07.08.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

7.8.2007: „Eine Dauersubventionierung ist für uns nicht akzeptabel“ – ECOreporter.de-Interview mit Hermann Iding, aleo solar AG, zur ‚Spiegel’-Kritik an der Solarbranche

Der ‚Spiegel’ hat in seiner aktuellen Ausgabe die deutsche Solarbranche harsch kritisiert, sie sei hochsubventioniert und viele Solarfirmen seien üble Ausbeuter (wir berichteten darüber und über erste Reaktionen von Q-Cells und Conergy im ECOreporter.de-Beitrag vom 7. August). ECOreporter.de hat deutsche Solarfirmen mit dieser Darstellung konfrontiert und berichtet über deren Reaktionen. Unter anderem stellte sich Hermann Iding, Leiter der Unternehmenskommunikation der aleo solar AG, den Fragen von ECOreporter.de:


ECOreporter.de: Wie beurteilen Sie die Vorhaltungen des Magazins, die ostdeutschen Solarfirmen würden üppige Gewinne auf Kosten der Steuerzahler erzielen?

Hermann Iding: Die Förderung von jungen innovativen Technologien ist ein klassisches Instrument der Wirtschaftspolitik und wurde bislang für unterschiedlichste Branchen und Produkte erfolgreich angewendet wie z.B. für die Automobilbranche, die IT-Branche oder den MP3-Player. Das EEG stellt eine vorteilhafte Form der Förderung dar: Es erzwingt kontinuierliche Kostensenkungen über die Degression und stellt die Wertschöpfung in Deutschland sicher. Wir nutzen die Förderung, um zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Als Solarmodulproduzent realisieren wir eine EBIT-Marge zwischen 6 und 7%. Zum Vergleich: klassische Energieversorger lagen 2006 zwischen 11-14%, also doppelt so hoch.

ECOreporter.de: Inwiefern tragen die Verbraucher den gegenwärtigen Boom der Solarbranche?

Hermann Iding: 2006 wurden lediglich 20 Cent im Monat für die EEG-Förderung von Solarenergie auf den Strompreis jedes Bundesbürgers aufgeschlagen. Dies entspricht lediglich 1% des durchschnittlichen Haushalts-Strompreises. Aktuellen Umfragen zu Folge sind deutsche Verbraucher mehrheitlich bereit, einen deutlich höheren Beitrag für Solarstrom zu zahlen. Der Strompreis wird von diesem Beitrag sicher nicht nach oben getrieben.

ECOreporter.de: Was sagen Sie zu der vom „Spiegel“ angesprochenen Berechnung des RWI, die Solarförderung im EEG würde Kosten in Höhe von „real rund 12 Mill. Euro“ ergeben?

Hermann Iding: Wir halten eine Anschubfinanzierung zum Erreichen der Wettbewerbsfähigkeit für richtig. Gleichzeitig nehmen wir unsere Verantwortung wahr, indem wir die jährliche Degression akzeptieren. Eine Dauersubventionierung ist für uns nicht akzeptabel – Zum Vergleich: fossile Energieträger wie z.B. die Steinkohle, wurden und werden seit den 50er Jahren mit über 250 Milliarden Euro subventioniert.

ECOreporter.de: Das Magazin zitiert einen RWI-Experten: „Es wird Zeit, das diese traumhaften Zustände beendet werden“. Was sagen Sie dazu?

Hermann Iding: Als Solarmodulproduzent erzielen wir eine aus unserer Sicht angemessene Marge von 6 bis 7%. Diese nutzen wir, um zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Traumhaft ist die Zahl der durch die Solarbranche geschaffenen Arbeitsplätze in Deutschland. Zum Vergleich noch einmal die Margen von klassischen Energieversorgern zwischen 11 und 14%.

ECOreporter.de: Viele Solarfirmen würden als „üble Ausbeuter“ gelten, schreibt das Magazin. Wie äußern Sie sich dazu?

Hermann Iding: In unserem Unternehmen gibt es unterschiedliche Lohngruppen und wir zahlen ortsübliche Löhne. Wir arbeiten sehr gut mit unseren Mitarbeitern zusammen und stimmen auch betriebliche Belange mit ihnen ab.

ECOreporter.de: Liegen die Gehälter bei aleo Solar 10 bis 20 Prozent unter dem West-Niveau?

Hermann Iding: Auch in den alten Bundesländern sind die Löhne ausdifferenziert: In Stuttgart werden höhere Löhne gezahlt als in Aurich. Dies spiegelt sich dann auch in unterschiedlichen Lebenshaltungskosten wider. Ein direkter Vergleich ist somit nicht möglich.


ECOreporter.de: Inwiefern nutzt Ihr Unternehmen Mittel, die von der Arbeitagentur für die Einstellung von schwerer vermittelbaren Arbeitnehmern gezahlt werden, etwa für neue Mitarbeiter jenseits der 50 Jahre?

Hermann Iding: Für uns steht die Qualifikation eines Mitarbeiters im Vordergrund, das Alter oder ähnliche Kriterien sind nebensächlich. Im Einzelfall werden die von der örtlichen Arbeitsagentur angebotenen Fördermaßnahmen aktiv genutzt. Insbesondere nutzen wir geförderte betriebliche Trainingsmaßnahmen für die Einarbeitungsphase. Im Anschluss wird die Vollzeitbeschäftigung angestrebt.

ECOreporter.de: Inwiefern trifft es zu, dass es bei der aleo Solar keinen Betriebsrat gibt?

Hermann Iding: In unserem Unternehmen ist es bislang nicht zur Gründung eines Betriebsrats gekommen. Die Unternehmensleitung steht der Gründung eines Betriebsrats offen gegenüber.

ECOreporter.de: Trifft die Darstellung des Magazins zu, dass es einen Konflikt zwischen der IG Metall und der aleo Solar gibt?

Hermann Iding: Nein.

ECOreporter.de: Herr Iding, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Zu dem ECOreporter.de-Interview mit Claus Beneking, Vorstandschef des Erfurter Solarzellenherstellers ErSol Solar Energy AG, zum gleichen Thema gelangen Sie per Mausklick.

Bildhinweis: Niederlassung der aleo Solar AG im ostdeutschen Prenzlau / Quelle: Unternehmen
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