09.05.03 Fonds / ETF

9.5.2003: Nachhaltig investieren macht sich bezahlt - auch bei Zinspapieren

Nachhaltiges Management ist gutes Management. Diese Erkenntnis gilt nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Staaten. Obligationenanleger sollten sich zu nutze machen, dass nachhaltig arbeitende Schuldner kreditwürdiger und finanziell aussichtsreicher sind.

Wie sich die Zeiten ändern: Anleihen, bis vor kurzem noch als Langeweiler von renditeverwöhnten Investoren verschmäht, erleben eine ungeahnte Renaissance. Gleichzeitig erkennen Wertpapierexperten aber auch, dass die Vertrauenskrise der Aktienbörsen auf die Obligationenmärkte überspringt. Die Folge: Anleger lassen mehr Vorsicht walten und setzen höhere Anforderungen an die Schuldnerqualität. Wie bei Aktien rückt dabei das Prinzip der Nachhaltigkeit auch bei Anleihen in den Investoren- Fokus. Aus gutem Grund: Emittenten, die keinen Raubbau an der Umwelt betreiben und verantwortungsvoll mit ihren Anspruchsgruppen, wie z. B. Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten, umgehen, sind geringeren Risiken ausgesetzt und versprechen eine Rendite, welche die herkömmlicher Anleihen langfristig übertreffen sollte.

Unternehmensanleihen: Nachhaltigkeit als Indikator für geringeres Risiko
In der aktuellen Niedrigzinsphase sind höher verzinste - aber im allgemeinen risikoreichere - Unternehmensanleihen gefragt. Auch wenn die Anleihen aller Emittenten grundsätzlich den gleichen Marktchancen und -risiken unterliegen, spricht viel für die höhere Sicherheit nachhaltiger Unternehmen. Gesellschaften, die ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen, sind wettbewerbsfähiger und unterliegen einem geringeren Risiko, dass Umweltschäden oder Konflikte mit Anspruchsgruppen die Kreditwürdigkeit des Unternehmens beeinträchtigen.

Mit Staatsanleihen Impulse für eine nachhaltige Entwicklung geben
Auch bei Staatsanleihen gilt: Länder, die keinen Raubbau an der Umwelt betreiben, verantwortungsbewusst mit ihren Sozialressourcen umgehen und in ein effizientes Bildungs- und Gesundheitssystem investieren, sind langfristig kreditwürdiger. Unerwünschte Branchen, wie z. B. Rüstung oder Kernenergie, auszuschließen, ist hingegen bei Staatsanleihen schwieriger. Weitsichtige Anleger orientieren sich daher bei Staatsanleihen am "Best-in-Class-Ansatz", bei dem aus dem Anlageuniversum die Vorreiter-Nationen in punkto Nachhaltigkeit ausgewählt werden.

Auf den Punkt gebracht!
Staatsanleihen spielen in Rentenportfolios seit jeher eine wichtige Rolle. Vor allem risikoaverse Anleger ziehen Staatspapiere Unternehmensanleihen wegen ihrer meist höheren Sicherheit vor. Wie Firmen werden auch Länder anhand mehrerer Umwelt- und Sozialfaktoren in Relation zu vergleichbaren Staaten beurteilt. Bewertet wird sowohl der Ressourcenverbrauch als auch die Effizienz des Ressourceneinsatzes. Dabei hat sich gezeigt, dass die "Klassenbesten" eine höhere Kreditwürdigkeit aufweisen, die sich positiv auf den Schuldendienst auswirkt. Aus Sicht eines Nachhaltigkeitsanlegers beispielsweise weniger attraktiv sind die USA. Wegen ihrer starken Stellung im Bereich Rüstung, ihrer außenpolitischen Haltung oder ihrer hohen Energieintensität drohen diverse Konflikte, die sich letztlich auch auf das finanzielle Risiko niederschlagen können.

Anleihen nachhaltiger Unternehmen, Organisationen und Staaten sind
• sicherer als die herkömmlicher Emittenten
• rentabel und bieten langfristig mindestens vergleichbare Anlageergebnisse
• erlauben es Anlegern, Wertvorstellungen bei der Geldanlage umzusetzen


Beispiel: Die Deutsche Bahn AG - Auf Nachhaltigkeits-Kurs
Als Unternehmen des schienengebundenen Personen und Güterverkehrs ist die Deutsche Bahn AG für ökologisch motivierte Anleger interessant. Aber nicht nur die Tatsache, dass die Bahn aus Umweltgesichtspunkten gegenüber vielen anderen Verkehrsmitteln überlegen ist, macht das Unternehmen attraktiv. Die Deutsche Bahn setzt auch im Branchenvergleich in punkto Umwelt und Sozialperformance Standards. Hervorzuheben ist die Umweltstrategie mit ihren ehrgeizigen Zielen. Diese sieht z. B. vor, den eigenen Primärenergieverbrauch von 1990 bis 2005 um 25 Prozent drastisch zu senken. Dass den Umweltzielen durchaus Taten folgen, zeigt die Senkung der CO2-Emissionen pro Personenkilometer seit 1990 um 24 Prozent. Aber auch in sozialen Fragen nimmt die Deutsche Bahn eine Vorreiterrolle ein. Erwähnenswert sind z. B. die Maßnahmen gegen Korruption und Diskriminierung. Dennoch hat die Deutsche Bahn auch Hausaufgaben, wie z. B. die Steigerung der Service-Qualität, zu machen. Auch das neue Preissystem hat in der Öffentlichkeit erhebliche Diskussionen ausgelöst.

ECOreporter.de veröffentlicht diesen Beitrag mit freundlicher Erlaubnis von Andreas Knörzer, Leiter Sarasin Sustainable Investment
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