09.10.07 Fonds / ETF

9.10.2007: Nachhaltigkeitsfonds-News: „Sinnvolle Diversifikation zu anderen Anlageklassen“ - Kirchenbank schiebt Mikrofinanz-Fonds an

Kleinkredite sind ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Geld, das mit ethischen Anliegen eingesetzt ist, nachhaltig wirkt. Die Auszeichnung des Mikrofinanzpioniers Mohammed Yunus und seiner Grameen Bank mit dem Friedensnobelpreis hat ein Schlaglicht auf die so genannten Mikrokredite geworfen. Sie bewegen vor allem in den armen Regionen der Welt viel: Einer Schneiderin in Indien genügt schon ein Darlehen von einigen Dutzend Euro, um eine Nähmaschine zu kaufen und damit eine Existenz aufzubauen. Für herkömmliche Banken sind solche Kunden, die selten Sicherheiten anbieten können, meist nicht interessant. Zumal ein Darlehen von 100 Euro kaum weniger Verwaltungskosten verursacht als eines von 100.000 Euro – aber weit weniger einträglich ist. Doch ein Großteil der Bevölkerung in Entwicklungs- und Schwellenländern lebt nicht einmal in der Nähe einer Bank. Sie sind auf manchmal dubiose Geldverleiher mit oft überhöhten Zinssätzen angewiesen und geraten leicht in eine Schuldenfalle. Dieses Problem hatte Muhammad Yunus als Professor der Universität Chittagong in Bangladesh in den 70er Jahren des letzten Jahrtausends untersucht. Ein von ihm entworfenes Kreditprogramm gewährte einigen Tausend armen Menschen Darlehen von meist unter 100 Dollar. Das für viele Experten erstaunliche Ergebnis: Nahezu 100 Prozent der Kredite wurden pünktlich zurückgezahlt. Aber wie das Wirtschaftsleben dann so spielt: Die Banken weigerten sich am Ende der Pilotphase, das Projekt zu übernehmen. Das Risiko schien ihnen weiterhin zu hoch, die Gewinnmarge zu gering. Yunus gründete 1983 dann mit der Hilfe von internationalen Gebern die Grameen Bank. Sie hat inzwischen rund sieben Millionen Mikrofinanz-Kredite vergeben. Ihr Ansatz: Banking for the ‚unbankable‘. Einige andere Banken haben seither das Mikrokreditwesen für sich entdeckt – so auch die Bank im Bistum Essen (BiB).

Das Finanzinstitut mit einer Bilanzsumme von über drei Milliarden Euro wurde vor 40 Jahren auf Initiative des Bistums Essen gegründet; es ist bundesweit tätig. Zu seinen Kunden zählen neben Kirchen, kirchlichen Einrichtungen und Verbänden auch Krankenhäuser und Versorgungswerke und die dort beschäftigten Arbeitnehmer. Aus der Verbindung zur Kirche resultieren die ethischen Grundsätze, nach denen die Bank ihre Geschäfte ausrichtet. Ihr Engagement im Bereich Mikrofinanz fuße auf zwei Beinen, erläutert Thomas Homm, Anlageexperte der BiB: Zum einen vergebe sie Mittel an ein Mikrofinanzinstitut in Nicaragua, stelle über diese also direkt vor Ort Mittel für Klein- und Kleinstkredite an Bevölkerungsschichten zur Verfügung, die sonst keinen Zugang zu Kreditmitteln haben. Dahinter steckt laut Homm die kirchliche Verbindung zu Hilfswerken in dem mittelamerikanischen Land. „Deutlich unter einer Million“ liege der zur Verfügung gestellt Betrag, so Homm. Zum anderen setzt die Bank auf ein Produkt der responsAbility AG aus Zürich in der Schweiz. Die Gesellschaft ist spezialisiert auf soziale Investments in Entwicklungsländern. „Wir haben auf dem Markt intensiv nach einem Partner gesucht; die Schweizer haben uns im Vergleich am meisten überzeugt“, erklärt Homm. Eigenen Angaben zufolge ist responsAbility sowohl im Finanzmarkt als auch in der Entwicklungszusammenarbeit stark verankert. Zu ihren Gründern zählt die Credite Suisse, Investmentpartner ist unter anderem die Internationale Projekt Consult GmbH (IPC) und die ProCredit Holding (ehemals IMI Holding AG), eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft von Mikrofinanzinstitutionen. Wie Homm erläutert, gab das „gute Netzwerk“ neben dem Risikomanagement und dem inhaltlichen Konzept für die Auswahl der BiB den Ausschlag bei der Wahl der responsAbility. Mit ihren Produkten und Dienstleistungen biete sie privaten und institutionellen Investoren Anlagen, die neben einem finanziellen Ertrag zusätzlich einen gesellschaftlichen Nutzen bieten. Mit dem responsAbility Mikrofinanzfonds (SICAV, Luxemburg) hat sie nun ein neues Mikrofinanz-Anlageprodukt auf den Markt gebracht. Kooperationspartner sind die Stadtsparkasse Düsseldorf und die BiB, über sie können Anleger in den Fonds einsteigen.

Aus Sicht der Kirchenbank spricht vieles für dieses Anlageprodukt, in das sie laut Thomas Homm selbst zweistellige Millionenbeiträge investiert hat. Insgesamt wurde von den beiden beteiligten Finanzinstituten ein Startkapital in der Höhe von 20 Millionen Euro bereitgestellt - unter anderem, um das Produkt „ins Laufen“ zu bringen, so Homm. Neben dem großen Marktpotential und der „sinnvollen Diversifikation zu anderen Anlageklassen“ sei auch die „einzigartige Länderallokation“ (36 Staaten) ein Plus des Fonds. Dieser investiere rund zur Hälfet in Lateinamerika, zu 23 Prozent in Osteuropa und zu 20 Prozent in Asien. Aufgrund der politischen Hindernisse und Unwägbarkeiten in Afrika entfalle auf diesen Kontinent nur ein Anteil von 6 Prozent, erläutert Homm. Seine Bank ermöglicht auch ihren Kunden das Investment in den Mikrofinanzfonds. Die Mindestanlage beträgt zehn Anteile zu 100 Euro. Institutionelle Kunden haben die BiB angeregt, in das Mikrofinanzwesen einzusteigen. Anstatt eigene Kompetenzen dafür aufzubauen, habe man sich entschieden, auf einen erfahrenen Dienstleister zu setzen. Die BiB will zunächst die Kunden für das Thema interessieren und sich vor allem dafür einsetzen, dass in Deutschland die rechtlichen Grundlagen für Mikrofinanzfonds nach deutschem Recht geschaffen werden. Das soll helfen, mit Mikrokrediten einen Beitrag zur Armutsreduktion und Entwicklung in anderen Teilen der Welt zu leisten.

Bildhinweis:
Kleine Summen können große Wirkung haben: Zielgruppe von Mikrokrediten sind Kunden wie diese Straßenhändlerinnen in Kinshasa. / Quelle: Procredit;
Schalterhalle der Bank im Bistum Essen / Quelle: Unternehmen
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