07.05.01

7.5.2001: "Wir haben den Börsengang für 2003 im Visier. Der Einstieg in den Freiverkehr kommt eventuell vorher!"- ECOreporter.de-Interview mit Dirk Jesaitis, Vorstand der wind7 AG

Die wind 7 AG aus Eckernförde erhöht derzeit ihr Kapital. Der Windparkspezialist will 480.000 neue Aktien im Nennwert von je 10 Euro ausgeben. Das wären insgesamt 4,8 Mio. Euro. Nach vollständiger Platzierung wird die Wind7 über ein Grundkapital von 10 Mio. Euro verfügen können. Hinzu kommt ein genehmigtes Kapital von 2,7 Mio. Euro. Es soll bei entsprechender Nachfrage anschließend an institutionelle Anleger ausgegeben werden. Der Ausgabepreis für die Aktien betrug im Rahmen des Bezugsrechtes der Altaktionäre 12,30 Euro, für alle anderen Zeichnungen 13,00 Euro. Vor der Kapitalerhöhung hatte wind 7 ein Grundkapital von 5,2 Mio. Euro, das sich auf 520.000 Aktien verteilte. Inhaber waren drei institutionelle Anleger mit Aktienpaketen im Nennwert von 100.000, 150.000, und 200.000 Euro. Der Rest verteilt sich auf über 1000 Kleinaktionäre mit Einzelbeträgen zwischen 2.000 und 70.000 Euro Nennwert. wind 7 hat neben dem Vorstand drei fest angestellte Mitarbeiter sowie einige Aushilfskräfte.


ECOreporter.de:
Wieviel Prozent der aktuellen Aktientranche sind schon gezeichnet?

Jesaitis:
Bisher sind etwa 25 Prozent des Gesamtvolumens gezeichnet. Ein institutioneller Anleger hat für 100.000 Euro Aktien gekauft.

ECOreporter.de:
Was wollen Sie mit dem frischen Kapital anfangen?

Jesaitis:
Mit dem Emissionserlös sollen weitere Windparkprojekte finanziert werden. Aus den Mitteln der ersten öffentlichen Kapitalerhöhung haben wir insgesamt fünf Windparkprojekte eingekauft. Die genauen Daten können bei Interesse auf unserer Internet-Homepage eingesehen werden. Uns liegt eine Reihe von konkreten Angeboten für sehr interessante Windparks vor, die teilweise komplett baugenehmigt sind und kurzfristig errichtet werden können. Hierfür wollen wir weitere Mittel einsammeln, um die besten Standorte für die wind 7 AG zu sichern.

ECOreporter.de:
Was unterscheidet die wind 7 von "konventionellen" Planungsbüros und Projektierern?

Jesaitis:
Wir projektieren und planen keine Windparks. Die wind 7 AG ist eine Betreibergesellschaft von Windparks, also ein Stromerzeuger. Wir kaufen nur schlüsselfertige Windparkprojekte ein, um Planungsrisiken auszuschließen. Dieses führt im Ergebnis dazu, dass wir sicherlich keine Gewinne von 30 Prozent oder mehr pro Jahr erzielen können, wie dieses bei einigen Projektentwicklern der Fall war. Auf der anderen Seite sind unsere Erträge sehr sicher. Die wind 7 ist ein Substanzwert. Die eingesammelten Beträge werden in konkrete Windparkprojekte investiert, die wertbeständig sind. Durch die rechtlichen Rahmenbedingungen - insbesondere das EEG - sind die Erträge sicher und gut kalkulierbar. Im Gegensatz dazu hat ein Projektentwickler immer das Risiko, dass er viel Geld in Windparkplanungen steckt, die später vielleicht nicht realisiert werden können, weil die erforderlichen Genehmigungen nicht erteilt werden. Insbesondere im Bereich der Offshore-Planung fallen Millioneninvestitionen an. Bei kaum einem Standort in der deutschen Nord- oder Ostsee ist aus heutiger Sicht eine Realisierung sicher.

ECOreporter.de:
Warum verspricht Ihr Weg nach Ihrer Meinung mehr Erfolg als derjenige über Kommanditbeteiligungen für Windparks?

Jesaitis:
Ich würde nicht unbedingt sagen, dass der Weg der wind 7 mehr Erfolg verspricht, als der von KG-Beteiligungen. Die sind seit vielen Jahren sehr erfolgreich und werden dieses sicherlich auch bleiben - trotz der steuerlichen Verschlechterungen. Die wind 7 Aktiengesellschaft stellt eher ein alternatives Finanzierungsinstrument dar und spricht völlig andere Anlegerschichten an. Zeichner von KG-Beteiligungen sind in der Regel Besserverdienende, die mit ihrer Beteiligung durch die Verlustzuweisungen Steuern sparen wollen. Für Kleinanleger und institutionelle Investoren ist das uninteressant. Diese beiden Gruppen genau werden von der wind 7 angesprochen. Wir können zwar keine Verlustzuweisungen für die Aktionäre bieten - dafür jedoch sind langfristig steuerfreie Kursgewinne möglich. Da wir stark wachstumsorientiert sind, werden wir sicherlich in den nächsten Jahren noch keine Dividenden ausschütten. Dieses ist insbesondere für Privatinvestoren interessant, da Dividenden steuerpflichtig wären. Werden Gewinne nicht ausgeschüttet, sondern neu in Projekte investiert, führt dieses automatisch zu einem Unternehmenswachstum und einem Kursanstieg der Aktien. Dieser ist für den Privatanleger bekanntlich steuerfrei, soweit man die Spekulationsfristen beachtet.

ECOreporter.de:
Wieviele Windparks mit wieviel Megawatt (MW) betreibt die wind7 AG?

Jesaitis:
Derzeit vier Windparks mit insgesamt 11,1 MW. Ein weiteres Projekt befindet sich im Bau und wird aller Voraussicht nach im September ans Netz gehen. Dort werden nochmals acht Windkraftanlagen ý 1 MW erstellt.

ECOreporter.de:
Planen Sie den Einstieg ins Offshore-Geschäft?

Jesaitis:
Wir beobachten mit großem Interesse die Entwicklungen auf dem Offshore-Markt. Zu zahlreichen Projektentwicklern haben wir gute Verbindungen. Sofern die ersten konkreten Genehmigungen in Aussicht stehen und die Investitionen rentabel erscheinen, werden wir sicherlich in diesem Bereich investieren. Vor 2005 allerdings ist hiermit wohl nicht zu rechnen.

ECOreporter.de:
Spanien gilt derzeit als ein Windenergie-Zukunftsmarkt. Planen Sie Projekte in Spanien? Gibt es andere Internationalisierungsstrategien?

Jesaitis:
Wir planen selbst keine Projekte - also auch nicht in Spanien. Wir stehen aber aktuell in sehr konkreter Verhandlung über eine Beteiligung an einem Großprojekt in Spanien, welches schon in naher Zukunft realisiert werden kann.

ECOreporter.de:
Werden sie auch in andere regenerative Energieprojekte investieren?

Jesaitis:
Die wind 7 sollte von vornherein als Spezialist im Bereich des Betriebs von Windkraftanlagen auftreten und sich hier zu einem "Global-Player" entwickeln. Wir wollen uns insofern nicht in anderen Bereichen "verzetteln", sondern auf die Kernkompetenz konzentrieren und dieses Geschäft intensiv ausbauen.

ECOreporter.de:
Welchen Umsatz und Gewinn erzielte die wind7 AG im Jahre 2000, mit welchen Zahlen rechnen Sie 2001?

Jesaitis:
Im Geschäftsjahr 2000 haben wir noch relativ geringe Umsätze erzielt, da der erste Windpark erst am 20. Dezember 2000 ans Netz gegangen ist. Insgesamt haben wir Einnahmen in Höhe von rund 66.000 Euro erzielen können, so dass ein Verlust von knapp 600.000 Euro entstanden ist. Prognostiziert hatten wir für 2000 einen deutlich höheren Verlust, so dass dieses Ergebnis als sehr positiv zu bewerten ist.

Für 2001 rechnen wir insgesamt mit Erlösen von etwa 2,3 Mio. Euro. Die steuerlichen Abschreibungen der Windparkprojekte drücken allerdings natürlich das steuerliche Ergebnis, so dass wir hier nochmals gut 500.000 Euro Verlust machen werden. Ein steuerlicher Gewinn wird voraussichtlich erstmals im Jahr 2003 erreicht. Grundsätzlich ist zu diesem Thema anzumerken, dass wir als Substanzwert die Anschaffungen in Form von Windparkprojekten naturgemäß steuerlich abschreiben müssen. Dieses drückt 16 Jahre lang das Ergebnis. Danach stehen die Projekte mit 1,00 DM in der Bilanz, werden jedoch aller Voraussicht nach einen erheblich höheren Wert haben. Damit bildet die wind 7 Aktiengesellschaft in sehr großem Umfang stille Reserven, die die Kursbildung der Aktie positiv beeinflussen werden. Bei einem Börsengang werden wir sicherlich die Buchführung auf internationale Standards umstellen. Hierbei werden andere Bewertungsmaßstäbe angesetzt, so dass die tatsächlichen Werte plötzlich wieder in der Bilanz auftauchen. Dadurch kann möglicherweise bei einem Börsengang eine erhebliche Kursphantasie auftreten.

ECOreporter.de:
Ist ein Börsengang der Wind7 AG geplant?

Jesaitis:
Einen Börsengang haben wir für das Jahr 2003 fest im Visier. Uns liegen allerdings bereits heute konkrete Angebote vor, die wind 7 in den Freiverkehrshandel größerer Regionalbörsen aufzunehmen. Wir prüfen diese derzeit, möchten jedoch nichts überstürzen. Auch eine Notierung im Düsseldorfer Freiverkehr beispielsweise fordert quartalsmäßige Berichterstattungen und Publizitätspflichten, die sich nicht wesentlich von den Anforderungen am Neuen Markt unterscheiden. Hierfür werden erhebliche Personalkapazitäten benötigt, die wir derzeit noch nicht haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem weiteren Aufbau des Unternehmens und werden möglicherweise schon deutlich vor dem Jahr 2003 in den Freiverkehr einsteigen.

ECOreporter.de:
Herr Jesaitis, vielen Dank für das Gespräch!
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