09.01.03

9.1.2003: Das Dosenpfand macht"s möglich: Rosige Aussichten für Automatenhersteller

Nach eigenen Angaben erwartet der Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft (BDV), dass wegen der Einführung des Dosenpfands bundesweit mindestens 40 000 neue Rücknahme-Automaten für Getränkedosen aufgestellt werden müssen. "Wir rechnen mit einem Investitionsvolumen von mehr als einer Mrd. Euro", sagte BDV-Geschäftsführer Norbert Monßen. "Noch ist aber nicht zu erkennen, dass die großen Spieler wie Metro, Aldi oder Lidl zu einer einheitlichen Lösung kommen wollen". Berichte, wonach Aldi und Lidl wieder Getränkedosen in ihr Sortiment aufnehmen wollen, waren inzwischen von beiden Unternehmen dementiert worden.

So ist noch immer offen, welches Automaten-System einheitlich eingeführt wird, wie die Dosen gekennzeichnet und wie Sicherheitslücken begrenzt werden sollen. Laut der Süddeutschen Zeitung herrscht immerhin darüber Einigkeit, dass es eine zentrale Clearingstelle zum Abrechnen und Auszahlen der Milliarden-Pfandbeträge geben muss. "Wir brauchen ein einheitliches Label auf alle bepfandeten Dosen und Plastikflaschen", meint Hubertus Pellengahr der Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE).

Die von Handel und Brauereien beauftragte Unternehmensberatung Roland Berger erklärte, zusätzliche Sicherheitssysteme auf den Verpackungen seien unverzichtbar. Ansonsten drohe beim Dosenpfand ein Betrugsrisiko im Volumen eines dreistelligen Millionen-Betrags. Nach Einschätzung von Experten könnten Abfüller zu geringe Mengen an die zuständigen Abrechnungsstellen melden, Verbraucher könnten Kennzeichnungen fälschen oder Dosen aus dem Ausland einlösen.

Diesen Ansprüchen gerecht werden könnte beispielsweise die Tomra Systems ASA (WKN 872535), ein norwegisches Unternehmen mit deutscher Niederlassung in Hilden bei Düsseldorf. Die Automaten des Weltmarktführers haben sich unter anderem in Schweden bewährt, seit 1984 Musterland des Dosenpfands. Wie der Konzern berichtet identifizieren Rücknahmeautomaten von Tomra Barcode, Form, Gewicht, Material sowie Herstellerland und zahlen das Pfand für jede anerkannte Dose aus. Bereits in der Maschine wird die Dose zerdrückt, damit sie nicht noch ein zweites Mal zurückgegeben werden kann.

Eine andere Lösung bietet die Viersener RWE-Tochter Deutsche Pfand AG an, die auf ein Gutschrift-System mit Pfandmarken setzt. Sie will die bereits existierenden 80.000 Altglascontainer nutzen und zusätzlich 20.000 Spezial-Container für PET-Flaschen und Dosen aufstellen. Auch die Münchener Firma CCR Logistic Systems (WKN 762720) hat Pfandsysteme entwickelt. Insgesamt wollen zwischen 15 und 25 Unternehmen Rücknahmeautomaten herstellen.

Unterdessen will Bundesumweltminister Jürgen Trittin noch in diesem Monat mit den Ländern über die Erweiterung der Verpackungsverordnung beraten. Im Gespräch ist der "Welt" zufolge ein generelles Pfand auf alle Getränkedosen und Einwegflaschen. Die Argumente Trittins gegen ein Pfand auf Einwegflaschen für Wein und Spirituosen erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer Presseerklärung für nicht haltbar. Wein- und Spirituosenflaschen seien mit verantwortlich für das Absinken der Mehrwegquote und das Vermüllen der Landschaft. Das Pflichtpfand solle künftig auf alle Einweg-Verpackungen einschließlich Weinflaschen, Spirituosen und Getränkekartons erhoben werden. Es gehe darum, dem Trend zum Ex und Hopp entgegenzutreten und mehr Kreislaufwirtschaft durchzusetzen. Mehrweg schone die natürlichen Ressourcen am Besten, stärke regionale Märkte und vermeide dadurch lange Transportwege. Ähnlich argumentiert auch Gerd Billen, Geschäftsführer des Naturschutzbundes NABU. Er warnt davor, ein großes Potenzial zum dauerhaften Angebot von Mehrwegsystemen ohne Not zu verschenken.

Inzwischen rechnet sogar der Grüne Punkt nicht mehr mit einem Preis-Anstieg seiner Dienstleistungen durch die Einführung des Dosenpfandes. Die "Duales System Deutschland AG" (DSD) änderte ihre Angaben vom Montag und erklärte jetzt, der Grüne Punkt werde sogar preiswerter.
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