09.02.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

9.2.2004: Wochenrückblick: AstroPower endgültig pleite, Reste gehen an General Electric - Rekordgewinn für Photowatt - Tage von NEG Micon sind gezählt: Übernahme fast perfekt

Die Indizes an den Aktienbörsen haben sich in der vergangenen Woche kaum verändert. Mit einem Prozent Anstieg ist die größte Abweichung vom Vorwochenstand beim US-amerikanischen Dow Jones Industrial Average Index zu melden. Der Euro verteuerte sich um zwei Prozent auf 1,271 US-Dollar.

Einer Untersuchung des Münchener Osteuropa-Instituts zufolge hat die deutsche Wirtschaft 400.000 Arbeitsplätze in die EU-Beitrittsländer verlagert. In den kommenden zehn Jahren könnten weitere 450.000 Stellen betroffen sein, heißt es in der Studie, die vom Wirtschaftsmagazin "Capital" veröffentlicht wurde. Wirtschaftsverbände, darunter der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), haben unterdessen davor "gewarnt", dass bei grenzüberschreitenden Fusionen die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in die neue Gesellschaft übertragen werden müsse. Die Kritik der Unternehmerverbände richtet sich gegen einen Vorschlag der EU-Kommission, der den weitgehenden Bestandsschutz nationaler Mitbestimmungs-Vorschriften bei der Fusion von Kapitalgesellschaften vorsieht.

Der US-amerikanische Ökonom Lester Thurow sagte der "Financial Times Deutschland", die Größe des Sozialstaats sei keine ökonomische, sondern eine politische Frage. Die Globalisierung verlange nicht, Sozialleistungen zu beschneiden. Sie mache es aber erforderlich, deren Finanzierung zu reformieren. Niedrigere Sozialabgaben und Lohnsteuern könnten beispielsweise durch eine höhere Mehrwertsteuer ausgeglichen werden. Mit dem Niederreißen der Gesetze zum Schutz der Arbeit produziere man nur mehr Arbeitslosigkeit, sagte Thurow.

Bis Ende März muss jede europäische Regierung ihren Entwurf des "Nationalen Allokationsplans" (NAP) vorlegen. Diese NAP regeln die Zuteilung von Emissionsrechten für Kohlendioxid in der erste Phase des europaweiten Emissionshandels von 2005 bis 2007. Großbritannien hat seinen Entwurf bereits vorgestellt, er wird zur Zeit diskutiert und soll im März schon als endgültiger NAP vorliegen. In Deutschland gibt es einen Vorschlag des Bundesumweltministeriums, der von großen Teilen der Industrie jedoch abgelehnt wird. Vertreter der verarbeitenden Industrie drohten damit, die Produktion ins Ausland zu verlagern, sollten sie durch den NAP belastet werden. Die Energiewirtschaft drohte dem Ministerium mit gerichtlicher Klage. Der World Wide Fund for Nature (WWF) nannte das Vorgehen der Industrie "bizarr", die deutsche Wirtschaft wolle von ihrer freiwilligen Selbstverpflichtung aus dem Jahr 2001 offenbar nichts mehr wissen.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) gab Daten zur Marktentwicklung in der Europäischen Union bekannt. Anlagen mit insgesamt 5.381 Megawatt Leistung wurden im vergangenen Jahr neu aufgestellt, davon knapp die Hälfte in Deutschland. Die gesamte installierte Leistung erreichte Ende 2003 in der Union 28.401 Megawatt. Rund 2,4 Prozent des EU-Stromverbrauches würden nun durch Windräder gedeckt. Dadurch würden jährlich 39 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid eingespart, so der BWE. Der Europäische Windenergieverband EWEA, der zeitgleich die selben Zahlen veröffentlichte, wies darauf hin, dass der Ausbau zu langsam erfolge. Das im Jahr 2001 von der Europäischen Union beschlossene Ziel, 2010 bereits 22 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen, könne bei dem mittlerweile verlangsamten Ausbau kaum noch erreicht werden.

Vestas Wind Systems A/S, dänischer Weltmarktführer der Hersteller von Windturbinen, teilte mit, dass zum 5. Februar 70 Prozent der NEG Micon-Aktionäre das Angebot angenommen hätten, ihre Aktien in Vestas-Papiere zu tauschen. Damit sei die Grenze von zwei Dritteln überschritten, die eine Bedingung für das Zustandekommen der Übernahme von NEG Micon A/S durch Vestas ist. NEG Micon hat aus diesem Grund den Termin für die Veröffentlichung des Jahresabschlusses auf den 17. März verschoben - den gleichen Tag, an dem auch Vestas seine Ergebnisse vorlegen will. Die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden zu der Fusion steht nach wie vor aus. Die Kurse beider Unternehmen lagen am Freitagnachmittag an der Kopenhagener Börse leicht schwächer bei 108,5 Dänischen Kronen.

Das Mannheimer Energieunternehmen MVV Energie AG meldete Fortschritte bei der Entwicklung von Windparks in Polen. Die Tochtergesellschaft eternegy Polska habe einen Stromeinspeisevertrag mit einem polnischen Netzbetreiber abgeschlossen. Der Vertrag sichere die Einspeisevergütung für 20 Jahre und gelte für zehn Windparks mit einer Gesamtleistung von 300 Megawatt. Die Windkraftwerke sollten jedoch erst dann errichtet werden, wenn dafür Käufer und Betreiber gefunden seien. Derzeit liefen Gespräche mit internationalen Investoren, ab Mitte 2005 könne es losgehen, hieß es. MVV stiegen leicht auf 16,50 Euro an.

Die ISD Interseroh Dienstleistungs GmbH ist als einer der zehn besten Arbeitgeber im deutschen Mittelstand ausgezeichnet worden. Das teilte die Konzernmutter Interseroh AG mit. Unter der Leitung des Instituts für Mittelstandsökonomie an der Universität Trier e.V. sei das Personalmanagement in fünf Disziplinen untersucht worden: Vision & Führung, Personalentwicklung, Kultur & Kommunikation, Familien- und Sozialorientierung. In der Gruppe der Unternehmen von 250 bis 999 Mitarbeiter habe ISD Platz neun erreicht. Insgesamt hätten 118 Unternehmen in drei Größenklassen an der Untersuchung teilgenommen. Interseroh AG ist ein Dienstleistungs- und Rohstoffkonzern mit Sitz in Köln. Die Aktie wurde am Freitagabend zu 13,05 Euro gehandelt.

Wedeco AG, Düsseldorfer Hersteller chemikalienfreier Wasseraufbereitungssysteme, meldete Veränderungen im Vorstand. Der Aufsichtsrat habe den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden und Firmengründers, Werner Klink, angenommen. Dies entspreche den Vereinbarungen, die im Zuge der Übernahme der Mehrheit an der Wedeco AG durch die ITT Industries German Holding GmbH getroffen wurden. Neuer Vorsitzender wurde der bisherige Finanzvorstand Christoph Dicks.

Laut einer Meldung des Magazins "Spiegel" prüft der Erotikkonzern Beate Uhse AG, Flensburg, eine Übernahme des Kölner Kondomfabrikanten condomi AG. Die Entscheidung soll dem Bericht zufolge in den nächsten acht Wochen fallen. Der condomi-Kurs sprang um 61 Prozent auf 3,45 Euro. Der Schlusskurs von 2,65 Euro bedeutet einen Wochengewinn von 24 Prozent.

Die kanadische ATS Automation Tooling Systems Inc. legte die Ergebnisse des dritten Quartals zum 31. Dezember vor. Obwohl der Umsatz aller drei Konzernsparten - Automatisierungssysteme, Solar und Präzisionskomponenten - zunahm und das Unternehmen auf operativer Basis profitabel arbeitete, musste ein Nettoverlust von 1,6 Millionen Dollar gemeldet werden. Allein durch den Wertverlust des US-Dollar wurde den Angaben zufolge das Ergebnis gegenüber dem Kanadischen Dollar um sechs Millionen Dollar geschmälert. Hinzugekommen seien erhöhte Steuern. Die Solarsparte Photowatt International legte am kräftigsten zu, hier erhöhten sich die Umsätze um 46 Prozent auf 27,5 Millionen Dollar. Beim Produktionsstart der Spheral Solar(TM) Power-Fabrik gebe es jedoch technische Schwierigkeiten, die zu einer Verzögerung von vier Monaten und erhöhten Investitionskosten von zehn bis 15 Millionen Dollar geführt hätten. Die hochautomatisierte Fabrik soll nun erst im Sommer 2004 mit der Produktion von Solarsystemen beginnen. Insgesamt sei die Solar Group mit einem Rekordergebnis von 2,1 Millionen Dollar operativ profitabel gewesen. ATS senkte angesichts der Dollarschwäche die Prognose für das Gesamtjahr, der Konzern will nun ein Nettoergebnis von 30 Millionen Dollar einfahren. Zuvor galten 40 Millionen als Ziel. Die Aktie sackte in Toronto um 18 Prozent auf 11,04 Dollar ab.

Hydrogenics Corp. hat seine Kapitalerhöhung abgeschlossen. Elf Millionen Aktien wurden zu 5,75 US-Dollar (7,63 Kanadische Dollar) platziert, es besteht noch eine Mehrzuteilungsoption von 1,65 Millionen Aktien. Dem kanadischen Hersteller von Wasserstoff-Brennstoffzellen-Systemen brachte die Aktion netto rund 60 Millionen US-Dollar ein. Hydrogenics notierten am Freitag bei 7,59 Kanadischen Dollar, vier Prozent niedriger als vor einer Woche.

Der US-amerikanische Hersteller von Solarsystemen AstroPower Inc. ist endgültig bankrott. Teile des Geschäfts sollen nun an die General Electric Co. verkauft werden. Hierzu seien noch die Zustimmung des Konkursrichters sowie Gebote von Wettbewerbern abzuwarten. Die Parteien hoffen, die Transaktion noch im ersten Quartal 2004 abschließen zu können. Aus dem Erlös sollen unbesicherte Kreditgeber bedient werden. Für die Aktionäre werde voraussichtlich nichts übrig bleiben, hieß es. Vier Wochen zuvor hatte AstroPower bereits die Entlassung von zehn Prozent der Belegschaft gemeldet. Diese Maßnahme diene der Kostensenkung, sie sei eine natürliche Folge der gestiegenen Produktivität in der Fertigung, hieß es damals. General Electric, weltweit einer der größten Mischkonzerne, baut damit sein Portfolio im Bereich erneuerbarer Energien aus. Der auch in der Rüstungsindustrie tätige Konzern hat sich durch Unternehmenszukäufe bereits führende Positionen bei der Herstellung von Windturbinen und von Gasmotoren gesichert. Die AstroPower-Aktie, seit langem nur noch "over the counter" (OTC) gehandelt, verlor schlagartig 90 Prozent ihres Wertes. Der letzte Kurs wurde am 4. Februar mit 0,11 Dollar gemeldet. Einst lag der Höchstkurs des Hochtechnologie-Unternehmens bei 50 Dollar.

Natural Alternatives International Inc. meldete um 30 Prozent auf 33,9 Millionen Dollar gestiegene Umsätze für das vergangene Halbjahr. Der Nettogewinn belief sich auf 1,1 Millionen oder 0,19 Dollar pro Aktie. Bereinigt um Einmaleffekte ergab sich ein Nettogewinn von 0,682 Millionen Dollar. Der Kurs des US-amerikanischen Herstellers von Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln gab drei Prozent auf 6,46 Dollar nach.

Einen Kurssprung um zehn Prozent auf 14,22 Dollar zeigte die Aktie der Wild Oats Markets Inc. Die Einzelhandelskette für natürliche Lebensmittel aus den USA hatte nur mitgeteilt, dass der Termin für die Pressekonferenz zum Jahresabschluss auf den 24. Februar verschoben wurde. Der Kurs des US-amerikanischen Möbelherstellers Herman Miller Inc. legte sogar um 15 Prozent auf 27,84 Dollar zu, ohne dass neue Nachrichten bekannt geworden wären. Einen Absturz um elf Prozent gab es bei dem kanadischen Hersteller von Wasserstoff-Infrastrukturtechnik Stuart Energy Systems Corp.

Bildnachweis: NEG-Micon Windkraftanlagen offshore / Quelle: Unternehmen

Automation Tooling Systems Inc. (ISIN CA0019401052 / WKN 897908)
condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)
Herman Miller Inc. (ISIN US6005441000 / WKN 863205)
Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)
Interseroh AG (ISIN DE0006209901 / WKN 620990)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
Natural Alternatives International Inc. (ISIN US6388423021 / WKN 880900)
NEG Micon A.S. (ISIN DK0010253681 / WKN 897922)
Stuart Energy Systems Corp. (ISIN CA8636881077 / WKN 579775)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Wedeco AG (ISIN DE0005141808 / WKN 514180)
Wild Oats Markets Inc. (ISIN US96808B1070 / WKN 903461)



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