08.03.02 Nachhaltige Aktien , Meldungen

8.3.2002: Fritz Vahrenholt, REpower Systems AG: "Wir wollen Windkraftanlagen errichten, die mit geringer staatlicher Unterstützung wettbewerbsfähig sind"

Die Hamburger REpower Systems AG plant unter der Führung von Schroeder Salomon Smith Barney ein Listing am Neuen Markt. Weitere Konsortialmitglieder sind die Commerzbank sowie die Vereins- und Westbank. Die Zeichnungsfrist läuft vom 12. bis 22. März, die Erstnotiz ist für den 26. März 2002 geplant.
Das Unternehmen beschäftigt 270 Mitarbeiter in der Entwicklung, Lizenzierung, Produktion und dem Vertrieb von Windenergieanlagen. Seit Gründung der Repower AG wurden nach Unternehmensangaben 650 Windenergieanlagen gefertigt und installiert.
Über eine Mehrheitsbeteiligung an der Denker & Wulf AG profitieren die Hamburger auch vom Projektierungsgeschäft.

ECOreporter.de sprach mit Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, dem Vorstand der Repower Systems AG über die Situation des Unternehmens vor dem Börsengang.

ECOreporter.de: Wie kam es zur Gründung der REpower AG?

Vahrenholt: Die REpower Systems-Gruppe ist der Zusammenschluss fünf langjährig etablierter mittelständischer Unternehmen. Hintergrund des Zusammenschlusses ist, dass über gesellschaftsrechtliche und wirtschaftliche Verbindungen bereits in der Vergangenheit eine intensive Zusammenarbeit zwischen den fünf Unternehmen stattgefunden hat. Man entschloss sich deshalb, die Unternehmen zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenzuführen, um so Synergiepotentiale optimal nutzen zu können.

ECOreporter.de: Wie sieht das gemeinsame Geschäftsmodell konkret aus?

Vahrenholt: In der neuen Konzernstruktur wollen wir, ein breites Leistungsspektrum im Bereich Windenergie unter einem Dach vereinen: Von der Technologieentwicklung, der Lizenzierung, der Produktion über den Vertrieb von Windenergieanlagen bis zur Projektentwicklung von Windparks. Abgerundet wird die Geschäftstätigkeit durch einen umfassenden After-Sales-Service. Mit dieser unserer Gesamtkompetenz in der Windenergie und der Fokussierung auf die ertragsstarken Elemente der Wertschöpfungskette glauben wir, unseren ambitionierten Wachstumskurs erfolgreich umsetzen zu können.

ECOreporter.de: Wie hoch ist Ihr Marktanteil im Bereich der Windenergieanlagen als Hersteller und über die von Ihnen vergebenen Lizenzen? Wie schätzen Sie die Marktentwicklung in nächster Zukunft ein?

Vahrenholt: In Deutschland verfügen wir zum 31. Dezember 2001 über einen Marktanteil von rund fünf Prozent (exklusive Lizenzgeschäft). Im Bereich der Multimegawatt-Anlagen liegt unser Marktanteil deutlich höher: Inklusive der in Lizenz gebauten Anlagen liegt er in Deutschland bei etwa 16,4 Prozent, weltweit bei rund zehn Prozent.

ECOreporter.de: Sie haben die Zusammenarbeit mit der deutschen Nordex AG beendet. Welche Beweggründe führten Ihrerseits zu diesen Schritten?

Vahrenholt: Mit der Nordex AG sind wir 1999 eine Entwicklungskooperation für eine Offshore taugliche Anlage eingegangen. Die Kooperation ist Januar 2002 im beiderseitigem Einvernehmen beendet worden. Wir wollen das Entwicklungstempo beschleunigen und die fünf Megawatt-Anlage REpower 5M Anfang 2004 als Prototypen aufstellen.

ECOreporter.de: Mit welchen Windanlagenherstellern arbeiten Sie zur Zeit zusammen?

Vahrenholt: Unsere Technologien werden von einer Vielzahl nationaler und internationaler Windenergieanlagenhersteller in Lizenz gebaut. Dies gilt insbesondere für die Länder, in denen REpower derzeit weder Vertrieb noch Produktion aufbauen möchte. Zu unseren Lizenznehmern zählen die spanische Gamesa, die Südwind Energy GmbH - Tochter der Nordex AG -, die Fuhrländer AG, die französischen Hersteller Les Vents de France S.A.S. und Jeumont S.A.S. sowie die chinesischen Unternehmen Goldwind Sc. & Technologie Stock & Co. und Zhejiang Windey Technology Com. Erst kürzlich haben wir mit der japanischen Meidensha Corporation - einem der führenden Elektromaschinenbau-Unternehmen in Japan - eine weitere Kooperation vereinbart.

ECOreporter.de: Sie sind auf verschiedenen Gebieten des Windenergiemarktes tätig. Wo sehen Sie die attraktivsten Entwicklungsmöglichkeiten?

Vahrenholt: Die kommerzielle Nutzung vieler windreicher Gegenden wie etwa Schottland, Irland, Griechenland und die französische Atlantikküste beginnt gerade erst sich zu entwickeln. Eine Errichtung von Windenergieanlagen an günstigen Standorten in diesen Gegenden macht Windenergie bereits mit geringer staatlicher Unterstützung wettbewerbsfähig. Diese Märkte zu erschließen und so das Wachstumspotential zu nutzen, ist eines unser wichtigsten Ziele. Dabei sind wir davon überzeugt, dass die Kombination verschiedener Eintrittsstrategien wie die Gründung ausländischer Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie Joint Ventures und die Lizenzvergabe uns eine flexible und effektive Markterschließung ermöglicht.

ECOreporter.de: Was erwarten Sie von der Offshore-Technologie?

Vahrenholt: Offshore ist ein Thema mit dem wir uns intensiv befassen, da wir hier großes Potenzial für die Zukunft sehen. Ein Windpark auf dem Meer wird mit bis zu 1000 Megawatt Strommenge die Leistung eines konventionellen Kraftwerkes erreichen. Windenergie entwickelt sich mit unseren Technologien zur großindustriellen Anwendung.

Auch das sogenannte Repowering, der Ersatz älterer Anlagen durch größere und wirtschaftlichere Modelle, ist ein Marktsegment, das gerade für Länder wie Deutschland, die mittelfristig einen hohen Sättigungsgrad aufweisen werden, sehr interessant sein wird. Das Repowering-Potential in Deutschland beträgt nach unseren Schätzungen in den Jahren 2002-2006 über 500 Megawatt.

Mit dem Fokus auf die Multi-Megawatt-Klasse (größer als 1 MW) und insbesondere auf die 5 Megawatt-Anlage haben wir uns eine vielversprechende Ausgangslage für diese Zukunftsmärkte geschaffen.

ECOreporter.de: Wie haben sich Umsatz und Gewinn (EBIT) der REpower AG seit dem Bestehen Ihres Unternehmens entwickelt?

Vahrenholt: Unsere Wachstumsrate von 1999 bis 2001 liegt bei 70 Prozent. Wir haben 2001 einen Umsatz von über 140 Mio. Euro und eine zweistellige EBIT-Marge realisieren können. Die genauen Zahlen werden wir in den nächsten Tagen bekannt geben.

ECOreporter.de: Welche Zielmarken haben Sie sich für das Jahr 2002 gesetzt?

Vahrenholt: Das Marktwachstum wird von Experten auf über 20 Prozent geschätzt. Wir wollen in den nächsten Jahren Wachstumsraten von über 50 Prozent erreichen.

ECOreporter.de: Sie wollen mit der REpower AG noch in der ersten Hälfte des Jahres 2002 an den Neuen Markt gehen. Können Sie uns schon näheres über den geplanten Termin und den Umfang der in diesem Zusammenhang fälligen Kapitalerhöhung sagen?

Vahrenholt: Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir Ihnen derzeit noch keine konkreten Informationen geben können.

ECOreporter.de: Nennen Sie uns drei Kernziele, die REpower im laufenden Geschäftsjahr erreichen will!

Vahrenholt: Erstens: Geographische Expansion nach Griechenland, Frankreich, Spanien, Italien und in das außereuropäische Ausland.
Zweitens: Einführung eines neuen Anlagentyps MM70 mit einer Nennleistung von 2 Megawatt.
Drittens: Ausbau der Marktposition in Deutschland

ECOreporter.de: Wo sehen Sie die REpower AG in drei Jahren?

Vahrenholt: Wir werden ein Produktportfolio von 1,5, 3 und 5 Megawatt-Anlagen haben. Wir werden die ersten Offshore-Anlagen ins Meer bauen. Wir wollen die Benchmark für erfolgreiche Windenergieunternehmen sein.

ECOreporter.de: Herr Vahrenholt, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bilder: Fritz Vahrenholt; Montage: Zukunftsvision Offshore (Quelle: REpower)
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