08.03.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

8.3.2006: Strom für Aluminiumschmelzhütte soll vollständig aus Geothermie stammen - Dunkler Schatten hinter einem auf den ersten Blick nachhaltigen Projekt

Der weltweit führende Aluminiumhersteller Aluminium Company of America (Alcoa) bereitet auf Island den Bau einer Aluminiumschmelzhütte vor, die ihren Strom fast ausschließlich aus Geothermie bezieht. Das meldet ein australisches Wirtschaftsportal. Demnach beteiligt sich der Konzern an einer Machbarkeitsstudie der isländischen Regierung für das Projekt, das bis 2010 umgesetzt werden soll. Bernt Reitan, Executive Vice President von Alcoa strich gegenüber dem Portal heraus, dass sein Unternehmen sich um ein nachhaltiges Wirtschaften bemühe und es als besondere Herausforderung betrachte, solch eine Produktionsstätte mit regenerativer Energie zu versorgen. Island kann auf ein großes Potential an Erdwärme zurückgreifen, das auf der Insel bereits seit langem intensiv genutzt wird. Die Inselregierung versucht seit Jahren, durch ein Angebot an preiswertem Geothermiestrom die energieintensive Aluminiumindustrie ins Land zu holen.

Gerade die Aktivitäten von Alcoa auf Island haben jedoch den Ruf des Konzern in den letzten Jahren stark beschädigt. ECOreporter.de hatte ausführlich darüber berichtet, dass Umweltschützer den Aluminiumhersteller hart für sein Projekt im isländischen Karahnjukar kritisierten. Um ein Aluminiumschmelzwerk von Alcoa mit Strom zu versorgen, wird dort bis voraussichtlich 2007 für 1,1 Milliarden Dollar ein Staudamm-Projekt durchgeführt, dem eines der letzten Wildnisgebiete Europas mit seltenen Vogel- und Pflanzenarten zum Opfer fällt. Durch den Bau von neun Staudämmen und drei Reservoirs werden nach Angaben von Umweltschutzorganisationen wie urgewald mit der Dimmugljufur Schlucht der Grand Canyon Islands, dazu rund 60 Wasserfälle sowie außergewöhnliche geologische Formationen überflutet oder durch Flussumleitungen ausgetrocknet. Wir berichteten über die Kritik an dem Alcoa-Projekt und darüber, wie Nachhaltigkeitsfonds darauf reagierten, im ECOreporter.de-Beitrag vom März 2005.

Unter anderem diese Vorwürfe führten dazu, dass der US-Konzern vor einem halben Jahr aus dem prominenten Nachhaltigkeitsindex DJSI World ausgeschlossen wurde. Allerdings haben die Ratingagentur Innovest und das Corporate Knights Magazine, ein kanadischen Fachmagazin für Nachhaltigkeit, Alcoa kürzlich als eines der 100 börsengelisteten Blue-Chip-Unternehmen weltweit ausgezeichnet, die sich durch eine vorbildliche und konsequent durchgeführte Nachhaltigkeitsstrategie auszeichnen.

Bildhinweis: Licht und viel Schatten: Produktionsstätte von Alcoa und Konzernzentrale in Pittsburg / Quelle: Unternehmen
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