08.03.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

8.3.2004: Wochenrückblick: farmatic-Kurs nach Insolvenzantrag kompostreif, Windanlagenhersteller REpower in Gewinnflaute, Beate Uhse weiter scharf auf Condomi

Die vergangene Woche brachte den Aktienindizes steigende Notierungen. Der DAX und der TecDAX kletterten um drei Prozent, der japanische Nikkei-225 legte vier Prozent zu. Um ein Prozent stieg der US-amerikanische Nasdaq Combined Composite Index, während der Dow Jones Industrial Average unverändert zur Vorwoche notiere. Der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar schwankte erneut heftig. Am Donnerstag fiel der Euro auf 1,213 Dollar, klettterte am Freitag aber wieder auf über 1,24 Dollar. Der Schlusskurs von 1,237 Dollar liegt ein Prozent unter dem Vorwochenstand.

Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat ein Gutachten zum Verhältnis zwischen dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) und dem künftigen Emissionshandel veröffentlicht. Der Beirat zieht dort aus verschiedenen Annahmen den Schluss, dass bei einem funktionierenden Emissionshandel das EEG nichts beitrage, um Kohlendioxid-Emissionen zu vermindern. Es würde im Gegenteil diese Emissionen subventionieren und zur "Verteuerung der gesamten Stromerzeugung um fast ein Drittel" führen. Das EEG solle abgeschafft werden, fordert der Beirat.

Der Bundesverband Erneuerbare Energien e.V. (BEE) kritisierte an dem Gutachten, dass es von falschen Annahmen ausgehe und wesentliche volkswirtschaftliche Effekte außer Acht lasse. Zudem sei es in sich widersprüchlich, so der BEE. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warf dem Beirat des Bundesministeriums Täuschung der Öffentlichkeit vor. Das Gutachten sei irreführend, es verbreite Falschmeldungen und habe mit Wissenschaftlichkeit nichts zu tun.

Die farmatic biotech energy AG hat am 3. März Antrag auf Insolvenz gestellt. Der Nortorfer Hersteller von Biogaskraftwerken, 1963 gegründet, steht seit Monaten in einem tiefgreifenden Restrukturierungsprozess. Die Banken hätten dem vorgelegten Finanzierungskonzept aber nicht zugestimmt, sagte Vorstandsvorsitzender Armin Weiß zu ECOreporter.de. So sei man gezwungen gewesen, Insolvenz zu beantragen. Die Gespräche mit den Banken, die bereits seit Sommer 2003 laufen, sollen Weiß zufolge fortgeführt werden. Es sei Ziel, das Unternehmen im Rahmen des Insolvenzplanverfahrens dauerhaft zu sanieren. Die Börse hatte den Handel der farmatic-Aktie zeitweilig ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels brach der Kurs bis auf 0,30 Euro ein. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 0,42 Euro, das ist weniger als die Hälfte des Vorwochenstands.

Helmut Lamp, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands BioEnergie e.V., äußerte sich "bestürzt" zur Pleite des Biogas-Unternehmens. Er forderte die Politik auf, schnellstens das novellierte EEG mit inhaltlichen Verbesserungen zu verabschieden und "der arg gebeutelten bundesdeutschen Bioenergiebranche die dringend benötigte Investitionssicherheit mit verlässlichen Rahmenbedingungen" zu geben. Lamp ist Mitglied der CDU-Fraktion des Bundestags.

Der Windturbinen-Hersteller REpower Systems AG legte die vorläufgen Ergebnisse des Geschäftsjahrs vor. Die Gesamtleistung lag den Angaben zufolge bei 295 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) wurde mit rund 13 Millionen Euro angegeben. Im Jahr 2002 hatte REpower eine Gesamtleistung von 251 Millionen und ein EBIT von 26,1 Millionen Euro erzielt. Noch im November 2003 hatte Finanzvorstand Jens-Peter Stöhr bei der Vorlage der Quartalszahlen bekräftigt, die Ziele wie geplant zu schaffen: Die Gesamtleistung sollte 290 Millionen und das EBIT 25 Millionen Euro erreichen. Allerdings nannte Stöhr damals schon Unsicherheitsfaktoren. REpower führte nun die drastische Verfehlung der EBIT-Prognose auf einen Margenrückgang im vierten Quartal zurück. Für diesen macht der Vorstand des Hamburger Unternehmens die anhaltende Verunsicherung des Marktes aufgrund der politischen Kontroverse über das EEG verantwortlich. Darüber hinaus habe es erhöhte Aufwendungen für die Entwicklung des Auslandsgeschäftes sowie für die Einführung neuer Produkte - darunter die 5 Megawatt-Anlage "5M" - gegeben. REpower wies darauf hin, dass man in einem schrumpfenden Markt den Marktanteil habe ausbauen können. Das Ergebnis pro Aktie werde voraussichltich 1,20 Euro betragen. Es werde eine konstante Dividende von 0,60 Euro vorgeschlagen. Die Aussichten für das Jahr 2004 seien positiv, man erwarte ein "moderates Umsatzwachstum und eine leicht verbesserte Ertragslage", hieß es. REpower sackten an der Frankfurter Börse um 15 Prozent auf 17,55 Euro ab. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg empfahlen, die Aktie zu "verkaufen". Sie begründeten ihr Votum mit dem Verfehlen des EBIT-Ziels und den nur gemäßigten Aussichten für das Jahr 2004.

Das Deutsche Windenergie-Institut (DEWI) hat im Auftrag der Hamburg Messe und Congress GmbH Windenergiefirmen zu deren mittel- und langfristiger Markteinschätzung befragt. Die Ergebnisse zeigen langfristigen Optimismus in der Branche. Für das Jahr 2012 wird eine weltweit installierte Leistung von 150.000 Megwatt (MW) erwartet. Momentan sind es 40.000 MW. In Deutschland sollen bis dahin 22.600 MW auf dem Land (jetzt 14.600) und zusätzlich 6.800 MW in Nord- und Ostsee (offshore) installiert sein. Voraussetzung für die günstige Entwicklung sei nach Einschätzung der befragten Firmen, dass die politischen Rahmenbedingungen nicht grundlegend geändert werden. Das Offshore-Geschäft in Deutschland sieht man jedoch erst im Jahr 2006 anspringen; bis dahin rechnen die Unternehmen mit weiter schrumpfenden Neuinstallationen im Binnenland. Danach würde sich allerdings ein riesiger Markt auftun, allein in den deutschen Küstengewässern könnte die installierte Windenergieleistung bis zum Jahr 2030 auf 30.500 MW steigen. Die vollständige Studie soll auf der Fachmesse WindEnergy 2004 im Mai der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Das vorläufige Jahresergebnis der Berliner Solon AG für Solartechnik weist ein positives EBIT von 88.000 Euro aus. Im Vorjahr war noch ein Verlust von zwei Millionen Euro angefallen. Das Konzernergebnis liegt mit minus 0,9 Millionen Euro jedoch immer noch deutlich im roten Bereich. Hier wirkt sich vor allem das negative Finanzergebnis aus. Der Produktionsausstoß wurde gegenüber dem Vorjahr auf 11,3 MW mehr als verdoppelt, der Umsatz stieg um 60 Prozent auf 36 Millionen Euro. Im laufenden Jahr will der Solarmodul-Hersteller eine Jahresproduktionsmenge von 20 bis 25 MW erreichen. Die Solon-Aktie wurde in der Spitze bis zu 6,45 Euro gehandelt. Der Schlusskurs von 5,40 Euro bedeutet eine Wochensteigerung um acht Prozent.

Der Solarkraftwerk-Betreiber S.A.G. Solarstrom AG meldete die Verlegung des Tochterunternehmens S.A.G. Franchise GmbH an den Sitz der Konzernzentrale in Freiburg. Mit dieser Maßnahme sollen jährlich Kosten von 100.000 Euro gespart werden. Das Unternehmen hat im Jahr 2003 4,5 Millionen Euro umgesetzt und rechnet nach eigenen Angaben in diesem Jahr mit einem Umsatz von cirka sieben Millionen Euro. Dazu sollen unter anderem Solarfonds aufgelegt werden, an denen sich Anleger mit Beträgen ab 1.000 Euro beteiligen können. S.A.G. kletterten um vier Prozent auf 2,16 Euro.

Der Flensburger Erotikkonzern Beate Uhse AG, der die vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt hat, hat sein Interesse an einer Übernahme der Kölner Condomi AG bekräftigt. Condomi bediene die "interessante" Kundengruppe der 18 bis 35jährigen und verkaufe seine Produkte über Kanäle, die der Flensburger Konzern nicht habe,so der Beate-Uhse-Vorstandsvorsitzende Otto Christian Lindemann. Diese Kanäle, genannt wurden Drogerien und der Discounter Lidl, würde Beate Uhse nach den Worten von Lindemann gern für die eigenen Produkte nutzen. Die Schulden der condomi AG wolle man allerdings nicht übernehmen. Man fühle sich in einer komfortablen Situation und verhandele derzeit mit den Banken über die Übernahme. Die condomi-Aktie gab auf 2,75 Euro nach, Beate Uhse stiegen kräftig auf 12,58 Euro an.

Der Schweizer Mischkonzern Sulzer AG meldete leicht gesunkene Umsätze für das vergangene Jahr. Mit 1,826 Milliarden Schweizer Franken lagen sie bereinigt drei Prozent niedriger als im Jahr 2002. Das EBIT erreichte nur 62 Millionen, nach 136 Millionen Franken im Vorjahr. Sulzer führt den Einbruch auf Umstrukturierungskosten und andere Einmalaufwendungen zurück. Es werde eine unveränderte Dividende von sechs Franken pro Aktie vorgeschlagen. Die kleine Brennstoffzellen-Sparte Sulzer Hexis (Umsatz zwei Millionen Franken) verursachte Kosten von 16 Millionen Franken. Im laufenden Jahr sollen weitere Tests der Systeme unter realen Bedingungen erfolgen, so dass anschließend an die Kommerzialisierung gedacht werden könne. Zuverlässigkeit und Lebensdauer der für den Hausgebrauch vorgesehenen Anlagen hätten bereits deutlich verbessert werden können, hieß es. Sulzer verteuerten sich um drei Prozent auf 328,50 Franken.

Der Jahresabschluss der kanadischen Trojan Technologies Inc. weist Umsätze von 113,1 Millionen Dollar aus. Das ist ein Zuwachs von 22 Prozent gegenüber dem Vergleichsjahr 2001/2002. Unter dem Strich steht ein Nettoverlust von 6,4 Millionen oder 0,29 Dollar pro Aktie. Das Ergebnis ist durch 12,5 Millionen Dollar Einmaleffekte belastet, deren größte Position Kosten für eine "abgebrochene Transaktion" sind. Im Vergleichsjahr war noch ein Gewinn von 3,7 Millionen Dollar angefallen. Aufbauend auf einem guten Auftragsbestand, will der Hersteller von chemikalienfreien Wasseraufbereitungsanlagen im laufenden Jahr 20 Prozent mehr umsetzen und zu besserer Profitabilität zurückkehren. Trojan sanken in Toronto um fünf Cent auf 7,95 Kanadische Dollar. Umgerechnet in Euro, stieg der Wert der Aktien um sechs Cent auf 4,86 Euro.

Hydrogenics Corp. berichtete vorläufige Jahresumsätze von 26,7 Millionen US-Dollar, was eine Steigerung um 68 Prozent darstellt. Der Nettoverlust des noch ungeprüften Abschlusses weist eine Verschlechterung um sieben Prozent auf 22,1 Millionen Dollar auf. Hydrogenics gaben sieben Prozent auf 7,94 Kanadische Dollar ab.

Evergreen Solar Inc., US-amerikanischer Hersteller von Solarzellen, meldete für das abgeschlossene Geschäftsjahr Umsätze von 7,7 Millionen Dollar - eine Steigerung um 45 Prozent. Der Verlust hat sich um neun Prozent auf 15,2 Millionen Dollar ausgeweitet. Das schlechte Ergebnis wird mit den Maßnahmen begründet, die zur Ausweitung der Produktion getroffen wurden. Im laufenden Jahr sollen die Voraussetzungen geschaffen sein, um den Ausstoß vervierfachen zu können. Im Auge habe man besonders den Absatzmarkt Deutschland, sagte Mark A. Farber, Direktor für Marketing und Geschäftsentwicklung. Man habe deshallb drei weitere Marketing-Spezialisten eingestellt. Evergreen sanken zwei Prozent auf 2,46 Dollar.

US-Finanzminister John Snow hat Gerüchte zurückgewiesen, dass die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac unmittelbar vor einer Krise stünden.

Ohne dass neue Nachrichten bekannt geworden wären, gab es kräftige Kurszuwächse bei einigen amerikanischen Aktien. Natural Alternatives International Inc. stiegen um 25 Prozent auf 9,62 Dollar. Plug Power Inc., die in der Vorwoche stark eingebrochen waren, legten wieder 19 Prozent auf 8,42 Dollar zu. Der Kurs des Solar- und Medizintechnik-Herstellers Spire Corp. erhöhte sich um 17 Prozent auf 5,42 Dollar. An der Frankfurter Börse kletterten zwei Solarwerte: Sunways AG verteuerten sich um 16 Prozent auf 3,12 Euro, Solar-Fabrik AG legten 13 Prozent auf 4,30 Euro zu. In Wien stieg die Aktie der SW Umwelttechnik AG infolge weniger Transaktionen um 15 Prozent auf 25 Euro.

CCR Logistics Systems AG (ISIN DE0007627200 / WKN 762720)
condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
Fannie Mae (ISIN US3135861090 / WKN 856099)
farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)
Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)
Natural Alternatives International Inc. (ISIN US6388423021 / WKN 880900)
Plug Power Inc. (ISIN US72919P1030 / WKN 928999)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
S.A.G. Solarstrom AG (ISIN DE0007021008 / WKN 702100)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Spire Corp. (ISIN US8485651074 / WKN 870534)
Sulzer AG (ISIN CH0002376454 / WKN 854367)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
SW Umwelttechnik AG (ISIN AT0000808209 / WKN 910497)
Trojan Technologies Inc. (ISIN CA8969241071 / WKN 902023)

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.

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