07.06.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

7.6.2004: Wochenrückblick: Erneuerbare Energien weltweit im Kommen - Solar- und Windaktien profitieren auf breiter Front - Unruhe bei REpower

Die Aktienindizes zeigten sich auch in der vergangenen Woche von der freundlichen Seite. Der DAX kletterte um zwei Prozent, der TecDAX um ein Prozent. In New York erhöhte sich der Dow Jones Industrial Average Index um ein halbes Prozent, während der Nasdaq Combined Composite leicht nachgab. Der japanische Nikkei-225 sank um zwei Prozent. Für den Euro wurden zum Schluss 1,2283 US-Dollar gezahlt, ein Zuwachs um ein halbes Prozent. In den zurückliegenden vier Wochen ist der Euro gegenüber dem Dollar um 3,4 Prozent gestiegen.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat beschlossen, die selbstauferlegte Obergrenze für die tägliche Fördermenge um 8,5 Prozent anzuheben. Eine weitere Anhebung wurde für die zweite Jahreshälfte in Aussicht gestellt. Die OPEC schätzt ihren Beschluss selbst als symbolische Maßnahme ein, um "die Märkte zu beruhigen". Die zuvor geltende Förderbegrenzung sei ohnehin bereits seit längerem überschritten worden, zudem werde nahe an der Kapazitätsgrenze produziert, sagte OPEC-Präsidenten Purnomo Yusgiantoro. Die Preise für die verschiedenen Ölsorten verhielten sich in den vergangenen Tagen recht volatil, eine klare Tendenz war nicht zu erkennen. Analysten von Merrill Lynch haben nach der OPEC-Konferenz ihre Ölpreis-Prognose für das kommende Jahr stark angehoben.

Angesichts der hohen Ölpreise haben einige deutsche Politiker gefordert, den Beschluss zum Ausstieg aus der Atomenergie rückgängig zu machen. Analysten der Deutschen Bank erhöhten die Kursziele der Stromversorger E.on AG und RWE AG. Würde die Laufzeit der Atomkraftwerke um zehn Jahre verlängert, so hätte dies bei E.on einen Kursaufschlag von 4,70 Euro, bei RWE von 3,50 Euro zur Folge. Die beiden Betreiber könnten ihre alten Kernkraftwerke bei minimalen Kosten weiter betreiben, würden jedoch die Strompreise nicht senken, so das Kalkül der Analysten der Deutschen Bank.

Die internationale Konferenz für erneuerbare Energien "renewables2004" in Bonn ist zu Ende gegangen. Bundesumweltminister Jürgen Trittin und Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul zogen eine positive Bilanz. Es seien international neue Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien gesetzt worden, ein Aktionsplan werde Investitionen in Milliardenhöhe mobilisieren, sagte Trittin. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte in einer viel beachteten Rede angekündigt, das Volumen zinsgünstiger Kredite für entsprechende Projekte in Entwicklungsländern auf 1,5 Milliarden Euro zu erhöhen.
Klaus Töpfer, Generalsekretär des UNO-Umweltprogramms UNEP, forderte sofortige und entschlossene Investitionen in den Bereich. Mit dem lange Zeit üblichen Herunterreden der erneuerbaren Energien solle es vorbei sein, so Töpfer weiter. Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Rezzo Schlauch, sagte am Rande der Konferenz, bei den erneuerbaren Energien gehe es auch um "knallharte Wirtschaftspolitik". Nach den Worten von Hermann Scheer, Vorsitzender des Weltrats für erneuerbare Energien, darf die Einführung dieser Energien nicht alleine dem Markt überlassen werden. Prof. Jacqueline McGlade, Exekutivdirektorin der Europäischen Umweltagentur (EEA) rechnete vor, dass die erneuerbaren Energien in der Europäischen Union nur ein Sechstel aller Subventionen des Energiesektors erhielten. Dieses Missverhältnis führe zu Unsicherheiten bei Investitionen, was die Entwicklung der umweltfreundlichen Energietechniken behindere. Die Weltbank sagte auf der Konferenz zu, die Ausgaben für Energiegewinnung aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse im Lauf der nächsten fünf Jahre zu verdoppeln. Derzeit gibt die Weltbank ein Prozent ihrer Mittel für erneuerbare Energien aus. Mit einem Vielfachen davon werden hingegen noch immer fossile Energien subventioniert.

Die Teilnehmer der Konferenz vereinbarten auch einige konkrete Maßnahmen:
- China will den Anteil erneuerbarer Energien bis 2010 auf 10 Prozent steigern. Das entspricht 60 Gigawatt installierter Gesamtleistung, davon voraussichtlich 50 Gigawatt kleine Wasserkraft, vier Gigawatt Windkraft, sechs Gigawatt Biomasse und 0,5 Gigawatt Solarenergie.
- Die Philippinen haben sich zum Ziel gesetzt, zum weltgrößten Produzenten von geothermisch erzeugter Energie sowie zum führenden Windenergieerzeuger Südostasiens aufzusteigen. Die Nutzung erneuerbarer Energien soll bis 2013 auf 4,7 Gigawatt verdoppelt werden. Darüber hinaus wollen die Philippinen zum zentralen Produzenten von Solarzellen in der Region werden.
- Einer von Deutschland initiierten "Globalen Marktinitiative" haben sich Spanien, Italien, Israel, Jordanien, Algerien, Marokko, Ägypten und andere Staaten angeschlossen.
- Deutschland als eines der führenden Länder bei der Nutzung erneuerbarer Energien wird mit verschiedenen Ländern intensiver zusammenarbeiten: Mit Dänemark bei der Forschung für die Offshore-Windenergie; mit Brasilien auf den Feldern Biomasse und Windkraft; mit Frankreich ebenfalls in der Entwicklung der Windkraft sowie mit Dänemark, Frankreich, Irland, Italien und Norwegen bei der Überwindung von Investitionshindernissen.

Nichtregierungs-Organisationen und Wirtschaftsverbände werteten die Ergebnisse der Konferenz differenziert. Die hochrangige internationale Beteiligung und die konkreten Zusagen einiger Länder wurden allgemein begrüßt. Mit Enttäuschung wurde jedoch das Verhalten der Weltbank und mancher europäischer Politiker aufgenommen.

Die SolarWorld AG, Bonn, will im kommenden Jahr weitere 100 Millionen Euro in die Erweiterung von Fertigungsstätten im sächsischen Freiberg investieren. Das berichtete die Zeitung "Freie Presse". S.A.G. Solarstrom AG aus Freiburg im Breisgau berichtete über Fortschritte bei der Projektierung eines Sonnenstrom-Kraftwerks, das im Endausbau über 2,5 Megawatt installierte Leistung verfügen soll. Die Anlage soll auf einem ehemaligen militärischen Tanklager errichtet werden.

Die Aktien von Unternehmen der regenerativen Energien aus Deutschland zeigten in der zurückliegenden Woche fast durchweg kräftige Kurssteigerungen. S.A.G. gewannen 19 Prozent auf 5,34 Euro hinzu, Sunways AG kletterten um 15 Prozent auf 4,45 Euro. Die Papiere der Solar-Fabrik AG verteuerten sich um 13 Prozent auf 8,85 Euro, während SolarWorld um fünf Prozent auf 28,80 Euro stiegen. Einzig Solon AG gaben ein Prozent auf 11,85 Euro nach. Der Solon-Kurs hat sich seit Jahresbeginn mehr als verfünffacht.

Im Bereich der Windkraftnutzung legten Umweltkontor Renewable Energy AG 55 Prozent auf 0,93 Euro zu. Plambeck Neue Energien AG stiegen um 15 Prozent, Windwelt AG um 28 Prozent. Auch P&T Technology AG, Nordex AG und Energiekontor AG lagen im Plus.

Allerdings schwankten die Notierungen heftig. Zwei Beispiele unter vielen: SolarWorld kletterten am Montag auf 35,30 Euro, um tags darauf auf 25,55 Euro zurückzufallen. Umweltkontor verdoppelten sich von 0,60 Euro auf 1,21 Euro, um dann langsam in den Pennystock-Bereich zurückzufallen. Das Unternehmen ist auf den Gebieten Windkraft, Solartechnologie, Biomasse und Kleinwasserkraft aktiv.

Die solarcomplex GmbH aus Singen am Hohentwiel bietet Anlegern neben Genussscheinen auch GmbH-Anteile an. Die Genussscheine werden mit vier Prozent verzinst und haben eine Laufzeit von mindestens sechs Jahren. Ihr Erlös soll in Solarkraftwerke im westlichen Bodenseeraum investiert werden. Die GmbH-Anteile werden laut Unternehmensangaben in diesem Jahr noch zum Nennwert ausgegeben, ab Januar 2005 werde ein Ausgabeaufschlag von zehn Prozent auf neue Stammanteile erhoben. Solarcomplex sucht darüber hinaus Investoren und geeignete Dächer für die Errichtung von Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von zwei Megawatt. Bei dieser Anlageform sei eine Rendite von sieben bis zwölf Prozent zu erwarten, hieß es. Aus früheren Mitteilungen geht hervor, dass für diese Projekte Solartechnik des Konstanzer Herstellers Sunways AG verwendet wird. Mittelfristig will solarcomplex nach eigenen Angaben auch Windräder in der Region realisieren.

Denker war zum Jahresende aus dem REpower-Vorstand ausgeschieden, nachdem er sich in einer konkurrierenden Entwicklungsgesellschaft engagiert hatte. Die Vensys Energiesysteme GmbH & Co. KG, Saarbrücken, verfolgt seit längerem die Entwicklung einer Turbine, die auf anderen technischen Konzepten beruht als die REpower-Maschinen. Nach jahrelangen Verzögerungen, die sogar gerichtliche Auseinandersetzungen zur Folge hatten, wurde im Mai 2003 der erste Prototyp der "Vensys 62" im Saarland errichtet. Die REpower-Aktie zeigte sich relativ unbeeindruckt, sie schloss mit 18,29 Euro um vier Cent höher als am Ende der Vorwoche.

Die Vossloh AG wird in den USA langfristiges Fremdkapital in Höhe von 200 Millionen Euro "zu derzeit noch äußerst attraktiven Zinssätzen" aufnehmen. Das teilte der Schienenfahrzeugtechnik-Hersteller aus Werdohl im Rahmen der Bekanntgabe seiner Viermonats-Zahlen mit. Im Gegenzug würden kurzfristige Bankdarlehen abgelöst, hieß es weiter. Mit dem Geld sollten ferner zukünftige Akquisitionen gesichert werden. Nach den Worten von Burkhard Schuchmann, Vorstandsvorsitzender der Vossloh AG, zeigten die US-Investoren großes Interesse: Das Kreditangebot habe sich in der Summe auf fast eine Milliarde Euro belaufen, so Schuchmann. Vossloh gaben in Frankfurt zwei Prozent auf 38,72 Euro nach.

Die Recyclingquoten für Getränkedosen aus Aluminium in den USA sind eutlich zurück gegangen. Das geht aus einer Analyse der Macquarie Bank hervor. Im vergangenen Jahr sei die Quote auf 50,1 Prozent gesunken, den niedrigsten Stand seit 1986, so die Untersuchung. 1997 lag die Quote den Angaben zufolge noch bei 66,5 Prozent. Die auf Pfandrücknahmesysteme spezialisierte norwegische Tomra Systems ASA hatte sich kürzlich von ihrer Beteiligung an einem US-amerikanischen Aluminiumdosen-Hersteller getrennt. Die Aktie kletterte um drei Prozent auf 27,90 Norwegische Kronen.

Um 23 Prozent auf 2,00 Kanadische Dollar stieg der Kurs der Western GeoPower Corp. an der kanadischen Venture Exchange-Börse. Das Unternehmen aus Vancouver hat nach eigenen Angaben vom Energie- und Bergbauministerium der Provinz British Columbia die Genehmigung für Produktionsbohrungen des geplanten Geothermie-Kraftwerks erhalten. Die erste Bohrung soll nun im Juli starten. Im Dezember 2004 sollen beide Bohrungen in 2,5 Kilometer Tiefe abgeschlossen sein. Läuft alles nach Plan, könne Mitte 2007 mit der kommerziellen Stromproduktion begonnen werden, so Western GeoPower.

FuelCell Energy Inc. meldete die Ergebnisse des zweiten Quartals, das am 30. April endete. Der Umsatz des US-amerikanischen Brennstoffzellen-Herstellers sank auf 7,0 Millionen Dollar, verglichen mit 8,9 Millionen im Vorjahresquartal. Der Nettoverlust konnte auf minus 18,9 Millionen von minus 21,0 Millionen Dollar verringert werden. Das Ergebnis enthalte einen Einmalgewinn von 0,3 Millionen Dollar aus dem Verkauf der Global Thermoelectric Inc., hieß es. Die Aktie stürzte um 19 Prozent auf 12,79 Dollar.

Im Gegensatz dazu legte der Kurs des kanadischen Herstellers von Wasserstoff-Infrastrukturtechnik Stuart Energy Systems Corp. elf Prozent auf 2,58 Kanadische Dollar zu. In New York gaben Natural Alternatives International Inc. erneut kräftig ab, die Aktie verlor 17 Prozent auf 9,14 Dollar. An der Frankfurter Börse wurden die Papiere des Fahrradherstellers MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG erstmals mit 9,00 Euro unter dem Ausgabepreis der Börseneinführung notiert. Die Aktien der B.A.U.M. AG sanken nach dem reversen Aktiensplit erneut in den Pennystock-Bereich, der Kurs lag zum Schluss bei 0,90 Euro.

B.A.U.M. AG (ISIN DE000A0AYX23 / WKN A0AYX2)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
E.on AG (ISIN DE0007614406 / WKN 761440)
FuelCell Energy Inc. (ISIN US35952H1068 / WKN 884382)
MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (ISIN DE000A0B95Y8 / WKN A0B95Y)
Natural Alternatives International Inc. (ISIN US6388423021 / WKN 880900)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
P&T Technology AG (ISIN DE0006852809 / WKN 685280)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
RWE AG (ISIN DE0007037129 / WKN 703712)
S.A.G. Solarstrom AG (ISIN DE0007021008 / WKN 702100)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Stuart Energy Systems Corp. (ISIN CA8636881077 / WKN 579775)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)
Western GeoPower Corp. (ISIN CA95827Q1037 / WKN 254049)
WindWelt AG (ISIN DE0006352537 / WKN 635253)

Bildnachweis: Auftrieb für die Erneuerbaren Energien: Wind, Wasser und Sonne / Photomontage: ECOreporter.de; Solarkraftwerk der SolarWorld AG in Bonn / Quelle: Unternehmen; Protagonisten des Streits bei der REpower AG: Hugo Denker und Klaus-Detlef Wulf / Quelle: Denker&Wulf AG



Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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