07.09.05 Nachhaltige Aktien , Meldungen

7.9.2005: Ph?nix aus der Asche? - Aluminiumspezialistin Agor AG in spannender Phase - Sollten Anleger einsteigen oder abwarten?

Die K?lner Agor AG blickt auf eine wechselvolle Geschichte zur?ck. Entstanden ist sie im Mai 2003 aus der Verschmelzung der B.U.S. Berzelius Umwelt-Service AG auf die Nordag AG (ECOreporter.de berichtete). Nachdem die Agor einige Zeit als reine Finanzholding arbeitete, wurden in den letzten eineinhalb Jahren die meisten Beteiligungen verkauft, um den gewaltigen Schuldenberg zu verringern, den die Vorg?ngergesellschaften aufgeh?uft hatten. Heute gewinnt das Unternehmen aus Abfallmaterialien wertvolle Rohstoffe. Neuer Gesch?ftsschwerpunkt ist die Aufarbeitung von Salzschlacke.

Salzschlacke entsteht beim Einschmelzen von Aluminium-Schrotten, aus denen Sekund?raluminium hergestellt wird; sie enth?lt sieben bis zehn Prozent Aluminium. Als - nach eigenen Angaben - einziges Unternehmen weltweit beherrscht die Agor-Tochter ALSA GmbH das "L?se-Kristallisations-Verfahren", mit dem das Metall aus der Schlacke gel?st werden kann. Zus?tzlich dazu entstehen ein hochreines Salz, das erneut für das Recycling verwendet werden kann, und das Amoniumsulfat Serox. Dieser Zuschlagsstoff wird in der Baustoffindustrie eingesetzt. In einer Tonne Aluminium-Salzschlacke steckt laut dem Unternehmen Metall im Wert von bis zu 100 Euro (Grundlage: Durchschnittspreis 2004). Die Salzschlacke wandere bisher auf die Deponie, so Agor. Allein in der USA gingen so j?hrlich 100.000 Tonnen Aluminium verloren - ein Gegenwert von mindestens 100 Millionen Euro. Weltweit rechne man mit einem j?hrlichen Anfall von 4,5 Millionen Tonnen Aluminium-Salzschlacke. Die Industrie brauche folglich ein "effizientes Modell wie das ALSA-Verfahren".

Ein einzigartiges Produkt, ein gewaltiger Markt weltweit. Ist die Agor AG auch für Investoren interessant?

Unternehmenssprecher Dirk von Manikowsky schildert im Gespr?ch mit ECOreporter.de die aktuelle Lage der Gesellschaft so: Erst zum Jahreswechsel seien zwei gro?e Gesch?ftsbereiche verkauft worden, n?mlich Stahl- und Edelstahlwerkstaubrecycling. Aktuell gebe es neben dem Kerngesch?ftsfeld Aluminiumsalzschlacke noch die Abfallwirtschaft mit der ?sterreichischen Rumpold AG. "Wenn wir einen attraktiven Preis erzielen k?nnen, wollen wir das Gesch?ftsfeld noch im Jahr 2005 verkaufen", sagt Manikowsky: "Mit dem verbleibenden Bereich Aluminiumsalzschlacke werden wir uns weiter international positionieren."

2006 wolle man als n?chsten Schritt eine Recyclinganlage in S?ddeutschland fertig stellen, berichtet der Sprecher. Die solle als Prototyp für den Bau weiterer Anlagen weltweit dienen. Mit einem Investitionsvolumen von mehr als 20 Millionen Euro entstehe die modernste Anlage dieser Art nach BAT-Standard (Best available technology) in Europa. "Im n?chsten Jahr ist die Restrukturierung vollst?ndig abgeschlossen und wir k?nnen uns ausschlie?lich auf das Kerngesch?ft konzentrieren", sagt Manikowsky. "Unsere neuen Anlagen haben jeweils eine Kapazit?t von mindestens 100.000 Tonnen j?hrlich. Schon w?hrend der Planungsphase werden entsprechende Vertr?ge mit der Industrie geschlossen, die Auslastung der Anlage wird bereits im Vorfeld gesichert. Wachsen wollen wir vor allem auf dem attraktiven nordamerikanischen Markt. Unser Ziel ist: Etwa alle 18 Monate soll je eine weitere Anlage in Betrieb genommen werden." Den aktuellen Durchsatz an Salzschlacke beziffert der Sprecher auf rund 380.000 Tonnen j?hrlich. "Wenn unsere Planungen aufgehen, w?rden wir unseren Durchsatz in ungef?hr f?nf bis sechs Jahren verdoppeln k?nnen", rechnet er vor.

Im ersten Halbjahr 2005 erwirtschaftete die Agor AG in den verbliebenen Kernbereichen Aluminiumsalzschlacke und Abfallwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr eine Umsatzsteigerung von 7,3 Prozent. Insgesamt betrage der konsolidierte Umsatz 57,1 Millionen Euro, hie? es. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) im ersten Halbjahr lag bei 875.000 Euro nach minus 2,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Gesellschaft besch?ftigt derzeit rund 1300 Mitarbeiter. Mit dem angestrebten Verkauf der Abfallsparte d?rfte sich der Personalstand deutlich verringern. "Unsere Recyclinganlagen haben keine hohen Betriebskosten , das neue Kerngesch?ftsfeld ist nicht zuletzt deshalb besonders profitabel", erkl?rt Agor-Sprecher Manikowsky gegen?ber ECOreporter.de.

Die Agor AG musste seit ihrer Gr?ndung mit einem Schuldenberg von anfangs 250 Millionen Euro leben. Durch striktes Kostenmanagement und den erfolgreichen Verkauf von Beteiligungen ist es dem Management der Gesellschaft jedoch gelungen, die Verbindlichkeiten deutlich zu verringern. Durch den Verkauf der Sparte Stahl- und Edelstahlrecycling konnte einerseits das Eigenkapital deutlich gest?rkt, andererseits die Verschuldung wesentlich abgebaut werden. So erh?hte sich das Eigenkapital von 4,9 Millionen Euro in 2004 auf aktuell 24,4 Millionen. Die Bankverbindlichkeiten haben sich von 168,6 Millionen Euro im Vorjahr auf 93,4 Millionen Euro nahezu halbiert. "Mit dem Verkauf des Gesch?ftsbereichs Abfallwirtschaft wird unser Schuldenstand nochmals deutlich sinken. Das er?ffnet uns wichtige neue Finanzierungsm?glichkeiten für unser weiteres Wachstum", sagt der Unternehmenssprecher.

Die Frage nach den Umsatz- und Ertragszielen des Unternehmens in 2005 beantwortet der Sprecher vorsichtig: Das Hauptziel sei es, nachhaltige Profitabilit?t zu erreichen. Genaue Zahlen wolle er aktuell nicht nennen, daf?r gebe es zu viele Unsicherheiten in der Rechnung, wie den noch unbekannten Verkaufserl?s für die Abfallsparte. "Operativ wollen wir auf jeden Fall Gewinn machen", so Manikowsky. Er wolle keine "rosaroten Zeiten" für die Agor prognostizieren, sagte er, aber für risikofreudige Investoren sei das Unternehmen sicher in einer "spannenden Phase".

Fazit: Die Agor AG steht an einem entscheidenden Punkt ihrer Entwicklung. Wenn es dem Management der Gesellschaft gelingt, die bisher sehr erfolgreiche Restrukturierung plangerecht abzuschlie?en, sieht es gut aus für die K?lner. Die Gewinne aus dem Verkauf der Segmente Stahl- und Edelstahlwerkstaub schlugen im ersten Halbjahr 2005 mit 28,4 Millionen Euro zu Buche. Insgesamt verzeichnet der Konzern für die ersten sechs Monate einen ?berschuss von 26,8 Millionen Euro nach 6,4 Millionen im Vorjahr. Der Ergebnis pro Aktie bel?uft sich demnach auf 1,48 Euro. Bereinigt um die im Vorjahr verkauften Sekund?raluminiumaktivit?ten beliefen sich in 2004 die Umsatzerl?se des Segments Aluminium-Salzschlacke auf rund 50 Millionen Euro. Bei einer Markkapitalisierung von zuletzt 53,28 Millionen Euro ergibt sich daraus ein Kurs-Umsatz-Verh?ltnis (KUV) von 1,06 (Bezugsgr??e: Kurs der Agor-Aktie 2,95 Euro am 7.9.2005 um 9:50 Uhr in Frankfurt). Angesichts der Wachstumsperspektiven des Unternehmens - mit dem Durchsatz an Salzschlacke w?rde der Umsatz alle 18 Monate um mehr als 20 Prozent zulegen - erscheint das g?nstig.

Die Notierung der Aktie erreichte vor wenigen Wochen ihren historischen Tiefststand, am 2. August wurden die Anteilscheine für 1,70 Euro gehandelt. Risikofreudige Anleger k?nnen darauf setzen, dass die Strategie der Unternehmensf?hrung aufgeht, und jetzt bei Agor einsteigen. Auch wenn pr?zise Prognosen derzeit kaum m?glich sind: Es spricht vieles daf?r, dass das Unternehmen das Schlimmste hinter sich hat. Mit dem noch für das laufende Jahr erwarteten Verkauf der Sparte Abfallwirtschaft d?rften die Verschuldung und die Zinsbelastung weiter sinken. Einem kr?ftigem Wachstum im Kerngesch?ft steht dann nichts mehr entgegen, sprudelnden Gewinnen auch nicht.

Agor AG: ISIN DE0005546006 / WKN 554600

Bilder: Aluminium-Salzschlacke; Aufbereitungsanlage der Agor AG / Quelle: Unternehmen
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