09.04.03

9.4.2003: Windkraft-Branche im 1. Quartal schwächer als im Vorjahr

Zum ersten Mal seit Jahren sind im ersten Quartal eines Jahres weniger Windkraftanlagen neu aufgestellt worden als im Vorjahreszeitraum, berichtet der Bundesverband WindEnergie aus Osnabrück. Zwischen Januar und März seien 231 Windenergie- Anlagen mit einer Gesamtleistung von 357,3 MW neu installiert worden. Ein Minus von rund 100 MW im Vergleich zum ersten Quartal 2002, ein Rückgang um 22 Prozent.

Ende März 2003 waren nach Angeben des Verbandes bundesweit 13.990 Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 12.359 MW installiert, was einen Zuwachs 3 Prozent gegenüber dem Stand Ende 2002 bedeutet. In diesem Jahr werde die Windkraft erstmals über fünf Prozent des bundesweiten Strombedarfs decken, kündigte der BWE an. Man rechne für 2003 mit einem Zubau in Höhe von 2500 bis 3000 MW.

Peter Ahmels, der Präsident des BWE, plädierte angesichts des leichten Rückgangs dafür, dass für die Windkraft auch Binnenlandstandorte erschlossen werden, die wirtschaftlich meist nur mit großen Nabenhöhen nutzbar seien. Bei der Anpassung der Vergütungssätze für Strom aus regenerativen Energieanlagen müsse man daher behutsam vorgehen. Der Bundesverband verweist in seiner Pressemitteilung auf die technische Innovationsfähigkeit der Branche: In der Windkraft habe man die Stromgestehungskosten im letzten Jahrzehnt um rund 50 Prozent reduziert.

Der BWE plädiert für die Schaffung von Anreizen für das so genannte Repowering - den Austausch alter Maschinen gegen leistungsstärkere Neuanlagen - vor allem in den Küstenregionen. Ahmels: "Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Entwicklung an vielen Standorten durch administrative Probleme wie dem Bau- und Umweltrecht oder den fehlenden Netzkapazitäten erschwert wird." Die administrativen Hürden und die Kosten für den Netzzugang seien gerade in Norddeutschland in der jüngsten Vergangenheit erheblich gestiegen. Außerdem hätten sich die Versicherungs- und Finanzierungsbedingungen in jüngster Vergangenheit enorm verschärft, was zu erhöhten Kosten führt.

Neben den ersten Schritten zur Erschließung der Offshore-Potenziale in Nord- und Ostsee spielt auch das deutsche Binnenland eine wichtige Rolle: Brandenburg hat im ersten Quartal mit rund 79 Megawatt neu installierter Leistung das Land Niedersachsen erstmals an der Spitze abgelöst. Zwischen Uckermark und Lausitz drehten sich Ende März 1272 Anlagen (1351 MW). Die Windkraft kann damit mittlerweile über 15 Prozent des brandenburgischen Strombedarfs decken. "Den größten Windstrom-Anteil gibt es bundesweit in Schleswig-Holstein", berichtet der BWE. Dort könnten rund 2500 Anlagen mittlerweile über ein Viertel des Strombedarfs erzeugen. Im ersten Quartal 2003 seien aber nur zehn Anlagen mit einer Gesamtleistung von 11,9 MW neu errichtet worden. Die hervorragenden Standorte des nördlichsten Bundeslandes in den Küstenregionen seien bereits belegt, so der Verband.
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