09.12.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

9.12.2004: "Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 bis 25 für 2005 ist fundamental nicht gerechtfertigt für die Solaraktien" - ECOreporter.de-Interview mit Philipp Spitz, Geschäftsführer der Umwelt Aktiendepots Welt und Deutschland

Die Bonner Investorengruppen Umwelt Aktiendepot Welt und Umwelt Aktiendepot Deutschland haben einen Teil ihres Vermögens in Solaraktien angelegt. Geschäftsführer der Umwelt Aktiendepots ist der Finanzanalyst Philipp Spitz. Im Interview mit ECOreporter.de erklärt er, warum die Umwelt Aktiendepots sich für bestimmte Sonnenaktien entschieden haben. Weiter geht es um die Aussichten des Fotovoltaikmarktes im nächsten Jahr, die Chancen neuer Solartechnologien und weitere Fragen rund um das Thema Sonnenstrom.

ECOreporter.de: Herr Spitz, Sie gelten als Kenner der Photovoltaikszene. Für welche Sonnen-Aktien haben Sie sich als Geschäftsführer des Umwelt Aktiendepot Welt und des Umwelt Aktiendepot Deutschland entschieden?

Philipp Spitz: Für das Umwelt Aktiendepot Welt suchen wir die Marktführer, dazu zählt die deutsche SolarWorld. Die wenigen internationalen Titel zählen wir nicht zu den Marktführern, außerdem gefallen sie uns aufgrund der Bewertung oder der Mischkonzernstruktur nicht.
Das Umwelt Aktiendepot Deutschland hat zusätzlich auch eine Aktie wie die Phönix Sonnenstrom AG im Portfolio. Nicht erst seit dem Börsengang vor ein paar Wochen, sondern seit Anfang 2001, als wir uns an der außerbörslichen Kapitalerhöhung beteiligt haben. Auch den Solarzellen- und Wechselrichterhersteller Sunways haben wir in den letzten Jahren in die Depots aufgenommen.
Wenig als Solaraktie wahrgenommen wird WindWelt, Die Projektentwicklung im Bereich der Fotovoltaik wird nach unserer Einschätzung aber bereits 2004 erheblich zur Wertschöpfung des Unternehmens beitragen - zusätzlich zu den langfristig gesicherten Erträgen aus den Windparks und Solarkraftwerken.

ECOreporter.de: Was zeichnet diese Titel vor anderen Solarwerten aus?

Philipp Spitz: Fundamental betrachtet gibt es bei SolarWorld eine Reihe von Gründen. Dazu gehören unter anderem Substanz, Strategie und Management. Bei der WindWelt gefällt uns die Werthaltigkeit und Liquidität der Gesellschaft, bei gleichzeitig mäßiger Bewertung. Natürlich profitieren die Aktien auch stark davon, dass sie zunehmendes Interesse bei anderen Investoren finden. Wir sind froh, dass wir Titel wie Sunways oder auch Phönix, vor dem stark gewachsenen Interesse der Fonds gekauft haben.

ECOreporter.de: Wie sind Ihre Erwartungen an die Geschäftentwicklung der Fotovoltaik-Unternehmen?

Philipp Spitz: Grundsätzlich sind die Marktbedingungen sehr gut. Alle Unternehmen schreiben schwarze Zahlen und verdienen Geld mit ihrem operativen Geschäft. Das ist gut und wird voraussichtlich auch 2005 so bleiben. Wir rechnen 2005 mit weiterhin hohen Verkaufspreisen, die zu leicht höheren Margen (ohne Sondereffekte) als 2004 führen dürften, bei gleichzeitig höherem Output der Produzenten. Margenerhöhungen durch Skalen- und Lerneffekte werden voraussichtlich durch steigende Einkaufspreise verringert.

Es gibt aber auch Risiken: Das eine oder andere Unternehmen könnte unerwartet hohe Anlaufkosten aus den neuen Produktionsstätten haben. Risiken aus Lieferengpässen, Verteuerung der Vorprodukte und die Anlaufkosten neuer Produktionsstätten könnten die Gewinne der Unternehmen belasten. Auch gehen die Unternehmen 2005 mit leeren Lagern ins Jahr, gewinnsteigernde Einmaleffekte wie 2004 werden sich daher nicht wiederholen.

Mitte 2005 rechnen wir mit voraussichtlich deutlichen Preisreduktionen. Bis zu diesem Zeitpunkt können die Unternehmen sehr hohe Margen erwirtschaften. Anschließend werden die Gewinnspannen sinken, dann wird sich zeigen, welche Manager ihr Schiff auch in schwierigeren Zeiten steuern können.

ECOreporter.de: Die Notierungen der börsennotierten Photovoltaikunternehmen sind in den letzten Monaten geradezu in die Höhe katapultiert worden. Ist das Kurspotential schon ausgereizt? Welche Kursziele haben Sie für Ihre Investments?

Philipp Spitz: Wir arbeiten nicht mit festen Kurszielen. Eine solche statische Betrachtung wird - besonders bei marktengen Werten - dem Verhalten vieler Aktieninvestoren nicht gerecht. Aufgrund der starken Kursschwankungen gehören für uns auch die Solaraktien in diese Kategorie.

Für unsere Anlageentscheidungen beobachten wir die fundamentale Bewertung der Firmen. Und wir versuchen, die Faktoren heraus zu bekommen, die das Verhalten der anderen Investoren in der Zukunft beeinflussen. Die Bewertung der Solaraktien geriet in der Vergangenheit immer wieder ins Ungleichgewicht: 2003 bis 2004 kam es zu Unterbewertungen, die daran anschließende Kursrallye war zunächst einmal auch eine fällige Korrektur. Zuletzt haben wir dann stellenweise Übertreibungen nach oben gesehen.
Ohne derartige Bewertungshilfen überschätzen zu wollen: Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20-25 für 2005 ist fundamental nicht gerechtfertigt für die Solaraktien. Wir wissen, dass 2005 ein gutes Jahr wird, aber was wird mit 2006? Wissen wir, ob die Ziele der Unternehmen in den kommenden Jahren wirklich erreicht werden? Wir wissen es nicht. Wir können das Beste hoffen, wissen es aber nicht mit hinreichender Sicherheit, um daraus ein Investment abzuleiten.

ECOreporter.de: Gibt es auch Solarunternehmen, in die Sie zur Zeit auf keinen Fall investieren würden?

Philipp Spitz: Bei einigen ist die Bewertung nach den jüngsten Kurszuwächsen sehr ambitioniert. Fundamental sind die Unternehmen aber alle in Ordnung, unsere Knock-out-Kriterien wie Intransparenz oder drohende Insolvenz greifen derzeit bei keinem der börsennotierten deutschen Solartitel.
Was nicht heißt, dass sich nicht noch manches verbessern könnte. Wir würden uns beispielsweise von Firmen wie WindWelt und Phönix Sonnenstrom wünschen, dass nicht nur ausgewählte Quartals- oder Halbjahreszahlen per Pressemitteilung bejubelt werden, sondern dann bitte auch eine ganze Bilanz. Die Kommunikation beider Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr konnte in puncto Transparenz nicht überzeugen.

ECOreporter.de: Von welcher Technik im Bereich der Photovoltaik erwarten Sie in den nächsten Jahren die stärksten Impulse?

Philipp Spitz: Es gibt kein klares Stimmungsbild zu den Dünnschichttechnologien, daher fällt ein Urteil schwer. Vertriebsseitig wird viel davon abhängen, auf welchen technischen Standard die marktführenden Unternehmen setzen. Nur mit deren Unterstützung wird sich eine neue Technik neben der bestehenden mono- und polykristallinen Technologie am Markt durchsetzen. Die Kosten sprechen eindeutig für die Dünnschichtverfahren, sie werden mit Sicherheit Marktanteile hinzu gewinnen; die aufwändigen Produktionsabläufe bei klassischer Wafer-, Zell- und Modulproduktion sind einfach erheblich teurer. Teilweise gleicht sich das allerdings über die höheren Montagekosten bei Dünnschicht wieder aus.

ECOreporter.de: Wo liegen aus Ihrer Sicht die begrenzenden Faktoren für eine weitere positive Entwicklung der deutschen Sonnenstromfirmen?

Philipp Spitz: Sicherlich wirkt der Zugriff auf preislich vernünftiges Silizium kurz- bis mittelfristig begrenzend. Kurzfristig könnten einige der Firmen zudem mit Lieferengpässen zu tun bekommen. Diese Herausforderungen sind jedoch lösbar bzw. werden nur einzelne treffen.
Das größte Risiko droht aber durch negative Publicity oder dauernde Preistreiberei. Das kann den positiven politischen Rahmen gefährden. Besonders die Projektentwickler dürfen ihre Kunden nicht enttäuschen. Die Gesamtbranche muss bei aller Goldgräberstimmung das Ziel der Preisdegression konsequent weiter verfolgen. Nur eine deutlich sichtbare Preisdegression gibt den politischen Akteuren den Handlungsspielraum, den gesetzlichen Rahmen zu sichern.

ECOreporter.de: Wie gut sind die deutschen Unternehmen für den weltweiten Wettbewerb zum Beispiel mit den japanischen Marktführern gerüstet?

Philipp Spitz: Grundsätzlich gut genug, allerdings sind die Verschiebungen der Wechselkursparitäten zu einem schwächeren Yen und US-Dollar eine schwere Last. Die Japaner bekommen jetzt richtig viele Yen für ihre nach Deutschland verkauften Module - da zahlt es sich für Japan aus, dass die heimische Industriepolitik bereits ein paar Jahre früher als Deutschland auf Fotovoltaik gesetzt hat.

ECOreporter.de: Mit der Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes haben sich die Bedingungen für den Bau von Solarstromkraftwerken deutlich verbessert. Wie sicher sind die Ertragsprognosen, die in den Prospekten der diversen Anbieter genannt werden?

Philipp Spitz: Die Sicherheit der Prognosen ist verglichen mit anderen unternehmerischen Investitionen sehr gut, wenn auch mit begrenztem Potential zu höheren Erträgen. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist relativ niedrig. Allerdings gibt es durchaus Unterschiede: Im Detail findet man Fonds, die eher am oberen Rand der bisherigen Leistungsfähigkeit von Solaranlagen prognostizieren. Andere liegen in der Mitte, wieder andere konservativ am unteren Rand des Wahrscheinlichen.

ECOreporter.de: Bleibt die Leistung der heute verwendeten Solarzellen auch über einen Zeitraum von 20 Jahren konstant?

Philipp Spitz: Als Kaufmann geht man generell nicht davon aus, dass eine Leistung auf 20 Jahre konstant bleibt. Man kalkuliert in jedem Fall mit einer Degradation. Wie die tatsächliche Leistungsstabilität heutiger Solarmodule am Ende aussehen wird, bleibt abzuwarten.

ECOreporter.de: Welche Vorsteuerrendite sollte ein solide geplanter und finanzierter Solarpark dem Anleger bringen?

Philipp Spitz: Die besten Fonds liegen aktuell bei sieben Prozent nach der Internen Zinsfuß-Methode. Allerdings bildet diese Kennzahl wie auch die prognostizierten Ausschüttungen nur alle zugrundeliegenden Annahmen ab. Sie sollte in den vielen Details auf Plausibilität abgeklopft werden. Wenn man sicher gehen will, muss man die Einzelfaktoren genau untersuchen. Besonders die Ergebnis- und Liquiditätsprognosen sind zu prüfen.

ECOreporter.de: Herr Spitz, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bild: Philipp Spitz
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