08.11.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

8.11.2006: Unter Druck: Antec Solar Energy gesteht Qualitätsprobleme ein, bestreitet jedoch Insolvenzgefahr und Vorwurf des Kapitalanlagebetrugs - Einstieg von Großinvestor

Vor wenigen Wochen musste die Antec Solar Energy AG mit dem Jahresabschluss 2004 ihren Aktionären den Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals der Gesellschaft anzeigen (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom September). Es handelt sich um den aktuellsten vorliegenden Jahresabschluss des aus der Ökologik Ecovest hervorgegangenen Unternehmens. Dieses wird noch immer von Vorstand Udo Bockemühl geführt und steht weiter in Kritik. Nun hat es gegenüber ECOreporter.de Stellung zu den Verlusten und dem Vorwurf des Kapitalanlagebetrugs genommen:

Gero Meyhöfer, Assistent von Antec-Vorstand Bockemühl, erklärt auf Anfrage von ECOreporter.de: "Die Anzeige des Verlustes des hälftigen Grundkapitals ist im Wesentlichen die Folge des nicht durchgeführten Deals mit der HIT AG (ECOreporter.de berichtete), da ansonsten sich die Bilanz in wesentlichen Punkten anders dargestellt hätte. Der Verlust ist darauf zurückzuführen, dass wir planmäßig Abschreibung auf die Produktionsanlage für Solarmodule haben, die sich auf rund 1,1 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Weiterhin findet der Umbau von der Venture Capital Gesellschaft zur Solarproduktions-Gesellschaft auch in der Bilanz seinen Niederschlag, der die Werthaltigkeit vieler Positionen infrage stellt, da wir in sie nicht weiter investieren. Für 2004 entspricht dies einem Wertberichtigungsbedarf von 3,7 Millionen Euro. Wir möchten festhalten, dass Qualitätsmängel einer bestimmten Charge von Modulen nicht zu einem Verlust im Jahresabschluss 2004 geführt haben." Meyhöfer geht nicht darauf ein, ob die Mängel andere Konsequenzen gehabt haben.


Antec weist Vorwurf des Kapitalanlagebetrugs zurück
Laut dem Anlegermagazin "Nebenwertejournal" ist die Kapitaldecke des Unternehmens mit Sitz in Frankfurt dünn geworden: Bei einer Bilanzsumme von 22,4 Millionen Euro (Vorjahr: 25,4 Millionen) beliefen sich die Eigenmittel auf nur noch 4,7 Millionen Euro (Vorjahr: 10,1 Millionen), berichtete das Blatt. Meyhöfer rechtfertigt: "Das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme entspricht einer Eigenkapitalquote von rund 20 Prozent, was nicht als kritisch gesehen werden kann."
Auf der Antec-Hauptversammlung sollen dem magazin zufolge "Stimmen" laut geworden sein, die "weniger unternehmerische Fehlleistungen als vielmehr Kapitalanlagebetrug als Ursache für die schwierige Situation sahen". Das Antec-Werk in Arnstadt solle "durch den jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden angeblich völlig überteuert in das Unternehmen eingebracht worden sein".
Laut Meyhöfer ist der Verwaltung "nicht erinnerlich", dass in den Redebeiträgen der Teilnehmer der Vorwurf des Kapitalanlagebetruges erhoben wurde. "Wäre dies der Fall gewesen, würden wir mit allen zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln dagegen vorgehen. Die Sacheinlage für die Einbringung des Werkes in Arnstadt wurde vom gerichtlich bestellten Wirtschaftsprüfer geprüft und vom Amtsgericht in das Handelsregister eingetragen. Der Wert war in jeder Hinsicht korrekt", so Meyhöfer.

Die Befürchtung des Nebenwertejournals, dass die Antec auf eine Insolvenz zulaufe, wenn es nicht gelinge, die "Verlustserie schnellstens zu beenden", kommentiert Meyhöfer wie folgt: "Der vorgelegte Jahresabschluss trägt den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers." Bei dem besagten Jahresabschluss handelt es sich wie beschrieben um den für 2004. Wir schreiben November 2006.


Großinvestor steigt bei Antec-Tochter ein
Die börsennotierte Hamburger Beteiligungsgesellschaft Capital Stage AG hat eigenen Angaben zufolge 17,39 Prozent der Aktien der Antec Solar Energy International AG erworben. Antec Solar Energy International, die Produktionstochter der Antec Solar Energy AG, betreibt laut der Meldung seit Juni 2003 in Arnstadt/Thüringen eine Fertigungslinie für Dünnschicht-Solarmodule und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter. In der Anlage mit einer Kapazität von zehn Megawatt würden Solarmodule auf Basis der CdTe-Technologie gefertigt, hieß es. Die lichtempfindliche Schicht der Dünnschichtsolarzellen besteht aus dem Halbleitermaterial Cadmiumtellurid (CdTe). Die Produktionsleistung solle bis 2008 auf 25 Megawatt ausgebaut werden, so Capital Stage. Zum Kaufpreis für die Antec-Anteile machten die Hamburger keine Angaben.

Das Ettlinger Wertpapierhandelshaus Valora Effekten Handel AG teilte mit, dass alle vorliegenden Orders für Antec-Aktien "auf Grund der veränderten Situation gelöscht" worden seien.

Weitere Nachrichten über die Antec finden Sie in der Wachhund-Rubrik von ECOreporter.de.

Antec Solar Energy AG: WKN 685820 / ISIN DE0006858202

Bilder: In-Line-Anlage zur Herstellung von CdTe-Solarzellen; typischer Aufbau einer CdTe-Solarzelle / Quelle: Institut für Solarenergieforschung GmbH Hameln / Emmerthal (Web: http://www.isfh.de/website/seiten/photo_2_5.htm)
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