08.02.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

8.2.2006: Solaraktien: Welche sind schon überbewertet - wo lohnt noch der Einstieg? ECOreporter.de-Interview mit Solaraktienanalyst Hilmar Platz

Wie geht es nach den Kurssteigerungen seit Jahresbeginn mit der Solarbranche weiter? Welche alternativen Materialien sind neben Silizium in der Photovoltaik konkurrenzfähig? Sind die Solarstrom-Aktien inzwischen überbewertet? Wie hoch müsste eine Korrektur ausfallen, damit sich der Einstieg wieder lohnt? Und wie steht der Branchenführer SolarWorld AG nach der Übernahme der Shell-Siliziumsparte und den vorläufigen Zahlen für 2005 da? Über diese und weitere Fragen sprach ECOreporter.de mit dem Branchenexperten Hilmar Platz, Mitglied des Vorstandes der Kayenburg AG, verantwortlich für den Bereich Research.


ECOreporter.de: Wie geht es nach den Kurssteigerungen seit Jahresbeginn in 2006 mit der Solarbranche weiter?
Hilmar Platz: Die Aktien der Solarunternehmen haben ein Kursniveau erreicht, in dem viele positive Perspektiven schon eingepreist sind. Dennoch stellt die zunehmende Internationalisierung des Geschäfts eine große Chance für die technologiestarken Unternehmen dar, die bereits über eine entsprechende strategische Masse verfügen. Nach Einschätzung der Kayenburg AG sind dabei in erster Linie die SolarWorld AG und die Q-Cells AG, aber auch Ersol zu nennen. Die Entwicklung in den USA verdeutlicht, dass die SolarWorld AG durch den jüngsten Schachzug (Anmerkung der Redaktion: Die Übernahme der kristallinen Photovoltaikaktivitäten der Royal Dutch Shell) eine große Marktchance wahrnehmen kann.

Bei der allgemeinen Betrachtung muss zwischen den Gruppen der großen Photovoltaik-Hersteller und Photovoltaik-Integratoren unterschieden werden. Für die Hersteller sehen wir trotz der Kursanstiege auf Sicht von 12 bis 36 Monaten weiteres Potential. Bei den Integratoren halten wir die Conergy AG für international aussichtsreich, da sie sich erfolgreich international positioniert hat.

Fazit: Die Geschäftsmodelle der Solarunternehmen sind differenziert zu betrachten. Je internationaler die Unternehmen agieren, desto größer ist die Chance von den globalen PV-Trends zu profitieren. Per Saldo bleibt die Photovoltaikbranche spannend!


ECOreporter.de: Die Siliziumtechnologie ist in der Photovoltaik derzeit das Maß der Dinge. Welche alternativen Materialien halten Sie für konkurrenzfähig?
Platz: Dünnschichttechnologien sind langfristig sicher eine Ergänzung oder auch eine Alternative zur konventionellen Siliziumtechnik. Vor dem Hintergrund einer notwendigen industriellen Umsetzung sehen wir die derzeitige Technik aber auf absehbare Zeit als marktbeherrschend an.

Die Unternehmen, die jetzt eine bestimmende Rolle in der siliziumbasierten Technik spielen, arbeiten parallel an der Entwicklung von Dünnschichttechnologien. Sie sind jetzt in der Lage, mit ihren Geschäftsmodellen hohe freie Cash Flows zu generieren, um diese Mittel dann in erheblichem Umfang in die Weiterentwicklung der Dünnschichttechnologie zu investieren (Anmerkung der Redaktion: Der freie Cash Flow bildet das Finanzierungspotenzial eines Unternehmen ab). Das ist aktuell zum Beispiel bei Q-Cells der Fall, auch ErSol ist in diesem Bereich aktiv.

Die derzeit erhältlichen siliziumfreien Dünnschichtsolarzellen basieren teilweise auf Kupfer-Indium-Selenid, Gallium-Arsenid oder Cadmium-Tellurid. Ihre Vorteile liegen im geringeren Material- und Energiebedarf bei der Produktion. Beim Wirkungsgrad können sie aber bislang nicht mit herkömmlichen Zellen mithalten. Noch fehlt die industrielle Langzeiterfahrung.
Mit ihren geringeren Wirkungsgraden sind Dünnschichtzellen heute eher nur in der Freifläche geeignet. Und zumindest in Deutschland sind Freiflächen ein knappes Gut. Klar ist, dass mit Dünnschichttechnologien enorme Kosten eingespart werden können. Neben der Dünnschichttechnik halten wir die Konzentratortechnologie für interessant.


ECOreporter.de: Welche Solarstrom-Aktien sind aus Ihrer Sicht inzwischen überbewertet? Wie hoch müsste eine Korrektur ausfallen, damit sich der Einstieg wieder lohnt?
Platz: Potential für eine weitere Kurssteigerung sehen wir noch bei der Centrosolar AG, bei der Ersol Solar Energy AG, der Solar-Fabrik AG, der Phönix SonnenStrom AG, der Reinecke + Pohl Sun Energy AG und der S.A.G. Solarstrom AG. Als "fair" bewertet stufen wir nach den starken Kurssteigerungen die Q-Cells AG ein, die Sunline AG, die Solon AG für Solartechnik und die Conergy AG. Auch von der Aktie der SolarWorld AG erwarten wir nach den starken Kursanstiegen der letzten Wochen kurzfristig keine größeren Sprünge mehr - allerdings müssen für eine abschließende Urteilsbildung erst noch die Daten der jüngst übernommenen Shell-Aktivitäten eingerechnet werden.

Für leicht überbewertet halten wir auf dem aktuellen Stand die Aktie der Sunways AG, wir sehen den fairen Wert für die Papiere eher bei 15,60 Euro (Anmerkung der Redaktion: Sunways legten am 7. Februar um mehr als 6 Prozent auf zuletzt 20,39 Euro zu).

Auf eine "Korrektur" der Kurse zu warten, ist aus Sicht einer langfristigen Portfoliostrategie möglich, aber was tun bei einem steigenden Trend? Man sollte die Sonnenstrom-Aktien vielmehr immer als Teil einer nachhaltigen und langfristigen Investmentstrategie ansehen. Die Photovoltaik konkurriert teilweise mit anderen Formen der Regenerativen Energie wie der Windenergie, der Wasserkraft und der Biomasse. In einer Portfoliostrategie sollte man aus Sicht der Kayenburg AG versuchen, ein ausgewogenes Verhältnis unterschiedlicher Investmentthemen abzubilden. Man sollte niemals alles auf eine Karte setzen, auch nicht im Photovoltaikbereich.


ECOreporter.de: Wie interessant sind börsennotierte Venture Capital und Private Equity Unternehmen, die in Photovoltaikfirmen investieren, für Investoren? Beispiele: New Value AG, Ventegis AG, equitrust AG
Platz: Als eine Art Alternative zu klassischen Nachhaltigkeitsfonds kann man über Engagements in diesem Bereich nachdenken. Die VC- und Private Equity Gesellschaften bieten die Chance, sich an teilweise nicht börsennotierten Unternehmen zu beteiligen. Als Investor kann man auf diese Weise zu einem früheren Reifestadium am Erfolg dieser Firmen teilhaben. Das ist aber auch mit einem höheren Risiko verbunden, deshalb sollte man solche Engagements nur als Teil einer Anlagestrategie verstehen.


ECOreporter.de: Wie schätzen Sie die SolarWorld AG nach der Übernahme der Shell-Siliziumsparte und der Vorlage der vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2005 ein? Wird das Unternehmen das schnelle Wachstum verkraften? Wie groß ist Integrationskraft des Konzerns und seines Managements?
Platz: Die SolarWorld AG gehört jetzt zu den Top-Drei der Photovoltaikbranche weltweit. Die strategischen Auswirkungen der Shell-Übernahme sind noch zu bewerten. Fakt ist aber, dass das Unternehmen mit großer Sicherheit in wesentlichem Umfang vom Aufbau der Photovoltaik in den USA profitieren wird. Damit hat sich der Marktführer erneut gegenüber allen deutschen Konkurrenten abgesetzt. Neben SolarWorld trauen wir auch der Hamburger Conergy AG zu, dass sie die Entwicklung in den USA als PV-Integrator für sich nutzen kann.

Die Zahlen der SolarWorld für 2005 sind sehr gut ausgefallen. Die Erwartungen der Kayenburg AG wurden übertroffen und unsere Schätzungen lagen schon eher am oberen Ende: Wir haben mit einem Überschuss in Höhe von 45,8 Millionen Euro gerechnet, erreicht wurden 52 Millionen Euro. Beim Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) hatten wir 98,1 Millionen Euro prognostiziert, SolarWorld weist 108 Millionen Euro aus. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) sollte nach unseren Berechnungen bei 79,1 Millionen Euro liegen, das Unternehmen schaffte ein Plus von 170 Prozent gegenüber 2004 auf 88 Millionen Euro. Als Dividende sollen laut Frank Asbeck 0,50 Euro ausgeschüttet werden, wir hatten 0,36 Euro erwartet. Das Ergebnis ist wirklich außerordentlich!


ECOreporter.de: Herr Platz, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Centrotec Sustainable AG: WKN 540750 / ISIN DE0005407506
Ersol Solar Energy AG: ISIN DE0006627532
Conergy AG: ISIN DE 0006040025 / WKN 604002
Phönix SonnenStrom AG: ISIN DE000A0BVU93 / WKN A0BVU9
Q-Cells AG: ISIN DE0005558662 / WKN 555866
Reinecke + Pohl Sun Energy AG: ISIN DE0005250708 / WKN 525070
S.A.G. Solarstrom AG: ISIN DE0007021008 / WKN 702100
Solar-Fabrik AG: ISIN DE0006614712 / WKN 661471
Solar-Fabrik AG - Neue Aktien: ISIN DE000A0DRX11
SolarWorld AG: ISIN DE0005108401 / WKN 510840
Solon AG für Solartechnik: ISIN DE0007246308 / WKN 747119
Sunline AG: ISIN DE000A0BMP00 / WKN A0BMP0
Sunways AG: ISIN DE0007332207 / WKN 733220

Bilder: Photovoltaikanlage in Berlin-Mitte; Solarzellen auf dem Dach der Lehrter Bahnhofs in Berlin; transparente Solarzellen der Sunways AG an einem Ravensburger Parkhaus / Quelle: Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft
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