09.12.02

9.12.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Kursmanipulationen bei SGL Carbon - "Wer hier an Zufall glaubt, gehört nicht an die Börse" - Steigendes Interesse an Solarstromanlagen

(H.K.) Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte gesenkt. Volkswirte erhoffen sich von dieser Maßnahme eine Belebung der Investitionen und des Konsums, was wiederum die Konjunktur stärken soll (neben stehend der Dreimonatschart der SGL Carbon-Aktie).
In den USA sind die Leitzinsen bereits seit einiger Zeit auf langjährigen Tiefständen. Mit den angekündigten Rücktritten des US-Finanzministers und des Wirtschaftsberaters der US-Regierung deutete sich im Wochenverlauf an, dass die amerikanische Wirtschaft in größeren Schwierigkeiten steckt als bisher angenommen. Der Tonfall des Weißen Hauses gegenüber dem Irak hat sich erheblich verschärft, wodurch auch die Kriegsgefahr wieder deutlicher ins Blickfeld der Marktteilnehmer rückte.

Die wichtigen Börsenindizes Deutschlands und der USA verloren in der vergangenen Woche jeweils rund drei Prozent. In Japan, dessen Industrie stark vom Export abhängig ist, sank der Index Nikkei-225 um vier Prozent ab. Der Preis für Rohöl ist weiter gestiegen.

Rudolf Heinz, ehemaliger Chefanalyst der Deutschen Bank, machte in einem Interview bei Consors Capital auf betrügerische Methoden der Kursbeeinflussung aufmerksam. Die Aktie der SGL Carbon AG (WKN 723530), eines Unternehmens mit rund 900 Millionen Euro Jahresumsatz, habe in den letzten Monaten drei Viertel ihres Werts verloren. Heinz zufolge haben Leerverkäufer auf sinkende Kurse spekuliert; ein Artikel im "Handelsblatt" mit erfundenen Anschuldigungen gegen den Konzern habe dann den dramatischen Kursverlust ausgelöst. Leerverkäufe sind Transaktionen, die bei fallenden Kursen Gewinn bringen. Der Analyst wies auf gleichartige Abläufe auch bei anderen Aktien hin und sagte, "wer hier an Zufall glaubt, gehört nicht an die Börse."

P&T Technology AG (WKN 685280), ein Windparkprojektierer aus Hamburg, hatte von Montag bis Mittwoch einen Kursanstieg um rund 50 Prozent bei ungewöhnlich hohen Börsenumsätzen. Am Mittwoch nach Börsenschluss veröffentlichte das Unternehmen eine drastische Gewinnwarnung, die im wesentlichen sämtliche Geschäftsbereiche betraf. Donnerstag früh öffnete der Kurs zunächst mit einem Abschlag auf 0,85 Euro, um dann nochmals mit sehr hohen Umsätzen um 27 Prozent zu steigen. Gegen Mittag setzte eine Verkaufswelle ein, die die Aktie auf zum Schluss 0,58 Euro drückte. Insgesamt ist das ein Wochenverlust von 38 Prozent.

Beim 100.000 Dächerprogramm zur Förderung von Solarstromanlagen zeichnet sich ab, dass die diesjährige Schwächephase doch noch überwunden wird. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat vorläufigen Angaben zufolge im November Fördermittel für Anlagen mit einer Gesamtleistung von 12,9 Megawatt (peak) zugesagt. Bis zum Jahresende müssten nun nur noch zwei Megawatt bewilligt werden, um den Stand des Jahres 2001 - 76 Megawatt - zu erreichen. Im Dezember 2001 lag dieser Wert bei 3,9 Megawatt. Die Kurse deutscher Solarunternehmen konnten davon bisher nur wenig profitieren. S.A.G. Solarstrom AG (WKN 702100), ein Solarkraftwerk-Betreiber aus Freiburg, und Sunways AG (WKN 733220), Solarzellenhersteller aus Konstanz, stiegen um jeweils sechs Prozent, allerdings wurden nur sehr wenige Aktien gehandelt. Bei den Modulherstellern hielt sich die Freiburger Solar-Fabrik AG (WKN 661471) konstant, während die Berliner Solon AG (WKN 747119) 23 Prozent auf 1,15 Euro verlor.

SolarWorld AG (WKN 510840) sanken um sieben Prozent auf 5,95 Euro. Das Bonner Unternehmen ist an den Geregelten Markt der Deutschen Börse gewechselt und hat einen ausführlichen Unternehmensbericht veröffentlicht, um die strengeren Anforderungen dieses Börsensegments zu erfüllen. Frank Asbeck, Gründer und Vorstand, hat den diesjährigen Europäischen Unternehmenspreis der Gesellschaft Eurosolar erhalten. SolarWorld sei auf dem Weg, das weltweit erste unabhängige Solarunternehmen zu werden, das die gesamte Wertschöpfungskette innerhalb der Fotovoltaik abdecke, hieß es in der Laudatio. Asbeck teilt sich den Preis mit der Firma SOLVIS Energiesysteme GmbH & Co KG.

Die US-amerikanische Evergreen Solar Inc. (WKN 578949), teilte mit, dass sie die "String Ribbon"-Technologie zur Herstellung von Solarzellen verbessern konnte. Der Ausstoß pro Maschine könne damit verdoppelt werden, bei gleichzeitig sinkenden Kosten und verringertem Energieeinsatz. Das neue Verfahren sei zum Patent angemeldet und solle gegen Ende des kommenden Jahres in die Produktion gehen. Man wolle weiter forschen, um die Kosten für kristalline Siliziumzellen noch weiter senken zu können, hieß es. Die Evergreen-Aktie hatte sich bereits in der Vorwoche um fast 70 Prozent verteuert und sank nun wieder um 20 Prozent auf 1,14 Dollar zurück.

Nach den teils überraschenden Nachrichten der Hersteller von Windturbinen in der Vorwoche haben nun die Analysten ihre Kommentare abgegeben. REpower Systems AG (WKN 617703), Hamburg, wurde einhellig zum Kauf empfohlen, als faire Bewertung nannten die Analystenhäuser Kurse zwischen 32,50 und 45 Euro. REpower stiegen derweil auf 28,50 Euro an. Vorsichtiger ist man bei der Norderstedter Nordex AG (WKN 587357). Die Aktie wurde zwar weiterhin empfohlen, allerdings haben die Analysten ihre Erwartungen gesenkt. Die WGZ-Bank riet, das Papier bis zur Analystenkonferenz am 16. Dezember zunächst zu "meiden". Einige Häuser rechnen mit einer Übernahme von Nordex durch einen größeren Konzern, was ihrer Ansicht nach "Phantasie" für den Kurs bedeute. Dieser sank weiter auf zum Schluss 2,86 Euro. Herabgestuft wurde Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769). Die Analysten von Lehman Brothers reagierten damit nicht nur auf die jüngste Gewinnwarnung, sie kritisierten auch die ihrer Meinung nach schlechte Informationspolitik der Dänen. Vestas selbst hat zwischenzeitlich den Abbau von mehreren hundert Arbeitsplätzen angekündigt. Die Aktie notiert derzeit in Kopenhagen unverändert bei 70 Kronen (9,43 Euro).

Die MVV Energie AG (WKN 725590), Betreiberin dezentraler Kraftwerke, legte die vorläufigen Zahlen des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahrs vor. Der Umsatz sei um 42 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro gewachsen, das Ergebnis pro Aktie habe sich sogar auf 1,00 Euro fast verdoppelt. Die eigenen Ziele habe man damit übertroffen, allerdings seien die Zahlen stark durch positive Einmaleffekte beeinflusst, hieß es in Mannheim. Im laufenden Geschäftsjahr plane MVV, mehr als zwei Milliarden Euro umzusetzen, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) solle um wenigstens fünf Prozent wachsen. Die Aktie legte leicht auf 14,30 Euro zu. Analysten von Independent Research verwiesen im Vorfeld der Zahlen auf die gute Dividendenrendite von vier Prozent und empfahlen, die Papiere zu "halten".

Der Kondomhersteller condomi AG (WKN 544490) berichtete für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahrs über einen deutlichen Umsatzanstieg und ein leicht positives EBIT. Im Vorjahresquartal war das EBIT negativ. Das Kölner Unternehmen kündigte die Abrechnung von Großaufträgen für das dritte und vierte Quartal an. Man wolle sich künftig auf das Kerngeschäft, Produktion und Vertrieb von Kondomen, konzentrieren und habe deshalb den sogenannten "Erotic Content Bereich" verkauft, hieß es in einer weiteren Mitteilung. Condomi verloren im Laufe der Woche neun Prozent auf 6,17 Euro.

Stora Enso Oyj (WKN 871004), schwedisch-finnischer Holz- und Papierkonzern, hat den angekündigten Verkauf eines Teils seines Waldbesitzes abgeschlossen. Im vierten Quartal erwarte der Konzern deshalb außerordentliche Gewinne, die für die Stärkung des Kerngeschäfts - der Produktion von Holz, Papier und Faserrohstoffen aus sozial- und umweltverträglichen Quellen - eingesetzt werden sollen. Analysten von Credit Suisse First Boston stuften die Aktie mit "outperform" ein und nannten 17,15 Euro als fairen Wert. Stora Enso gaben an der Frankfurter Börse acht Prozent auf 11,25 Euro ab.

Die niederländische IFCO Systems N.V. (WKN 932117) teilte mit, dass bestimmte Kapitalmaßnahmen ab dem heutigen Montag wirksam werden. Infolge dessen werde der Nennbetrag der Stammakten von 2,00 auf 0,01 Euro reduziert. Zugleich werde die Anzahl der Aktien vermindert: Jeweils zehn Aktien werden zu einer einzigen zusammengefasst, so dass nur noch 4,4 Millionen statt 44 Millionen Aktien im Umlauf sind. Diese Aktien haben dann einen Nennbetrag von 0,10 Euro. Die Namensaktien sollen in Inhaberaktien umgewandelt werden. Die genannten Maßnahmen sind Teil der laufenden Restrukturierung von IFCO Systems, um die Verschuldung des Logistik-Anbieters herunterzufahren. IFCO wurden im Xetra-Handel zum Börsenschluss mit 0,14 Euro notiert.

Der Kurs der Tomra Systems ASA (WKN 872535) hat im Wochenverlauf 16 Prozent auf 54 Norwegische Kronen (7,41 Euro) eingebüßt. Im Gefolge der nun juristisch weitgehend geklärten Einführung des Dosenpfands in Deutschland war die Aktie unter geringen Umsätzen bis auf 64,50 Kronen hochgehandelt worden. Bei dem nun einsetzenden Abgabedruck war die Anzahl gehandelter Aktien ebenfalls nicht groß. Tomra stellt Automaten her, die für die Rücknahme von Getränkeverpackungen eingesetzt werden können.

Die Kurse der Hersteller von Brennstoffzellen waren in den letzten Wochen vor dem Hintergrund von bekannt gegebenen Liefervereinbarungen mit der Autoindustrie stark gestiegen. Nun korrigierten sie zum Teil deutlich: In Toronto Hydrogenics Corp. (WKN 588386) minus 27 Prozent, Ballard Power Systems Inc. (WKN 890704) minus neun Prozent, Stuart Energy Systems Corp. (WKN 579775) unverändert; in New York Plug Power Inc. (WKN 928999) minus 19 und FuelCell Energy Inc. (WKN 884382) minus 15 Prozent. Der Kurs des Schweizer Mischkonzerns Sulzer AG (WKN 854367) ermäßigte sich um zwei Prozent auf 197,5 Franken (134,21 Euro). Sulzer Hexis-Brennstoffzellen werden derzeit unter Praxisbedingungen für die Beheizung eines Mehrfamilienhauses getestet. Der zugleich erzeugte Strom wird in das Netz eingespeist.

Bildhinweis: Dreimonatschart SGL Carbon

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