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8.9.2006: Umweltschutzorganisation Robin Wood protestiert weiter gegen Kooperation von Procter&Gamble mit der brasilianischen Aracruz - Sprecherin gegenüber ECOreporter.de: "Kein Tempo- oder Procter-Thema"

Der öffentliche Protest der Umweltschutzorganisation Robin Wood gegen den US-amerikanischen Konsumgüterriesen Procter&Gamble (P&G ) geht weiter. Das in zahlreichen Nachhaltigkeitsfonds enthaltene Unternehmen "braucht Nachhilfe beim Rohstoffeinkauf", erklärt Robin Wood. Aktivisten der Umweltschutzorganisation kippten am Mittwoch rund drei Tonnen Altpapier vor das Haupttor des Tempo-Werks von Procter in Neuss. Der Vorwurf der Protestierer an den Konzern: Procter&Gamble kaufe für seine Hygienepapiermarken Tempo, Charmin und Bess Zellstoff bei Aracruz-Cellulose in Brasillien. Der Zellstoffgigant Aracruz habe in Brasilien großflächig Regenwald für Eukalyptus-Monokulturen kahl geschlagen und Indianer mit Gewalt von ihrem Land vertrieben. Als umweltfreundliche Alternative zu Frischfaser-Zellstoff, für den Bäume gefällt werden, empfehlen die Umweltschützer den Einsatz von Altpapier bei der Produktion von Taschentüchern und Klopapier. Robin Wood hatte schon Anfang Mai in Deutschland gegen die Einkaufspolitik von P&G protestiert. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag vom 6.5.2006: "Gar nicht sauber: Robin Wood und brasilianische Indianer protestieren gegen Einsatz von Zellstoff aus Eukalyptus-Monokulturen für Tempo-Taschentücher".

Aracruz habe bereits während der brasilianischen Militärdiktatur in den 70er Jahren den an der Atlantikküste lebenden Tupinikim- und Guarani-Indianern Land geraubt und verweigere bis heute die Rückgabe, so Robon Wood weiter. Dies gegen den entschiedenen Widerstand der Indianer. Der Zellstoffhersteller habe zudem Einspruch gegen das Vorhaben der brasilianischen Regierung eingelegt, den Indianern ein 11.000 Hektar großes Gebiet zurück zu geben, das laut Studien der Indianerbehörde FUNAI eindeutig indigenes Territorium sei. Die Indianer fürchteten nun, dass sie weiter auf Jahre vertröstet werden sollen und so zum Spielball der Interessen der Papierindustrie werden.

Petra Popall, Leiterin Presse und Medien in der Unternehmenskommunikation von P&G vertritt eine andere Sicht der Dinge: "Wir haben es hier nicht mit einem Tempo- oder Procter-Thema zu tun", sagt sie im Gespräch mit ECOreporter.de. Man habe die von Robin Wood vorgebrachten Vorwürfe gegen Aracruz sorgfältig geprüft und bei einem Experten-Treffen mit Vertretern von P&G und Robin Wood sowie anderer NGOs (Nichtregierungsorganisationen) ausführlich diskutiert.

"P&G möchte, wie allen anderen auch, eine nachhaltige und friedliche Lösung der Landstreitigkeiten zwischen den Tupinikim und Guarani und dem Zellstofflieferanten Aracruz", betont die Sprecherin. Beide Parteien würden mit jeweils nachvollziehbaren Argumenten Anspruch auf das betroffene Gebiet erheben. Eine Entscheidung, die von beiden Seiten akzeptiert werde, könnten nur die verfassungsmäßig zuständigen Institutionen Brasiliens herbeiführen. Nur so lasse sich Rechtssicherheit herstellen und eine nachhaltige und friedliche Lösung des Konfliktes erreichen.

Robin Wood will sich damit nicht zufrieden geben. Bei einem Treffen mit dem P&G-Vizepräsidenten James Lafferty in Wien habe Das Unternehmen erstmals eingeräumt, eine Mitverantwortung in dem Konflikt zu haben. P&G weigere sich jedoch, seine Geschäftsbeziehungen mit Aracruz bis zur Lösung der Landrechtsstreitigkeiten auf Eis zu legen. Für Hygienepapierproduzenten wie P&G gebe es zudem eine umweltfreundliche Alternative zu Zellstoff aus Frischfasern, so Robin Wood. Die Firmen könnten Altpapier einsetzen. Tatsächlich sei P&G aber der einzige der großen Hygienepapierhersteller am deutschen Markt, der überhaupt keine Produkte aus Recyclingpapier für den Einzelhandel produziere.

Procter & Gamble: ISIN US7427181091 / WKN 852062

Bildhinweis: Aufforstungsprojekt im lateinamerikanischen Regenwald / Quelle: Futuro Forestal
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