. Ein Projekt im US-Bundesstaat Iowa mit 43,5 MW wurde 2003 an die PPM Energy verkauft, ein anderes im US-Bundesstaat Maryland mit 160,5 MW im Jahr 2004 an die Mid American Energy Company. Deren gemeinsamer Wert belief sich auf 240 Millionen Dollar. Weitere Projekte von Clipper in den USA, in Mittelamerika und in Großbritannien mit zusammen 2.800 Megawatt sind in der Entwicklungsphase. Weitere Windparks mit 3.000 MW sind in der Planung. Für die Zukunft hofft das Unternehmen auf das Geschäft mit Windkraftanlagen auf See. Außer in Europa eröffnen sich hierfür nun auch in den Vereinigten Staaten Marktchancen. Ab diesem Jahr soll dort vor der Ostküste nahe Nantucket der weltweit größte Offshore-Windpark entstehen (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom 18. Oktober 2005).

Vor allem um die Clipper-Windturbine für solche Offshore-Einsätze weiterzuentwickeln, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr Kapital an der Börse eingesammelt. Seit September ist es an der Londoner AIM (Alternative Investment Market) gelistet. Eigens für den Gang an dieses Segment der Londoner Börse gründete Clipper eine Niederlassung in Großbritannien. Start-up-Gesellschaften wie Clipper profitieren von den geringen Anforderungen für ein Listing im AIM. Daher zieht die Londoner Börse für dieses Segment allerdings immer wieder Kritik auf sich. Moniert wird, dass etliche Firmen die Gelegenheit nutzen, hier mit verhältnismäßig geringem Aufwand schnell zu Kapital zu kommen, ohne ausreichend kontrolliert zu werden.

Der Börsengang von Clipper im September 2005 war ein voller Erfolg. Prominente Investoren wie der Schauspieler Anthony Hopkins ließen sich ebenso wenig vom lädierten Ruf des AIM abschrecken wie die Manager des Neue-Energie-Fonds Merrill Lynch IIF New Energy. Der Börsengang spülte 130 Millionen Dollar in die Kassen von Clipper, dessen Marktkapitalisierung belief sich auf rund 300 Millionen Dollar. 2005 war kaum ein Börsengang am AIM größer. Dabei waren die Informationen über das Unternehmen recht spärlich. Es wurde wenig mehr bekannt als dass 2002 Wagniskapitalgeber 10 Millionen Dollar in Clipper investiert hatten und sich die Umsätze 2003 auf 5,2 Millionen Dollar beliefen. Pflichtangaben ist zu entnehmen, dass die Familie Dehlsen mit etwas über 20 Prozent der Anteile größter Aktionär von Clipper Windpower ist. Es folgt mit einem Anteil von mittlerweile 12,15 Prozent der Merrill Lynch IIF New Energy. Der zur Zeit sehr erfolgreiche Fonds der Kapitalanlagegesellschaft (KAG) Merrill Lynch Investment Managers investiert auch in andere Windturbinenbauer wie Vestas oder die indische Suzlon Energy (Näheres erfahren Sie zum Beispiel im ECOreporter.de-Beitrag vom 23. März).

Auf Anfrage von ECOreporter.de wollte das Fondsmanagement keine Stellung zum Investment in Clipper nehmen. Grundsätzlich äußere man sich nicht über einzelne Positionen des Fonds, hieß es. Wir hatten uns an den Fonds gewandt, weil das US-Unternehmen selbst keine Auskünfte geben wollte, weder über aktuelle oder frühere Geschäftszahlen noch über die Pläne für die Zukunft. Auf Nachfrage gab das Unternehmen auch keine Begründung für seine Weigerung, derartige Anfragen der Presse zu beantworten. Man behalte sich vor, nach eigenem Ermessen solche Informationen preiszugeben.

Der Aktie der Clipper Windpower hat solch eklatanter Mangel an Transparenz bislang nicht geschadet. In London bewegte sie sich seit dem Börsenstart stets deutlich über dem Ausgabekurs von 190 Pence. An der Börse Berlin-Bremen hat sie ihren Wert seit September ungefähr verdoppelt, heute Morgen ging sie dort mit 4,86 Euro in den Handel. Dennoch kann ECOreporter.de die Aktie allenfalls zur Beimischung empfehlen. Zwar sind die Marktchancen des Unternehmens recht gut, aber aufgrund der mangelnden Informationen können Privatanleger bei Clipper nur im Windschatten des gegenwärtig erfolgreichen Merryl Lynch Fonds fahren. Dessen Manager verfügen offenbar über Informationen, die ein Investment in Clipper aussichtsreich erscheinen lassen. Ein derartiger Fonds kann jedoch im Gegensatz zu Privatanlegern das Risiko breit streuen. Auch sonst ist die Aktie mit vielen Unwägbarkeiten belastet. So ist die öffentliche Förderung der Windkraft in den USA längerfristig nicht sicher. Ebenfalls bleibt vorerst offen, ob es Clipper gelingen wird, eine ausgereifte Offshore-Technologie zu entwickeln. Bei so viel erforderlichem Vertrauensvorschuss ist die mangelnde Transparenz ein großes Minus.

Clipper Windpower Plc: ISIN GB00B09H7Z56 / WKN A0F6CG

Bildhinweis:
Windpark in den USA / Quelle: AWEA;
Offshore-Windkraftanlagen von GE Energy / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x