08.02.05 Erneuerbare Energie

8.2.2005: "In dieser Sch?rfe haben wir so etwas noch nicht erlebt." - Spiegel-Redakteur bek?mpft Windkraftprojekt mit harten Bandagen

Zum Gesch?ft von Windpark-Entwicklern geh?ren auch die Auseinandersetzungen mit Kritikern ihrer Projekte. Bei der Errichtung eines Windparks in Brandenburg trat der EnerSys GmbH jedoch ein Gegner entgegen, dessen Arbeitgeber aufmerken l?sst: es ist der "Spiegel". Michael Sontheimer, fr?her Chefredakteur der "taz" und nun für das Hamburger Magazin schreibend, protestierte bei Enersys gegen die Errichtung von drei Windkraftanlagen nahe seinem 90 Kilometer nord?stlich von Berlin gelegenem Ferienhaus. Gegen?ber ECOreporter.de erl?uterte Enersys-Pressesprecher Michael B?hm, dass es sich bei dem Projekt um einen Windpark aus insgesamt zehn Anlagen vom Typ REpower MD 77 handelt. Von denen stehen drei rund einen Kilometer von Ferienhaus des Spiegel-Redakteurs entfernt.

Wie der "Focus" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, hob Sontheimer in seiner Protestnote an die Entwicklungsgesellschaft nicht nur seine T?tigkeit für den "Spiegel" hervor. Auch sendete er bei seinem Kampf gegen die Enersys-Anlagen Faxe an Landrat und Bauabteilung mit der Absenderkennung des Magazins. Ferner habe er die windkraftkritische "Spiegel"-Titelgeschichte verschickt, die im vergangen Jahr erschienen war. Deren Ver?ffentlichung hatte laut der Netzzeitung unter dem Vorwurf der "Desinformation und Propaganda" zum Ausscheiden von Harald Schumann aus der Hamburger Redaktion gef?hrt, einem der profiliertesten Journalisten des "Spiegel". Gemeinsam mit einem sp?ter ebenfalls ausgeschiedenen Redakteur hatte er eine windkraftfreundlichere Reportage verfasst, die aber von der Chefredaktion abgelehnt worden war. ECOreporter.de ver?ffentlichte sie dann in der zweiteiligen Sonderausgabe des ECOreporter.de-Magazins zur Windkraft. (Sollten Sie sich für diese Sonderausgabe in zwei Teilen mit umfassenden Informationen zur Windkraftnutzung interessieren, senden wir es Ihnen kostenlos zu. Daf?r gen?gt eine einfache Mail.)

Laut dem "Focus" konnte Stefan Aust, Chefredakteur des "Spiegel", "das Vorgehen Sontheimers nicht als so ungew?hnlich ansehen". Gegen?ber Enerys-Gesch?ftsf?hrer Hartmut Br?samle habe er erkl?rt, das Magazin beziehe "in der Windkraft-Frage" eine unabh?ngige Position. F?r welche Position der "Spiegel" steht, war allerdings erst vor kurzem wieder zu lesen, als er sich mit Schlagworten wie "Milliardengrab Windenergie" in die Diskussion ?ber die dena-Studie zum Netzausbau einmischte (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom 24. Januar).

Spiegel-Redakteur Sontheimer verschickte bei seinem Widerstand gegen die Windkraftanlagen in der N?he seines Feriendomizils jedoch nicht nur Schreiben. Er griff laut dem "Focus" auch zu juristischen Mitteln und erstattete im M?rz 2004 Strafanzeige gegen Enersys, wie es in dem Bericht hei?t "mit wenig pr?zisen Bestechungsverd?chtigungen". Auf Anfrage von ECOreporter.de erkl?rte Enersys-Sprecher B?hm, die Anzeige beziehe sich auf angebliche Unregelm??igkeiten im Zusammenhang mit den Bebauungspl?nen. Sie sei v?llig haltlos und "ein verzweifelter Versuch, Unruhe zu erzeugen". Hierzu von ECOreporter.de befragt ordnete er die Art und Weise, wie Sontheimer sich gegen das Windkraftprojekt wehrt, als sehr ungew?hnlich ein: "In dieser Sch?rfe haben wir so etwas noch nicht erlebt."

Bildhinweis: Beleidigen das Auge eines erholungsbed?rftigen Spiegel-Redakteurs: Windkraftanlagen und deren Montage / Quelle: REpower AG
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