09.05.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

9.5.2006: Rücksichtslos und rückständig? - Massive Kritik von Umweltschützern an Wells Fargo & Co

Erst vor einem Jahr hatte das US-amerikanische "Businesss Ethics Magazin" die Wells Fargo & Company zu den Top 10 der besten sozial verantwortlichen Unternehmen der Vereinigten Staaten gezählt (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom April 2005). Nun aber steht die Hypothekenbank in den USA heftig in der Kritik. In auf www.dirtymoney.org
nachzulesenden Fallstudien beurteilt die Nicht-Regierungsorganisation "Global Finance Campaign" die Geschäftspraktiken des Unternehmen als weitgehend rücksichtslos. Demnach werden von Wells Fargo wesentliche Gesichtspunkte umweltpolitischer und sozialer Fragestellungen weiterhin vernachlässigt. So unterstütze der größte Hypothekengeber der USA häufig Unternehmen, die destruktive Geschäftspraktiken wie die komplette Abholzung von Wäldern oder die Planierung von Bergspitzen durchführen.

Die Kritik entzündet sich an von Wells Fargo unterstützten Projekte in Latein- und Nordamerika. Als Höhepunkt der Negativ-Aktivitäten von Wells Fargo bewertet die "Global Finance Campaign" ein millionenschweres Investment bei Massey Energy. Das Unternehmen zerstöre durch den Kahlschlagabbau (Mountaintop removal) von Kohle ganze Siedlungsgebiete in den Appalachen und führe eine industrielle Initiative zur Öffnung des bislang straßenlosen Waldsschutzgebietes Tongass in Alaska an. Wells Fargo habe dem "gewerkschaftsfeindlichen" Unternehmen, das von Bürgerinitiativen wegen seiner umweltzerstörenden Praxis angeprangert werde, ein Darlehen von 130 Millionen US-Dollar gewährt. Außerdem unterstütze Wells Fargo das in Houston ansässige Unternehmen Burlington Resourses, das plane, in entlegenen Amazonas-Regionen in Ecuador und Peru Öl zu fördern. Die Abbaugenehmigungen seien trotz starken regionalen Widerstands für traditionelle Gebiete von Ureinwohnern erteilt worden.

Ein auf nachhaltiges Investment spezialisiertes US-Portal hat die Kritik der "Global Finance Campaign" aufgegriffen. Ihm zufolge liegt Wells Fargo im Hinblick auf nachhaltige Geschäftspraktiken deutlich hinter in der Finanzbranche führenden Unternehmen wie Citigroup, Bank of America, JPMorgan Chase und Goldman Sachs zurück. Den im letzten Jahr angekündigten 10-Punkte-Plan zur Umweltverträglichkeit des Unternehmens (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom Juli 2005) bewerten die Journalisten als weit hinter dem aktuellen Industrie-Standard liegend. Laut einer damals veröffentlichten Unternehmensmeldung müssen Kunden von Wells Fargo, die in umweltempfindlichen Industrien tätig sind, sich verschärften Umweltprüfungen unterwerfen. Dem US-Portal zufolge enthalten die Anforderungen von Wells Fargo jedoch zahlreiche Schlupflöcher.

Wells Fargo & Co: ISIN US 9497461015 / WKN 857949

Bildhinweis: Profitiert Wells Fargo von der Zerstörung naturbelassener Wälder? / Quelle: Naturreporter.de
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