Solarthermisches Kraftwerk von Abengoa. / Foto: Unternehmen

30.11.15 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Abengoa S.A. stellt Insolvenzantrag – Vorstandschef geht

Der spanische Ökostrom- und Umwelttechnikriese Abengoa steht inzwischen offiziell unter vorläufigem Gläubigerschutz. Vorstandschef Santiago Seage hat seinen Stuhl geräumt. Aber er behält in der Unternehmensgruppe eine führende Position - bei der unabhängig börsennotierten Kraftwerkssparte Abengoa Yield. Diese will ihre Strategie unverändert fortführen. Spanische Opositionspolitiker und Gewerkschafter forderten, der Staat müsse um den Fortbestand des Konzerns mit weltweit 28.700 Mitarbeitern (allein 7.000 in Spanien) kämpfen.

Was bis kurz vor dem Ende der vergangenen Woche „nur“ angekündigt war, ist nun vollzogen. Der stark auf ökologische Technologie ausgerichtete Mischkonzern Abengoa SA aus Sevilla steht unter Gläubigerschutz. Das berichten unter anderem  die Nachrichtenagenturen Bloomberg und AFP. Mit dem Antrag dazu, hat die Abengoa-Führung das zunächst vorläufige Insolvenzverfahren in Gang gebracht. Nach spanischem Recht, verschafft der Antrag dem Konzern zunächst Zeit, um mit maßgeblichen Gläubigern über Umstrukturierung der Schuldenlasten zu verhandeln. Bei den Verhandlungen, soll den Berichten zufolge die internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Beraterfirma KPMG helfen. Den Agenturberichten zufolge soll Abengoa SA außerdem eine fällige Anleihe in Mexiko im Gegenwert von umgerechnet 65.000 Euro nicht bedient haben. Die Gesamtschuldenlast des Konzerns belaufe sich auf nahezu acht Milliarden Euro.

Inzwischen gab Abengoa-Chef, der Chief Executive Officer (kurz CEO) Santiago Seage, seinen Rücktritt bekannt. Zugleich trat Seage als Aufsichtsratsvorsitzender (Chairman) der unabhängig börsennotierten Kraftwerksparte Abengoa Yield plc. zurück. Allerdings nur, um bei ihr fortan als Managing Director weiter an der Spitze zu stehen. Der bisherige Managing Director von Abengoa Yield, Javier Garoz, verlasse das Unternehmen, hieß es. An die Stelle des Abengoa-Yield-Chairman trete Daniel Villalba, der zuvor schon dem Aufsichtsrat angehört hatte. Auch das teilte Abengoa Yield mit.

Abengoa Yied betont Unabhängigkeit von Abengoa SA

Zugleich betonte das Unternehmen seine rechtliche Unabhängigkeit von der insolventen Muttergesellschaft, die zugleich Hauptaktionärin von Abengoa Yield ist. Ziel sei es weiterhin, über den Betrieb von Ökostromkraftwerken, stabile Erträge für die Anleger zu erwirtschaften. Allerdings werde die Yield bis auf weiteres keine Anlagen mehr von der Muttergesellschaft übernehmen, hieß es.

Die Aktie von Abengoa SA war zwischenzeitlich vom Börsenhandel ausgesetzt. Inzwischen kostet sie an der Börse Stuttgart (10:51 Uhr heute) 0,56 Euro und damit 61 Prozent weniger als noch vor einem Monat und 81,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Aktie von Abengoa Yield kostete heute um 10:51 Uhr an der Börse Stuttgart 13,60 Euro. Im Vergleich zum Kurs von vor vier Wochen liegt die Abengoa-Yield-Aktie 15 Prozent im Minus. Und im Verlauf der vergangenen zwölf Monate verlor die Aktie 40,4 Prozent an Wert.

So reagiert die spanische Politik auf die Abengoa-Pleite

Im Vorfeld der für den 20. Dezember 2015 angesetzten Parlamentswahlen forderten spanische Oppositionspolitiker und Gewerkschafter, die Regierung müsse Lösungen zur Rettung von Abengoa SA präsentieren. Die Gewerkschaft UTG erklärte gegenüber einheimischen Medien Abengoa sei zu groß und zu wichtig für die spanische Wirtschaft, um den Konzern „verschwinden zu lassen“. Der Wirtschaftsminister Luis de Guindos sagte Medienvertretern, Abengoa brauche einen starken Partner aus der Industrie. Dass der Staat Schulden übernehme oder einen Rettungsschirm spanne, schloss er jedoch aus.

Abengoa SA: ISIN  ES0105200002/ WKN A1JSBM
Abengoa Yield Plc.: ISIN  GB00BLP5YB54 / WKN A116CH
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