08.12.05

8.12.2005: Wasser-Investment marsch!

Sein Weltverbrauch steigt, als Rohstoff ist es immer begehrter, Klimaprobleme komplizieren die Situation - was auf Erd?l zutrifft, gilt auch für Trinkwasser. Eine Reihe von Wasser-Zertifikaten und -fonds bietet den Anlegern ein breites Investment in der Wasser-Branche an.

Die niederl?ndische ABN Amro Bank sieht Wasser als eines der Basisprodukte mit den Aussichten auf h?chstes Wachstum. Bislang seien - weltweit betrachtet - rund 92 Prozent der Wasserversorgung in ?ffentlicher Hand, so die Amsterdamer Bank. Um die Wasseraufbereitungsanlagen zu erhalten, zu warten und zu modernisieren seien enorme Summen erforderlich. Angesichts knapper Kassen der Kommunen d?rfte sich der Marktanteil privater Unternehmen bis 2015 deutlich erh?hen, prognostiziert das Finanzhaus. Die fundamentalen Daten des fl?ssigen Rohstoffs zeigen, dass der Markt im Fluss bleiben wird: Nur knapp drei Prozent der weltweiten Wasservorr?te bestehen aus S??wasser, und es wird immer intensiver genutzt. Hier bietet sich ein Milliardenmarkt für Firmen, die kosteng?nstige, effektive Verfahren bereitstellen k?nnen. Dazu geh?ren Unternehmen in Bereichen wie Wasserverteilung und Wassermanagement, Wasseraufbereitung und Wasserreinigung, Monitoring und Anlaytik, Wasserrecycling, Sanit?rinstallationen, Bew?sserung, aber auch der Verkauf von Flaschenwasser.

Die Wasserbranche ist an der B?rse mit teilweise gel?ufigen, teilweise eher wenig bekannten Namen vertreten: Da gibt es die Aguas de Barcelona, ein regionaler Trinkwasserversorger in Barcelona und Umgebung sowie in Lateinamerika. Oder die Best Water Technology AG aus ?sterreich, ein Wasseraufbereitungspezialist. Der hat gerade seine Tochter Christ AG aus der Schweiz an die B?rse gebracht, ein Anlagenhersteller für die Wasseraufbereitung. Ebenfalls aus der Schweiz kommt die Geberit AG, deren Installationssysteme jeder kennt, der deutsche Toiletten benutzt. Die Kelda Group Plc aus Gro?britannien ist ein regionaler Trinkwasserver- und Abwasserentsorger. Die ebenfalls britische Severn Trent l?sst das Nass aus den britischen H?hnen sprudeln und ist in den Sektoren Wasserreinigung und Abwasseraufbereitung im Gesch?ft. An der B?rse gehandelt wird auch die Suez Lyonnaise des Eaux S.A. aus Frankreich - das Unternehmen ist Europas zweitgr??ter Wasserversorger. Allein im amerikanische Aktienindex "Palisades Water Index" sind 25 weitere Unternehmen aus dem Wassersektor vertreten, s?mtlich in den USA angesiedelt. Insgesamt listen Experten 200 Aktien auf, die sie dem Wassersektor zuordnen.

Der Wassermarkt hat die gro?en Konzerne angelockt: So hat sich der US-Konzern General Electric mit der ?bernahme der Ionics zum Marktf?hrer bei der Meerwasserentsalzung gemausert. Siemens hat US Filter geschluckt, eine Firma, die industrielles Abwasser aufbereitet. Die Marktf?hrer der Wasserbehandlung mittels UV-Strahlen, Trojan Technologies aus Kanada sowie Wedeco aus D?sseldorf, wurden von den US-Firmen Danaher und ITT Industries gekauft.

Wer als Anleger auf den Wassersektor setzen will, muss sich nicht auf Aktien einzelner Unternehmen beschr?nken: Es gibt mittlerweile eine Reihe von Aktienk?rben, "Zertifikate" genannt, und zwei Wasserfonds. Das neueste Produkt auf dem Markt ist das "Wasser Open End Zertifikat" (ISIN NL0000023372) der niederl?ndischen ABN Amro Bank. Es basiert auf dem "ABN Amro Total Return Water Index". Er umfasst derzeit zehn Aktien aus sieben verschiedenen L?ndern. Die Unternehmen m?ssen eine Mindest-Marktkapitalisierung von 500 Millionen US-Dollar aufweisen. ABN-Amro-Zertifikatsexperte Stefan Gresse sagt: "Das Produkt wurde gut aufgenommen, allein in Deutschland wurden Zertifikate für 50 Millionen Eurogezeichnet, in der Schweiz lief es noch besser."

Wie solche Zertifikate für den Anleger laufen, kann man beim Wasserzertifikat der Westdeutschen Landesbank (WestLB) ersehen: Sie hatte bereits im April 2001 ein Zertifikat aufgelegt, dass einen Korb von zehn verschiedenen Aktien abbildet (ISIN DE0006962608). Darin enthalten ist etwa die RWE-Aktie, denn RWE ist einer der weltgr??ten Wasserversorger - noch. Der Emissionspreis betrug damals 101 Euro, der Kurswert lag am 7. Dezember bei 138,27 Euro. Anleger k?nnen das Zertifikat an der B?rse kaufen, es wird aber schon im April 2008 enden.

Im September hat die WestLB ein weiteres Wasserzertifikat gestartet, ebenfalls mit einem Korb von zehn Aktien. Es wird im September 2013 enden (ISIN DE000WLB5GV8). Schwergewichte im Aktienkorb sind die Hyflux Ltd aus Singapur, ein Wasseraufbereiter, und Zenon Environmental aus Toronto, ein Hersteller von Membranen für Wasser- und Abwasserbehandlung. Die Dividenden entgehen den Anlegern bei beiden Produkten - ein Manko: Europ?ische Versorger wie Suez haben eine hohe Dividendenrendite.

Nur noch bis n?chsten Mai 2006 l?uft das "Europ?ische Wasser Zertifikat" (ISIN CH0015966648) der UBS Investment Bank (UBS). Es startete 2003 und hat acht Wasseraktien an Bord. Der Ausgabepreis betrug damals knapp 60 Euro, heute sind es 122,70 Euro (10:18 Uhr)

Wesentlich mehr Titel als die Wasserzertifikate beinhalten Wasserfonds. Der SAM Sustainable Water Fund (ISIN LU0133061175) beispielsweise enth?lt knapp 40 Titel. Zu mindestens zwei Drittel soll er Unternehmen ber?cksichtigen, die, wie es hei?t, "der Nachhaltigkeit erh?hte Bedeutung beimessen".

Der weltweit erste zugelassene Wasserfonds war der Pictet Global Sector Fund Water der Fondsgesellschaft Pictet Funds S.A. (ISIN LU0104884860). Mit ?ber 600 Millionen Euro Volumen ist er ein Schwergewicht im Wassermarkt. Der Fonds enth?lt Papiere von Unternehmen aus den Bereichen Wasserversorgung, -verteilung und -aufbereitung, aber auch der M?llentsorgung. Der Fonds kooperiert mit den Nachhaltigkeitsexperten des Swiss Info Center aus Fribourg in der Schweiz. Dieses Zentrum erfasst Informationen zum Umwelt- und Sozialengagement einer Firma.

F?r das Management kassieren die Fonds vom Anleger eine Managementgeb?hr. Bei SAM sind das 1,9 Prozent pro Jahr. Pictet ist mit 1,5 Prozent billiger. Im Vergleich dazu sind die j?hrlichen Kosten bei den Zertifikaten zwar niedriger - schlie?lich ist ihre Struktur wesentlich simpler - aber immer noch erstaunlich hoch: So hei?t die Managementgeb?hr bei der WestLB "Strukturierungskosten" und betr?gt 1,0 Prozent. Dabei an?dert sich die Zusammensetzung des Aktienkorbs nur zwei mal pro Jahr. Der Wasser-Aktienkorb der UBS wird ?berhaupt nicht ver?ndert, und die Verwaltungsgeb?hr betr?gt auch dort 1,0 Prozent.

Dass auch der Wassermarkt nicht alle mit sich rei?t, hat der Essener RWE-Konzern erfahren: bis 2007 will er sich wieder von Thames Water in Gro?britannien und von der American Water Works Company in Nordamerika trennen. Die erst vor wenigen Jahren erworbenen Beteiligungen sind jetzt laut RWE-Jargon "mehr als fl?ssig": ?berfl?ssig.

Bild: Wasser / Quelle: Raiffeisen Centrobank; UV-Strahler der ehemaligen Wedeco AG / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x