06.12.09

ABB- Rating 12/2009: Zürcher Kantonalbank

ABB ist aufgeteilt in die Segmente Energie (49 %  Umsatzanteil 2008), Automation (47 %, bestehend  aus Automationsprodukten und Prozessautomation)  und Robotik (4 %). Ab 2010 werden die Bereiche  Automationsprodukte und Robotik reorganisiert und  als neue Segmente „Niederspannungsprodukte“  und „Industrieautomation und Antriebe“ geführt.
 
Unternehmenspolitik

ABB hat umfangreiche Richtlinien im Umwelt- und Sozialbereich definiert und zeichnet sich durch eine langjährige Nachhaltigkeitsberichterstattung gemäss GRI*-Standard aus. Der Bericht mit umfassenden Umwelt- und Sozialkenn zahlen wird jeweils extern verifiziert. Mit dem Engagement in wichtigen Organisationen zum Thema Nachhaltigkeit (z.B. World Business Council for Sustainable Development) unterstreicht das Unternehmen sein umwelt- und sozialpolitisches Interesse. Relevante Themen wie der Klimawandel werden durch strategische Partnerschaften (z.B. Gleneagles Dialogue on Climate Change, 3C, ISO-14064) aktiv angegangen. Aus Corporate-Governance Sicht ist die Unabhängigkeit des gesamten Verwaltungsrates positiv zu bewer ten. In der Öffentlichkeit kritisiert wurde hingegen die hohe Antrittsprämie und Entschädigung des neuen CEO (CHF 19.2 Mio für vier Monate).  
*Global Reporting Initiative   

Managementprozesse

Für die Organisation von Nachhaltigkeitsbelangen gibt es auf oberster  Führungsebene einen Nachhaltigkeitsverantwortlichen, dem ein gruppenwei- ter, fünfköpfiger Nachhaltigkeitsausschuss unterstellt ist. Zusätzlich gibt es vor  Ort Länderverantwortliche. ABB setzt  mehrheitlich integrierte Management- systeme für Umwelt (gemäss ISO-14001), Sicherheit und Gesundheit (gemäss  OHSAS-18001) sowie Qualität ein. Sozialseitig hat das Unternehmen v.a. bei  den Menschenrechten Fortschritte erzielt  (standardisierte Checkliste für alle  Geschäftsentscheide, konzernweite Erfassung von Verstössen, Engagement in  Initiativen). Im Bereich Diversity soll  der Frauenanteil (v.a. im Management)  erhöht werden; dabei besteht weiteres Verbesserungspotenzial. Mitarbeitende  werden gezielt auf umwelt- und sozialrelevante Faktoren sensibilisiert.  

Betrieb und Produktion

Nach einer insgesamt ernüchternden Umweltbilanz zwischen 2002 und 2006  weist ABB heute eine weitgehend positive Umweltperformance aus. 2004 bis  2008 konnten – relativ zum Umsatz gemessen – der Energieverbrauch um  39 %, der CO2-Ausstoss um 35 % und andere Luftemissionen (chlorierte und  nicht chlorierte flüchtige organische Verbindungen, SOx, NOx ) sogar um 44 %  reduziert werden. Auch der Wasserverbrauch (–29 %) und die Abfallmengen  (–3 %) wurden gesenkt. Das Unternehmen hat verschiedene Umwelt- massnahmen umgesetzt (in den Bereichen Energie, Wasser etc.) und will den  Energieverbrauch alle zwei Jahre um 5 % reduzieren. Weitere quantitative  Umweltziele fehlen jedoch. Seit 2008 werden zudem Transportdaten erfasst;  erste Resultate sollten noch dieses Jahr folgen.

Produkte

Bei der Entwicklung von neuen Produkten oder Projekten wendet ABB einen siebenstufigen Genehmigungsprozess an, in dem u.a. umfassende Lebenszyk- lusanalysen durchgeführt und Umweltrisiken erfasst werden. Für künftige Versorgungs- und Klimaprobleme gilt die Energieeffizienz als wichtigster, einfachster und kostengünstigster Lösungsansatz. Rund 45 % des Umsatzes erzielt ABB mit Energieeffizienzprodukten. Dazu zählen etwa die Motoren mit Regelantrieb, Hochspannungsübertragungslösungen (HVDC) oder hoch effi- ziente Transformatoren. Die Elektromotoren und Transformatoren beispiels- weise sind um bis zu 70 % bzw. 15 % effizienter. Auch die optimierten Prozesssteuerungen in den unterschiedlichen Branchen (z.B. Zellstoff- und Metallindustrie) zielen auf die verbesserte Energieeffizienz ab. Bei der Energieerzeugung und in der Industrie könnten Energiekosteneinsparungen und CO2-Reduktionen von rund 14 % bzw.  15 % erreicht werden. Für die Hauptproduktlinien aller Geschäftsbereiche veröffentlicht ABB zudem Umweltverträglichkeitserklärungen.   
 
Mitarbeitende

ABB weist insgesamt gute Arbeitsbedingungen auf und die Löhne basieren weltweit auf den Lebenshaltungskosten. Das Unternehmen bietet den Mitarbeitenden weltweit verschiedene Weiterbildungsangebote an und hat umfangreiche Gesundheitsmassnahmen umgesetzt. Dazu gehören Programme zur HIV/AIDS-Bekämpfung in stark betroffenen Ländern (z.B Südafrika, Nigeria, Brasilien), Health-and-Safety-Trainings und Ergonomie- und Stressberatung. 2004 bis 2008 konnten die Krankenfehlzeiten (relativ zu den Mitarbeitendenzahlen) um 45 % reduziert werden. ABB betont zwar eine gezielte Förderung von Frauen, weist bisher aber keine gruppenweiten Kennzahlen über den Frauenanteil aus (nur für eine Auswahl an Ländern).
    
Anspruchsgruppen

ABB sucht den Stakeholder-Dialog auf zwei Ebenen: Auf Betriebsebene wer- den vorwiegend die jeweiligen landestypischen Themen (beispielsweise loka- le Gemeinschaften) und tragende Geschäftsinhalte (z.B. mit Kunden) disku- tiert. Auf Konzernebene hat das Unternehmen 2008 eine unabhängige Institu- tion beauftragt, durch eine gezielte und enge Zusammenarbeit mit zwei wich- tigen Stakeholdern die Nachhaltigkeitsbestrebungen und Kommunikations- methoden der ABB zu beraten. 2006 hat das Unternehmen ein zertifiziertes  Verfahren (ISO-19011) eingeführt, um Lieferanten bezüglich der umfassenden  Umwelt- und Sozialkriterien der ABB selber überprüfen zu können. Bis 2012  sind 10 % mehr solche Audits geplant als 2007. Bereits 47 % der Hauptliefe- ranten sind ISO-14001-zertifiziert.  

Von Céline Sigg Pinarli/Robert Hauser

Branche: Investitionsgüter
Land:  Schweiz
Mitarbeitende: 191.393
Umsatz: 34,9 Milliarden Dollar
Börsenkapitalisierung.: 43,5 Milliarden Schweizer Franken

Wir publizieren dieses Rating mit freundlicher Genehmigung der ZKB.

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