08.01.03

8.1.2003: Gehört Biodiesel aus Müll die Zukunft?

Mit den Preisen fossiler Brennstoffe können Biokraftstoffe nur selten konkurrieren. Für deren Hersteller lohnt sich der umweltfreundliche Sprit derzeit nur, wenn er mit Millionensubventionen gefördert und wenn der Markt EU-weit von Importen aus Übersee geschützt wird. Zudem weist Biodiesel eine eher schlechte Ökobilanz auf und können allenfalls sechs Prozent des heutigen Dieselbedarfs damit gedeckt werden. Einen Ausweg aus diesem Dilemma wollen die Betreiber der Firma Choren im sächsischen Freiberg finden.

Wie einem Bericht der VDI nachrichten zu entnehmen ist, setzt Choren darauf, aus Biomasse und Müll hochwertigen Diesel herzustellen. Die Sachsen nutzen neben dem Pflanzenöl auch die ausgepressten Pflanzenreste samt Wurzel. Darüber hinaus verarbeitet Choren in der Versuchsanlage neben Biomüll sogar Sondermüll, Säuren und Laugen sowie Kunststoffe, und gewinnt daraus Synthesegas, das zur anschließenden "Fischer-Tropsch-Hydrierung" taugt - einem 1926 entwickelten Verfahren zur Gewinnung von Diesel.

Von dieser Anlage erhoffen sich die Autohersteller dem Bericht zufolge entscheidende Fortschritte bei der Suche nach einem optimalen Dieselkraftstoff. Denn je nach Herkunft schwankt die Zusammensetzung von Dieselkraftstoff aus Erdöl. Das macht es für die Motorenentwickler schwer, das Brennverfahren exakt abzustimmen und konstant niedrige Schadstoffwerte im Abgas zu erzielen.

In Zusammenarbeit mit VW und DaimlerChrysler sollen nun von der Choren-Anlage "konstruierte" Kraftstoffe gewonnen werden, ein Biomasse-Kraftstoff namens "Sunfuel" und ein Kraftstoff aus fossilen Grundstoffen. Angestrebt wird ein Dieselöl mit engen Siedegrenzen ohne Aromaten und Schwefel, das dem Kerosin ähnlich ist und nur einen Bruchteil an unterschiedlichen Kohlenwasserstoffverbindungen enthält.

VW-Forschern zufolge emittieren mit "Sunfuel" betriebene Motoren nur so viel Kohlendioxid, wie die Pflanzen zuvor der Atmosphäre entzogen haben. Versuche bei VW ergaben, dass der Schadstoffgehalt im Abgas selbst älterer Diesel um rund 50 Prozent sinkt. Das gleiche Ergebnis zeigten für Euro 4 ausgelegte Diesel. Und viele der heutigen Euro-3- Diesel würden mit dem Kraftstoff ohne weitere Maßnahmen am Motor mühelos die Grenzwerte von Euro 4 unterschreiten. In absehbarer Zeit wäre es laut VW möglich, vor allem Stickoxid und Ruß bis an die Nachweisgrenze zu senken und den Kraftstoffverbrauch noch weiter zu reduzieren.

Neben DaimlerChrysler und VW bekundet auch die Mineralölindustrie zunehmendes Interesse am Choren-Verfahren. Stehen die ersten Großanlagen, soll der Kraftstoff dem aus Erdöl gewonnenen Diesel beigemischt werden, um seine Qualität zu verbessern.

Eine erfolgreiche Entwicklung dieses Projekts dürfte sich nicht zuletzt auf Unternehmen aus dem Bereich des grünen Geldes auswirken. So hat die Umweltkontor AG aus Erkelenz (WKN 760810) erst im November die Übernahme der New Mine energy GmbH abgeschlossen, zu deren Beteiligungen auch der Biodiesel-Produzent Nevest New Energy AG (WKN 548815) zählt.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x